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Evolution: Spie ein Vulkan die Götter aus?

12.01.2010 | 18:39 |  JÜRGEN LANGENBACH (Die Presse)

Durch eine Klimakatastrophe vor 73.000Jahren soll in Afrika der erste Kult entstanden sein, als Überlebenshilfe. Das ist eine der Hypothesen, die Religion in die Evolutionstheorie integrieren wollen.

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Vor 100.000Jahren wanderten unsere Ahnen aus Afrika aus, in der Levante trafen sie auf Nachkommen einer früheren Wanderung, Neandertaler. 30.000Jahre lebten sie nebeneinander, dann wanderte H.sapiens nach Afrika zurück. Vor 60.000 Jahren kam er wieder, bald beherrschte er Eurasien; der Neandertaler verschwand. Was hatte die Gewichte verschoben? Ein gigantischer Vulkan: Vor 73.000Jahren brach auf Sumatra der Toba aus, unter der Kälte seiner Wolken brach die Menschheit fast zusammen, nur 2000H.sapiens überlebten.

Sie überlebten deshalb, weil sie (bzw. ihre Kinder, dazu später) sich etwas einfallen ließen: Religion. Vor 70.000Jahren wurde ein schlangenförmiger Stein in einer Höhle in Botswana so behauen, dass er noch schlangenähnlicher aussah, wie ein Python. Er war die erste Vergegenständlichung des Glaubens an überirdische Mächte, mit denen man in Kulthandlungen kommunizieren kann. Das ist aufwendig, erfordert Zeit und Opfer. Im Gegenzug sorgt es dafür, dass die Gruppe der Gläubigen enger kooperiert, intern Milde entwickelt – und Normen, über deren Einhaltung die Götter wachen – und nach außen um so härter zuschlägt. Mit diesem Rüstzeug überrannte H.sapiens, als er zum zweiten Mal kam, den Neandertaler.

So erzählt es Matt Rossano, Southeastern Louisiana University, und so genau wie er wusste noch keiner, „wo, wann und warum“ Religion entstand (in: Voland/Schiefelhövel, „The Biological Evolution of Religious Mind and Behavior“, Springer, 2009). Allerdings ist außer dem Vulkan alles Spekulation, schon deshalb, weil vermutlich auch die Neandertaler Religion hatten, zumindest bestatteten sie Tote (in jedem Fall überlebten auch sie die Toba-Abkühlung). Auch bei den Fakten ist nichts gesichert, weder die 2000 letzten H.sapiens noch der Python: Niemand weiß, ob der Stein eine Schlange darstellte und wie alt er ist, den Stein kann man nicht datieren.

 

„Glaubensinstinkt“...

Aber es passt in die Zeit. Auch Nicholas Wade, Wissenschaftsjournalist der „New York Times“, hat gerade einen „Glaubensinstinkt“ aufgespürt, der früh „im Gehirn verdrahtet“ wurde, weil er Vorteile brachte: Religionen stärken Gemeinschaften, durch die Bereitschaft, für sie zu opfern, auch das Leben („The Faith Instinct: How Religion Evolved and Why it Endures“, Penguin, 2009).

Deshalb wurde Religion laut Wade von der Evolution selektiert. Dass sie überhaupt etwas mit ihr zu tun haben soll, ist allerdings relativ neu, ein zweiter Nachhall auf Kreationismus bzw. „Intelligent Design“ (der erste kam in Gestalt eines kämpferischen Atheismus von Richard Dawkins, s.u.). Darwin selbst – studierter Theologe, der sich früh vom Glauben abwandte – sah keinen Bedarf, für ihn war es „ganz natürlich, dass der Mensch ab einem gewissen Entwicklungsstand von Einbildungskraft, Neugier und Vernunft über das Geschehen um ihn herum und seine eigene Existenz nachzudenken begann“. Auch später erschien vielen Biologen Religion nicht als Instrument der Evolution, sondern als Beiwerk: Stephen J.Gould etwa hielt sie für „Spandrel“ (auch: „Exadaption“), Zweitverwertung von Erfindungen, die für andere Zwecke gemacht wurden. So wie die Vögel zum Fliegen die Federn nutzten, die von Sauriern zum Wärmen entwickelt worden waren, so nutzten die Menschen die symbolischen Fähigkeiten, die sie zum Sprechen entwickelt hatten, für die Religion.

Allerdings gab es auch frühe Gegenstimmen außerhalb der Zunft. Als Erster vermutete der Ökonom Friedrich von Hayek, dass Religion gut in Darwins Zentrum passt: zu mehr Nachwuchs verhilft. Er behielt recht, die Volkszählung etwa in der Schweiz im Jahr 2000 bestätigt es. Michael Blume, Uni Heidelberg, hat sie ausgewertet – muslimische Frauen haben im Durchschnitt 2,44Kinder, jüdische 2,06, katholische 1,41, protestantische 1,35, konfessionslose 1,11 – und erklärt das Phänomen damit, dass mit dem Glauben das Vertrauen unter den Gläubigen wächst, das der Mütter in die Versorgung durch die Männer, das der Väter in ihre Vaterschaft (in: Voland/Schiefenhövel).

Allerdings haben schon viele Religionen just ihre reproduktionsstärksten Anhänger in Kriege geschickt, und manche verbieten die Reproduktion gar, die Shaker etwa (sie mehren sich durch Mission). Zudem lässt sich sozialer Zusammenhalt auch ohne überirdischen Beistand festigen, jede Räuberbande zeigt es, und für politische Ziele sind auch genug in den Opfertod gegangen.

 

...oder Kinderblick?

Das Spezifische an Religion und Evolution ist – falls vorhanden – mit (vulkan-)wolkigen Ansätzen nicht zu fassen, Blum hat es bemerkt und zur Abhilfe einen Wikipedia-Ableger eröffnet (wikireligiosus.eu). Dort werden sich auch Psychologen melden – viele suchen den Schlüssel zur Religion in Kindern, die unbelebte Gegenstände als belebt ansehen und ihnen zielgerichtetes Handeln unterstellen: „Die Sonne scheint, damit mir warm ist.“ (Rossano integriert das, er lässt den Schlangenkult von Kindern ersinnen.)

Vielleicht meldet sich auch John Tierney, noch ein Journalist der „NYT“, der das Buch seines Kollegen Wade zum Anlass nimmt, in Gegenrichtung zu spekulieren: Wie wird die Evolution der Religion weiter gehen? Tierney sieht eine um Umweltschutz zentrierte „grüne Kirche“ kommen, „aber mit Ritualen, die eleganter sind als das Mülltrennen“.

Erste Spur: 11.000Jahre

Gesicherte Götter gibt es erst, seit sie schriftlich angerufen werden. Sehr viel weiter kann auch die Archäologie nicht helfen: Die erste Kultanlage entstand von 11.000Jahren in Göbekli Tepe in Anatolien. Damals wurden dort Menschen und Götter sesshaft.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.01.2010)

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21 Kommentare
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H.sapiens

Kann es sein, dass im Artikel bewusst auf Wort "Homo" verzichtet wird?

Gast: gast123
13.01.2010 10:42
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pseudowissenschaft und märchenerzähler willkommen!


Gast: Ijon Tichy
13.01.2010 10:32
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Religion verhilft zum Nachwuchs?

Vollkommen richtig, nur die Begründung (und Erklärung) ist hanebüchen. Denn je geringer der Stellenwert der Frau in einer (Religions)Gemeinschaft ist und hiermit weit weg von jeder Selbstbestimmung, desto mehr Kinder werden sie bekommen. Emmanzipierte Frauen bestimmen die Anzahl ihrer Kinder selbst.

Antworten Gast: LaVoix
17.01.2010 17:26
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Re: Religion verhilft zum Nachwuchs?

Gar nicht wahr. Die religiöseren Länder (Italien, Österreich) haben weniger Nachwuchs pro Frau als die mit höherer Emanzipation (Skandinavien, Frankreich).

Antworten Gast: Zeitloser Frühling
13.01.2010 21:55
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Re: Religion verhilft zum Nachwuchs?

"Emmanzipierte Frauen bestimmen die Anzahl ihrer Kinder selbst."

Das ist ja das Drama! Selbstbestimmung der Frau scheint für das Aussterben von Populationen verantwortlich zu sein.

Hoffnung besteht allerdings darin, dass es Frauen geben soll, welche ihre Emanzipation nicht von "Emma" ableiten und daher weder lesbisch werden noch kinderlos bleiben wollen.
Allerdings ist der Anteil dieser Frauen unter den Migranten höher als bei den Einheimischen.

Wie gesagt, ein Drama.


Antworten Antworten Gast: LaVoix
17.01.2010 17:27
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Re: Re: Religion verhilft zum Nachwuchs?

Misogyn und uninformiert

Antworten Antworten Antworten Gast: mi fhèin
18.01.2010 11:36
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Re: Re: Re: Religion verhilft zum Nachwuchs?

Offenbar ist jeder, der sich der allgemeinen Mysandrie nicht anschließen will, gleich misogyn.

Haben Sie eigentlich auch sachliche Argumente?

Gast: ceterum censeo
13.01.2010 10:18
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Und wer

lieferte die "Software" für diese Verdrahtungen?

Sie überlebten deshalb, weil sie (bzw. ihre Kinder, dazu später) sich etwas einfallen ließen: Religion

macht nur weiter so - 'geisteswissenschaftliche' Elite. Wer auf eure blasphemischen Mutmassungen hereinfällt ist selbst schuld

AUSTRITT



zuständige Behörde:

die BEZIRKSHAUPTMANNSCHAFT (in Städten mit eigenem Statut: der Magistrat, in Wien: das Magistratische Bezirksamt)

erforderliche Unterlagen:

1. amtlicher LICHTBILDAUSWEIS
2. NACHWEIS DER MITGLIEDSCHAFT in der Glaubensgemeinschaft z.B.:

* Taufschein
* Trauschein, Firm- oder Konfirmationsbestätigung etc.
* sonstige Bestätigung über die Mitgliedschaft
* Zahlungsnachweis
* Zahlungsaufforderung

für den Austritt fallen KEINE GEBÜHREN an.

Quelle: www.help.gv.at/Content.Node/82/Seite.820003.html
(Homepage der Bundesregierung)



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„Glaubensinstinkt“ aufgespürt, der früh „im Gehirn verdrahtet“ wurde

Ich sehe das eher andersrum: Diejenigen, welche sich nicht unter die Knechtschaft einer Superpython oder eines Waldgeistes werfen wollten, wurden einfach von dem Kollektiv getötet, um die Götter zu besänftigen.
Somit pflanzten sich nur jene Menschen fort, für die es genetisch gesehen ein leichtes war, blindlings Normen zu übernehmen und sich unterzuordnen, in diesem Fall eben an Glaubensbekundungen.

Warum sich womöglich gläubig sein gegenüber nicht gläubig sein durchsetzte: Für die Gläubigen war eine Gruppe Ungläubiger eine größere Bedrohung als andersrum. Ergo waren sie aggressiver in ihrem Vorgehen und Aggressivität scheint immer vorteilhaft gewesen zu sein. Es ist auch heute so, dass ein Hindu, Christ oder Moslem viel aggressiver bei der Verteidigung seiner religiösen Werte in Erscheinung tritt als ein Atheist seine Nicht-Religiosität verteidigt.

Dieser Nachteil und die äußerst schwache Geburtenrate der Atheisten wird binnen weniger Jahrzehnte dazu führen, dass Gottlosigkeit wieder von der Erde verschwinden wird. Wir (Österreicher) profitieren noch von dem Geburtenüberschuss vor und nach der Kriegszeit und in Europa, dem einzig zumindest teilweise gottlosen Flecken Erde, verhält es sich überall gleich.

Die Matrix-Theorie

Alle bishergen Theorien konnten die Fiktionierung der übernatürlichen Phänomene (Irreale Persönlichkeiten: Geister, Engel, Dämonen, Götter; Jenseitswelten: Paradiese, Himmel; Wunder; Offenbarungen; usw.) hinreichend und nicht auf nicht übernatürliche Weise erklären.
In Analogiemustervergleichen entdeckte ich zwischen den Paradigmen der evolutiven Genesis und der Memesis verblüffende Selbstähnlichkeiten.
Beide Paradigmen enthalten das Phänomen der Nutzung höherer Komplexitäten durch niedrigere Komplexitäten mittels Parasitismus.
Kurzum, muß es neben den bekannten Gen-Viren auch Mem-Viren geben.

Die Memesis kann im Universum Intelligenzen hervorbringen, welche sich aus den Regelkreisen temporär vernetzter autonomer Organismen aufbauen.
Der Mensch ist ein geeigneter, derartiger neurogeregelter Organismus.

Nahezu alle klassisch unerklärlichen ideeologischen, neurophatogenen, mythischen u. religiösen Real- u. Ireal-Phänomene der Menschheitsgeschichte und Gegenward stehen vor der systemfunktionalen Aufklärung, wenn man das Vorhandensein neuroviral basierter parasitärer Neuronennetzwerkintelligenzen (Matritzen) annimmt.

Schöpfer, Eingötter und deren Offenbarungen dienen den men-virenbasierten, neuroparasitären Matritzen u.a. lediglich als ungeheuer mächtige Fiktionen zur bequemen Kontrolle ihrer Neurotope (Gläubigengehirne).

Matritzen kennen keine Wachsumshemmungen. Ohne Gegenmaßnahmen, penefektieren und unterwerfen sie alle verfügbaren Gehirne auf dem Planeten.


Antworten Gast: gastx
19.01.2010 19:00
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Re: trari trara, die Matrix-Theorie ist da!

fast besser als die Monaden von Leibniz

Antworten Gast: gast123
15.01.2010 14:42
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Re: Die Matrix-Theorie

@matrix-believer(s):
Homo proponit, sed Dēus disponit.

Antworten Gast: gast123
14.01.2010 19:31
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Re: Die Matrix-Theorie

There are more things in heaven and earth, matrix-believer, than are dreamt of in your philosophy (Shakespeare).


Gottesbeweis per Hamlet? Daumen hoch!


Antworten Gast: atheisterl
13.01.2010 15:20
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Re: Die Matrix-Theorie

nun ja, das atheistische Glaubensgebäude ist auch nicht ohne. Es ist aber jedenfalls noch ausbaubar.

Ganz nett

Aber nur so als Tip für die Zukunft:

Botschaften kommen dann besser an, wen sie in der Sprache des gewünschten Empfängers verfasst sind :)

Antworten Gast: G Ast
13.01.2010 02:06
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Re: Die Matrix-Theorie


... und um 8 Uhr hat der Wecker geläutet.

Re: Die Matrix-Theorie

Nachwuchs:
Matritzennetze sind nahezu unsterblich und wollen bis an die Grenzen des Möglichen wachsen.
Sie benötigen daher permanenten und progressiven Generationennachschub.
Der einfachste Weg, geeignetes, nicht zu intelligentes Wirtsgehirnematerial zu erzeugen, ist es durch die eigenen Gebärmaschinen produzieren zu lassen.

Die bei uns übliche Kinderbeihilfe hat unzählige HNMV-Träger zur Massenreproduktion und Übernahme hierhergelockt.


Re: Die Matrix-Theorie

Korrektur:
... Offenbarungen; usw.) nicht hinreichend ...