Erdkunde: Ertrinkt das US-Atommülllager?

Innsbrucker Geologen entdecken bisher übersehenes Risiko.

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(c) AP (Eckehard Schulz)

Die Yucca Mountains in Nevada, 140 Kilometer von Las Vegas entfernt, sind eine Geisterlandschaft, in der es kaum regnet und auch sonst Ruhe herrscht; das Gebiet ist vulkanischen Ursprungs, die letzten Ausbrüche waren vor etwa neun Millionen Jahren. Und ausgerechnet dieses Stück Erde ist vermutlich das von Geologen am besten untersuchte: Der Atommüll der USA soll einmal in die Berge, er soll dort sicher lagern, auf unabsehbare Zeit, eine Million Jahre.

Und er kann nur dort lagern, eine Alternative gibt es nicht. Seit 1978 wurde ein geeigneter Ort gesucht, neun Kandidaten gab es, acht wurden von Nimby-Bewegungen („Not in my backyard!“) aus dem Rennen genommen. Seit 1987 sind nur noch die Yucca Mountains übrig, obwohl auch dort der Widerstand groß ist. Davon profitieren die Geologen, jeder Stein ist fünfmal umgedreht.

Und doch kommen immer wieder Überraschungen, nun von Yuri Dublyansky und Christoph Spötl (Uni Innsbruck): Im Bereich des geplanten Lagers gibt es Wasser, irgendwann in den letzten zehn Millionen Jahren wurde es in Calcitkristallen eingeschlossen. Wasser ist das Letzte, was ein Atommülllager braucht, deshalb wurde es von US-Forschern eingehend analysiert: Es kam mit Regen, als es in der Region noch häufiger gab.

„Wir drehen das um 180 Grad um“, widerspricht Spötl gegenüber der „Presse“: „Das Wasser kam nicht von oben, sondern von unten, das zeigt der Fingerabdruck seiner Isotopen.“ Es wurde tief in der Erde erhitzt und stieg auf, den „thermischen Motor“ gibt es noch, es könnte wieder aufsteigen. „Man kann nur mahnen: Bitte aufpassen!“ (Earth and Planetary Science Letters, 21.12.).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.01.2010)

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