Viele Tiere verzehren die eigene Brut, und zwar sind das oft Tiere, die die Brut pflegen. Der „elterliche Kannibalismus“ muss gute Gründe haben – einer der besten könnte der sein, dass die Brut gar nicht die eigene ist, zumindest teilweise nicht. Das gibt es etwa bei Stichlingen; bei ihnen übernehmen die Männchen die Brutpflege, sie bauen Nester, in die die Weibchen ablaichen und an deren Eingang die Männchen patrouillieren. Aber andere Männchen schleichen sich ein und befruchten auch Eier.
Wenn zu viele davon im Nest sind, fressen die Brutpfleger die Brut, die ganze, auch die eigene. Joachim Frommen (Konrad Lorenz Institut für Vergleichende Verhaltensforschung, Wien) hat es experimentell gezeigt: Die Grenze liegt bei etwa 50 Prozent Anteil fremder Brut, sie sinkt, wenn das Jahr älter wird. Dann sind die Brutpfleger schon schwächer, und ihre Arbeit ist anstrengend, sie fächeln dauernd frisches Wasser über die Brut, verteidigen sie, zum Fressen kommen sie kaum. Frommen vermutet, dass die Stichlinge die eigene und die fremde Brut nicht optisch, sondern am Geruch der Eier unterscheiden können, und will das im nächsten Experiment klären (Proceedings B, 20. 4.). jl
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