Landwirtschaft: Eine Heizung, die auch Dünger produziert

Verkohlte Biomasse speichert Stickstoff im Boden und dient als Lebensraum für Mikroorganismen. Als Viehfutter bindet sie Giftstoffe, in der Einstreu mindert sie Gestank. All das ist Teil der Geschäftsidee von Aparus.

Kohle: aus dem Ofen auf das Feld.
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Kohle: aus dem Ofen auf das Feld.
Kohle: aus dem Ofen auf das Feld. – (c) Aparus

Am Montag hat August Zöchbauer noch rasch in Oberösterreich die Ernte eingebracht. Jetzt ist er wieder zurück in seinem Grazer Büro. Er war früher Entwicklungsingenieur bei KWB. Das steirische Unternehmen produziert unter anderem Pellets- und Hackschnitzelheizungen. Sein ehemaliger Chef sei ein Querdenker gewesen. Er sei es auch gewesen, der ihn „auf die Kohle gebracht“ habe, erzählt der Neo-Landwirt.

Man verliert verhältnismäßig wenig Heizwärme, verkohlt man die Biomasse nur anstatt sie vollständig zu verbrennen. Bei der Heizung von Aparus – dem Unternehmen von August Zöchbauer und Pia Dietachmair – ist das Endprodukt nicht nur Asche, sondern Pflanzenkohle. Und sie ist eigentlich auch gar nicht das Ende, sondern erst der Anfang.

Diese Kohle nämlich funktioniert wie ein Schwamm. Sie saugt den Stickstoff, der die Pflanzen düngt, auf und hält ihn. So gelangt er nicht als Nitrat ins Grundwasser, sondern ist für die Pflanzen verfügbar. Gleichzeitig dient die Kohle den Mikroorganismen als Lebensraum. Sie bereiten die Nährstoffe für die Pflanzen auf.

Die Wiederentdeckung der Kohlewirkung ist jung. Seit rund zehn Jahren sprechen Forscher zum Thema Boden über sogenannte Terra preta. Für diese besonders fruchtbare Erde vermischen Urvölker im Amazonasgebiet Essensreste und Fäkalien mit Kohle.

 

Eine Anlage pro Bauernhof

Außerdem kann man die besondere Pflanzenkohle Tieren zufüttern. Das steigert ihre Vitalität. „Bei den Futtermitteln sind indirekt immer Giftstoffe dabei, die die Aktivkohle binden kann“, erklärt Zöchbauer. Wirksam ist sie auch unter die Einstreu gemischt. Das reduziert den Stallgeruch, in der Schweinemast beispielsweise. Der Stickstoff bleibt gleich in der Kohle und kommt so mit dem Mist aufs Feld. Von dort kommt wiederum Futter für das Vieh. So schließt sich der Kreislauf.

Die Kohle aus der Aparus-Technologie, gefördert vom Austria Wirtschaftsservice AWS und der Forschungsförderungsgesellschaft FFG, ist mit dem Europäischen Pflanzenkohle-Zertifikat ausgezeichnet und zum Patent angemeldet. Den beiden Unternehmern geht es nicht um ein zentrales Heizkraftwerk, das den Bauern die Biomasse abkauft und ihnen die Pflanzenkohle wieder verkauft. Sie entwickeln eine Anlage im kleinen Maßstab, zugeschnitten auf einen Hof. Schließlich fällt dort die Biomasse ohnehin an, wo man auch die Pflanzenkohle einsetzen kann. „Die Wertschöpfung gehört zu den Landwirten“, sagt Zöchbauer. Dadurch könnten Bauern wieder ein Stück unabhängiger werden.

Der Techniker hat selbst den Hof seines Großvaters übernommen. Die Situation und der Strukturwandel in der Landwirtschaft haben ihn bedrückt. „Im Mühlviertel hören nach der Reihe die Bauern auf, weil sie in ihrem Betrieb keine Zukunft sehen.“ Gleichzeitig sind sie abhängig vom Handel und den Förderungen.

„Es geht nicht mehr nur darum, Stickstoff als Gülle hinzukippen, damit mehr wächst“, meint er. Einige wenige Bauern sehen das ganzheitlich und führen ihren Betrieb als Kreislaufwirtschaft. Besonders bei kleinen Biobauern spielt das eine Rolle. Doch just sie dürfen die Pflanzenkohle noch nicht einsetzen. Denn die biologische Landwirtschaft wird durch EU-Verordnungen geregelt und auf der Europäischen Positivliste der erlaubten Düngemittel, Bodenverbesserer und Nährstoffe scheint die Pflanzenkohle nicht auf. Die Hoffnung liegt daher auf einer baldigen neuen EU-Bio-Verordnung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.10.2017)

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