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Biologie: Wenn der Pilz die Frösche tötet

19.07.2010 | 21:06 |   (Die Presse)

Sie sind die Überlebenskünstler schlechthin, in 6300 Arten haben sie sich an alle Lebensräume angepasst, Regenwälder, Hochgebirge, nur in der Antarktis gibt es sie nicht, die Amphibien: Frösche, Salamander etc.

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Das Amphibiensterben wurde erstmals direkt dokumentiert

Sie sind die Überlebenskünstler schlechthin, in 6300 Arten haben sie sich an alle Lebensräume angepasst, Regenwälder, Hochgebirge, nur in der Antarktis gibt es sie nicht, die Amphibien: Frösche, Salamander etc. Seit ihre Ahnen vor 360 Millionen Jahren als erste Wirbeltiere aus dem Wasser ans Land stiegen, überlebten sie alles, Eiszeiten, Hitze, Massensterben, wie das vor 65 Millionen Jahren, als die Saurier gingen.


Nun gehen sie, rascher als alle anderen. Seit Ende der Achtzigerjahre verschwanden verschiedenste Arten in verschiedensten Regionen, bis 2004 waren gezählte 120 und ungezählte andere Arten weg. Die üblichen Gründe - Habitatzerstörung, Gifte aus der Landwirtschaft etc. - konnten es nicht sein, sie verschwanden in zu vielen Gegenden, auch in Naturreservaten. Ende der 90er-Jahre fand sich endlich die Ursache, ein Pilz, der sich auf die Haut setzt und sich von ihr nährt, Batrachochytrium dendrobatitidis. Der nimmt der Haut die Fähigkeit, Natrium- und Kaliumionen durchzulassen, und ohne die können die Muskeln nicht arbeiten, vor allem der zentrale leidet, das Herz.
So viel weiß man schon, man kennt auch die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Pilzes, in Hochländern Zentralamerikas etwa kommt er mit 30 Kilometern im Jahr voran. Das nutzen Forscher um Andrew Crawford (Smithsonian, Panama), sie zogen vor und nach der tödlichen Welle Bilanz in einer Region in Panama: 30 Arten verschwanden, das sind 41 Prozent, es verschwanden auch viele, die man noch gar nicht beschrieben hatte, man hat nur Genproben von ihnen.
Und mit den Arten geht ihre Geschichte verloren, die ihrer Evolution, bedauern die Forscher. Sie vergleichen es mit dem Brand der Bibliothek von Alexandria: „Es geht viel Information darüber verloren, wie das Leben in der Vergangenheit mit Umweltwandel umgegangen ist" (Pnas, 19. 7.).

 

Frösche zeigen Entstehung Asiens


Und es geht Information darüber verloren, wie die Umwelt selbst sich gewandelt hat: Auch in den Bergen Südostasiens leben Amphibien, Paini-Frösche, die gerne im Moos an Gewässern hausen und ungern wandern. Sie sind noch nicht unter die Pilz-Welle gekommen, ihre Gene konnte eine Gruppe um Ya-Ping Zhang großflächig erheben, vom Himalaya bis Vietnam. Und die Aufspaltung dieser Arten bestätigt, dass die ganze Region so entstanden ist, wie sich das Geologen vorstellen. Demnach schoben sich vor etwa 50 Millionen Jahren Indien und Asien ineinander, die Kollision trieb später den Himalaya und das Plateau von Tibet in die Höhe (und auseinander) und Vietnam nach Südosten.
All das ist in den Genen der Frösche archiviert, die sich in Arten und Unterarten aufspalteten, als die tektonischen Kräfte den Boden verschoben und sie trennten: „Ihre Geschichte zeigt die kritischen Aspekte der Entstehung der gegenwärtigen Geografie Südostasiens", schließen die Forscher (Pnas, 19. 7.).
Auch dieses Archiv wird irgendwann an den Pilz verloren gehen, man hat noch kein Mittel gegen ihn gefunden, kann allenfalls wenige Individuen einsammeln, sie mit Fungiziden behandeln und ihnen in Zoos Zuflucht geben, ein „Projekt Arche" versucht es.

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