Forschungsförderung

Horizon 2020: Bisher 779 Millionen für Österreich

In einer Zwischenbilanz zum aktuellen EU-Rahmenprogramm liegen heimische Fördereinrichtungen und Unternehmen mit ihren Beteiligungen auf Rang drei.

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Österreich hält im noch laufenden EU-Rahmenprogramm „Horizon 2020“ einen Stockerlplatz. Mit einer Erfolgsquote von 16,5 Prozent bei den Beteiligungen an genehmigten Projekten rangiert man – nach Belgien und Frankreich – auf dem dritten Platz. Der Durchschnitt der EU-Staaten liegt bei 14,4 Prozent. Insgesamt gab es 11.862 österreichische Beteiligungen an Einreichungen, 1952 wurden schließlich gefördert.

In Summe flossen damit in den ersten dreieinhalb Jahren der Laufzeit des europäischen Förderprogramms rund 779 Millionen Euro an Forschungsförderung nach Österreich. Oder anders: In Österreich leben 1,7 Prozent der Bevölkerung der 28 EU-Mitgliedsstaaten, es erhielt zuletzt aber rund 2,8 Prozent aller bewilligten Horizon-2020-Förderungen. Und in der nun anstehenden dritten und letzten Fördertranche wird mit rund 30 Milliarden Euro ein überproportional großer Anteil der Mittel vergeben, betont mit Wolfgang Burtscher der stellvertretende Direktor in der Generaldirektion Forschung und Innovation der EU-Kommission in einer Zwischenbilanz.

Hier will Österreich noch einmal ordentlich zuschlagen. Man sei jedenfalls auf gutem Weg, das zu Beginn von Horizon 2020 formulierte Ziel von 1,5 Milliarden Euro an Förderungen bis zum Ende der Laufzeit des Programms zu erreichen, erklärt Barbara Weitgruber, Leiterin der Forschungssektion im Wissenschaftsministerium. Damit würde Österreich Nettoempfänger bei einem wichtigen EU-Topf, sagt Henrietta Egerth, Geschäftsführerin der Forschungsförderungsgesellschaft FFG. Diese wirkt als nationale Kontaktstelle für Wissenschaftler.

 

Einzelne Forscher räumten ab

Österreich war vor allem bei der Einwerbung der hoch dotierten Grants erfolgreich. 89 dieser Förderpreise für besonders herausragende Grundlagenforscher brachten insgesamt rund 150 Millionen Euro. Immerhin 115 Millionen Euro gab es für die Förderung von Informations- und Kommunikationstechnologien.

Für das nächste EU-Rahmenprogramm könnte Österreich wichtige Weichenstellungen vornehmen, wenn es im zweiten Halbjahr 2018 den Ratsvorsitz übernimmt. Man wolle u. a. die Forschung stärker öffnen, sagt Weitgruber. Das könnte etwa bedeuten, dass Bürger in die Definition großer Missionen mit eingebunden werden. Dadurch sollen künftig mehr Menschen hinter der Forschung stehen.

 

Silodenken weiter aufbrechen

Inhaltlich könnte die Künstliche Intelligenz als Schlüsseltechnologie gestärkt werden, sagt Sabine Herlitschka. Die Vorstandsvorsitzende des Chipherstellers Infineon ist Mitglied einer europäischen Strategiegruppe zu Industrietechnologien. Bisherige Schwerpunkte lagen u. a. auf Materialforschung, Mikro- und Nanoelektronik oder Biotechnologie. Österreichs Unternehmen waren mit einer Beteiligung von 36 Prozent an den Projekten jedenfalls stark für die Rückflüsse aus dem Rahmenprogramm verantwortlich – der europäische Durchschnitt liegt bei lediglich rund 30 Prozent.

In der Kooperation von Wissenschaft und Wirtschaft sei man schon weit gekommen, sagt auch EU-Vertreter Burtscher. Er ortet teilweise aber noch immer „starkes Silodenken“.

Lexikon

Die Rahmenprogramme sind das wichtigste Instrument der Europäischen Union, um Forschung und Innovation zu fördern. Horizon 2020 ist das achte EU-Rahmenprogramm. In den Jahren 2014 bis 2020 werden insgesamt 77 Milliarden Euro vergeben. Die letzte, mit rund 30 Milliarden Euro am besten dotierte Ausschreibungsrunde beginnt demnächst. Die Diskussionen, wie das nächste Rahmenprogramm gestaltet werden soll, laufen bereits. Österreich soll es in seiner EU-Ratspräsidentschaft wesentlich mitvorbereiten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.10.2017)

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