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Rudolf Grimm: Forscher müssen als "cool gelten

07.02.2010 | 18:30 |  VERONIKA SCHMIDT (Die Presse)

Rudolf Grimm will Wissenschaft als Abenteuer vermitteln und Studenten beste Bedingungen bieten. Dem Star der Experimentalphysik wurde der Titel "Wissenschafter des Jahres" verliehen.

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Botschafter der Wissenschaft – dieser Stempel wurde dem Innsbrucker Quantenphysiker Rudolf Grimm mit der Wahl zum „Wissenschafter des Jahres 2009“ aufgedrückt. Der Star der Experimentalphysik war – nach einer Reihe von Auszeichnungen aus der wissenschaftlichen Community – direkt überrascht, dass er zum Wissenschaftsvermittler des Jahres ernannt wurde. „Ein bisschen fühlt es sich wie Vorschusslorbeeren an“, erzählt er der „Presse“. Denn offensive Werbung für die Forschung habe sein Team an der Uni Innsbruck und am Institut für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI) nicht gemacht. „Aber wir haben eine kleine Tradition, wissenschaftliche Publikationen für die Öffentlichkeit verdaulicher zu machen.“

Auf dieser Erfahrung lässt sich aufbauen: Grimm möchte nun „Dinge tun, die Hebelwirkung haben und nachhaltig wirken können.“ Auf verschiedenen Ebenen. „Einerseits sehe ich Medienvertreter als unsere Partner. Diese Kontakte müssen noch intensiviert werden.“ Auch Kontakte zu politischen Entscheidungsträgern will Grimm heuer nutzen, „um immer wieder klarzumachen, wie wichtig Forschung für unser Land und die Zukunft dieses Landes ist.“

 

Kleines-Land-Komplex?

Zwar ist der Wert der Grundlagenforschung kurzfristig schwer erkennbar. „Aber das wirkt langfristig: Bildung und Wissenschaft sind unser wichtigster Rohstoff. Jetzt haben wir noch einen Vorsprung gegenüber Ländern wie China. Wenn wir den Rohstoff aber nicht fördern, werden wir im internationalen Wettbewerb überholt.“ Österreich solle keinen „Kleines-Land-Komplex“ haben, sondern die Felder wie zum Beispiel sein Spezialgebiet der Quantenphysik, „wo wir international die Nase vorn haben“, verstärkt unterstützen.

Besonders wichtig ist aber auch der Kontakt zur Jugend. „Forscher und Wissenschaftler müssen für junge Leute als cool gelten“, sagt Grimm: „Da stecken Abenteuer und spannende Geschichten von Menschen dahinter.“ Daher bemüht sich sein Team, immer mehr Schulklassen ins Labor einzuladen und auch Lehrer anzusprechen, die manchmal Scheu haben, sich bei den Wissenschaftlern zu melden. „Wir sind Partner und für alle Fragen offen.“ Im Umgang mit Schülern bewundert Grimm Kollegen, die es schaffen, „zu sprühen und Begeisterung zu vermitteln“.

Wenn man es geschafft hat, die jungen Leute an die Uni zu bringen, „muss man ihnen ein sehr gutes Studium bieten“. Kernkompetenzen und ein hohes Wissensniveau können nur unter guter Betreuung gelernt werden. „Man muss nicht brutal selektieren, sondern über Förderung aufpassen, dass man niemanden mit Potenzial verliert.“ Das vor allem unter Studierenden umstrittene Bologna-System kritisiert Grimm nicht per se, sondern „die Umsetzung“. Hier sei höhere Flexibilität notwendig, „sonst schießen wir uns gewaltige Eigentore“.

 

Eigentor: Kein Laufbahnmodell

Die Förderung des Nachwuchses geht weiter im Doktoratsstudium. „Das darf nicht verschult sein, die Forschungsarbeit muss im Vordergrund stehen.“ Und Dissertanten sollen sich mit den „besten Köpfen der Welt messen“. Um die Welt kennenzulernen, rät Grimm, für Postdoc-Stellen „raus ins Ausland zu gehen“.

Zurückkommen kann man immer noch, am besten mit eigenem Projekt und Verantwortung. „Ich bedaure sehr, dass in Österreich keine wirkliche Uni-Laufbahn, im Sinne eines echten Tenure Track, möglich ist“. Der neue Kollektivvertrag hat kein Modell geschaffen, bei dem junge Forscher vom Assistenzprofessor – bei positiver Qualitätsbeurteilung – immer höher aufsteigen bis zum vollen Professor: „Wieder so ein Eigentor.“

Auch als Professor darf man nie aufhören, Botschafter für die Forschung zu sein: „Wir forschen an ultrakalten Quantengasen: Die sindim Vergleich zu normalen atomaren Gasen wie ein Laser im Vergleich zur normalen Glühbirne.“ Verwenden kann man das Medium der Quantengase für höchst präzise Messungen – etwa von Gravitationsfeldern um Rohstoffe aufzuspüren. „Auch ultragenaue Atomuhren werden durch unsere Forschung verbessert.“ Und was die Zukunft der Quantencomputer durch gut geplante Quanteninformationsforschung bringen wird, ist sowieso eine spannende Frage...

AUF EINEN BLICK

Rudolf Grimm (* 1961) kam 2000 nach Innsbruck und leitet das Institut für Quantenoptik und Quanteninformation.

Als „Wissenschafter des Jahres“ möchte Grimm den Wert der Forschung in Medien, Politik und bei der Jugend betonen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.02.2010)

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3 Kommentare
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Mein Cousin hat sich in Kanada

den PhD selbst verdient als guter Steuerzahler.

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Er hat sehr oft

monatelang im Winter in der Tundra geforscht. Er hat mich schon vor zwei Jahrzehnten eingeladen, auch einmal dabei zu sein, aber das konnte ich mir noch nicht leisten. Da ist aber gar nichts cool sondern bitterkalt gewesen, wenn er über das Atomverhalten von Metallen bei extrem tiefen Temperaturen in der Natur beforscht hat. Im Gegensatz zu Grimm ist er erst an die Presse gegangen, wie er nach der technischen Umsetzung seiner Grundlagenergebnisse diese technisch in der Verbesserung von Glasfasermaterial umgesetzt hatte, Maschinen zur Produktion konstruiert und Materialtests in Sachen Reißfestigkeit und Ermüdung immer wieder über Grenzen hinaus durchgeführt hatte. Dann hat er eine wirkich wertvolle Sache der Northern Electric anbieten können und Lockhee Martin im Nachbarland kann das in Zukunft für die Verwirklichung der Träume von regenerativer Energiegewinnung vor steilen Küsten verwenden. Der wirklich erst von der Lokalpresse interviewen lassen, wie er weltbewegende 'Technik fertig gehabt hat, weil sonst brauchst dich ja gar nicht sehen lassen bei den Nachbarn, wennst da mit so Geschwätz von scientologischer Collness daherkommst wie bei den Gebrüdern Grimm der HansGuckInDieLuft.

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Ich weiß schon,

daß das Hoffmann ist, aber ich will auch einmal einen Schmäh machen. Also liebe Kinder: kauft immer schön den Struwwelpeter!