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Weltbild: Geht es auch ohne Dunkle Materie?

19.11.2010 | 18:35 |  THOMAS KRAMAR (Die Presse)

Ein Wiener Astronom meint, dass sich Bewegungen von Mini-Galaxien nicht gut durch Dunkle Materie erklären lassen. Und ein Wiener Physiker arbeitet gar an einer erweiterten Theorie der Gravitation.

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Das aktuelle Weltbild der Kosmologie ist seltsam. Nur vier Prozent der Materie/Energie im Universum seien „normale“ Materie, sie bestehe aus Teilchen, die die Physiker kennen. 23 Prozent seien Dunkle Materie, sie bestehe aus Teilchen, die (noch?) keiner kennt, die offenbar mit Licht nicht wechselwirken. Den riesigen Rest stelle die noch rätselhaftere Dunkle Energie. Sie ähnelt im einfachsten Fall der „kosmologischen Konstanten“, die Einstein einst einführte, um das Universum stabil zu machen. Heute soll sie erklären, warum sich das All immer schneller ausdehnt.

Und wozu braucht man die Dunkle Materie? Ein wichtiges Motiv für ihre Einführung war, dass sich die Bewegung von Sternen um das Zentrum ihrer Galaxie nicht gut beschreiben lässt, wenn man nur die „normale“, sichtbare Materie in Rechnung stellt.

Doch da nützt auch die Dunkle Materie nicht: Das behaupten nun Gerhard Hensler, Astronom an der Uni Wien, und sein Bonner Kollege Pavel Kroupa in der Zeitschrift Astronomy and Astrophysics. Sie haben die Bewegung von Satellitengalaxien um unsere Milchstraße untersucht. Und festgestellt, dass „die Vorhersagen vorne und hinten nicht mit den Beobachtungsdaten übereinstimmen“, so Hensler. Kroupa und er zählen fünf Widersprüche zum Dunkle-Materie-Modell auf. So gibt es zu wenige Satellitengalaxien, und sie leuchten zu schwach.

„Wir müssen anfangen, Alternativen ernsthaft in Erwägung zu ziehen“, sagt Hensler. Damit meint er Modifikationen der gängigen Theorie der Gravitation, der 1915 von Einstein präsentierten Allgemeinen Relativitätstheorie (ART). Beziehungsweise der älteren, einfacheren Newton'schen Theorie, die für nicht zu große und nicht zu schnelle Massen gleiche Ergebnisse bringt wie die ART.

 

Ergänzung zu Einsteins Formeln

Der theoretische Physiker Daniel Grumiller, der soeben an der TU Wien habilitiert, geht in den höchst renommierten Physical Review Letters die Sache grundsätzlich an. Er fragt: Wie kann die allgemeinste mögliche Feldtheorie der Gravitation aussehen? (Die freilich keine Quantenfeldtheorie sein kann: Im Gegensatz zu den anderen drei Grundkräften kennt man von der Gravitation keine Teilchen, die sie übertragen.)

Grumiller macht sich eine Vereinfachung zunutze: Er betrachtet nur kugelsymmetrische Fälle, in denen es de facto nur zwei Koordinaten gibt: Abstand und Zeit.

So leitet er einen Ausdruck für die Gravitationskraft ab, der aus fünf Summanden besteht. Der erste ist einfach die Kraft, die auch die Newton'sche Theorie annimmt (proportional zu 1/r2), der zweite und dritte Term finden sich auch in der Allgemeinen Relativitätstheorie. Der vierte Term entspricht Einsteins Kosmologischer Konstanten, diese Kraft ist proportional zum Abstand.

Der fünfte Term aber ist neu, Grumiller nennt ihn nach dem Wiener Physiker Wolfgang Rindler die „Rindler-Kraft“. Diese Kraft verhält sich ganz anders als die Newton'sche Kraft: Sie ist vom Abstand unabhängig. Und auch von der Masse des Objekts, von dem sie ausgeht! Das heißt nicht, dass z.B. auf die Erde Rindler-Kräfte von allen Sternen des Weltalls wirken: Grumillers Modell gilt, wie gesagt, nur für ein System mit Kugelsymmetrie. Dennoch ist klar, dass diese Kraft sehr klein sein muss.

Getestet hat Grumiller seine Theorie an einem System, das sich in halbwegs guter Näherung als kugelsymmetrisch ansehen lässt: der Rotation von Sternen um das Zentrum einer Galaxie. Auch für die Bahnen der seit den Sechzigerjahren durchs All fliegenden Pioneer-Sonden, die sich mit der Relativitätstheorie nicht exakt vorhersagen lassen („Pioneer-Anomalie“), erhält er gute Ergebnisse.

Heißt das, dass Grumiller die Dunkle Materie für obsolet erklärt? Nicht unbedingt, sagt er, in dieser Frage sei er „agnostisch“. „Es ist möglich, dass es Dunkle Materie gibt, die genau zu so einer Rindler-Kraft führt, aber die muss dann schon sehr spezielle Eigenschaften haben.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.11.2010)

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32 Kommentare
 
1 2
Gast: ???
22.11.2010 21:55
0 0

Ernst gemeinte Frage:

Eine „Rindler-Kraft“, die nicht von der Größe der Masse abhängt? Ist das das Ende des Superpositionsgesetzes? (Ich denke mir eine Masse in n-Teile zerlegt und habe dann n-mal diese „Rindler-Kraft“?)

Gast: Fatalist
20.11.2010 20:45
0 0

mathematische Konstruktionen

Diese ganzen Theorien, Urknall, Dunkle Materie usw. sind doch nur mathematische Konstruktionen und die Mathematik ist sehr vielfältig, irgendeine von den vielen tausenden Formeln wird schon passen!
Bildlich kann sich der Mensch diese Theorien nicht vorstellen, das übersteigt bei weitem seinen geistigen Horizont!

0 0

Re: mathematische Konstruktionen

Nein, es sind Physikalische Modelle.

Genauso wie Atome, Moleküle elektromagnetische Wellen und Wechselwirkungen nur physikalische Modelle sind.

Bildlich kann man sich diese auch nicht vorstellen. Aber ist das ein Kriterium für die Aussagekraft der Modelle?

Oder kommt es nicht eher darauf an, ob die Resultate der Modelle mit der Wirklichkeit zur Deckung gebracht werden können?

Antworten Antworten Gast: Fatalist
21.11.2010 19:56
0 0

Re: Re: mathematische Konstruktionen

Aber mit der Mathematik macht man sich diese physikalische Modelle erst verständlich!
So wie ich das sehe, ist man erst durch Gleichungen auf die mögliche Existenz der Dunklen Materie gestoßen!?

Antworten Antworten Antworten Gast: Grummel
22.11.2010 14:49
1 0

Re: Re: Re: mathematische Konstruktionen

Nicht durch Gleichungen, sondern durch den Vergleich zwischen Beobachtungen und theoretischen Ergebnissen der Modelle.

0 0

Ja - und?

Ich stoße auch erst durch Gleichungen auf die mögliche Existenz einer Steuerrückzahlung für letztes Jahr.

Wo isz das Problem?

Gast: gast111
20.11.2010 18:36
1 0

Mangelt es der Urknall-Theorie an Argumenten?

Dr. Werner Gitt: Das ist so. Eine häufig erwähnte
Stütze dieser Theorie ist die sog.
»Dunkel-Materie«. Was als Stütze gedacht
war, erweist sich eher als ein Gegenargument.
Anhänger der Urknall-
Hypothese erkennen selbst, dass die
Entstehung der Galaxien nicht aus der
vorhandenen Masse des Universums
erklärt werden kann. Um nicht in Konflikt
mit bekannten Naturgesetzen zu
geraten, müsste eine imaginäre Dunkel-
Materie weitaus größer sein, nämlich
um das Zehnfache. Diese notwendige
Masse ist aber nie beobachtet worden.
Sie ist eine reine Annahme, weil
sonst das Modell zusammenbricht.
Auch wenn sie nie gesehen oder gemessen
worden ist, gab man ihr dennoch
einen Namen: die dunkle Materie. Bedauerlicherweise wird sie einfach
postuliert. Keinerlei Messwerte
machen diese Annahme plausibel. Die
Urknall-Theorie steht somit auf wissenschaftlich
sehr wackeligen Beinen.

0 0

"Diese notwendige Masse ist aber nie beobachtet worden."

Das stimmt allerdings nicht.

http://de.wikipedia.org/wiki/Dunkle_Materie#Beobachtungsgeschichte

Aber ich wusste es doch: Den Binarysearch (der hinter "gast111" steckt) stören so Nebensächlichkeiten wie "Relität" bem Argumentieren kaum.

Antworten Antworten Gast: gast111
20.11.2010 23:28
0 0

Re:

sie sollten ihre Links besser lesen, in dem Link werden nur VERMUTUNGEN über die dunkle Materie diskutiert, aber kein NACHWEIS erbracht.

Daten sind aber immer eine Überlebensstrategie für jede Theorie.

Antworten Antworten Antworten Gast: mi fhèin
25.11.2010 14:32
0 0

Re: Re:

Sagt Ihnen der Begriff "Gravitationslinse" was?
Daß das Licht stärker abgelenkt wird, als wir aufgrund der beobachtbaren Materie errechnet haben, deutet sehr stark auf eine Gravitationswirkung von etwas, das wir offenbar nicht sehen.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Harald Denifle
25.11.2010 18:37
0 0

Re: Re: Re:

So ist das eben mit Mogelpackungen nicht immer ist drin, was draufsteht.

0 0

Das kannst du jetzt einfach so in den Raum werfen -

oder du versuchst zur Abwechslung mal, dieses Ding zwischen deinen Ohren von "Ich habe Recht" auf "Habe ich Recht?" umzuschalten.

Antworten Antworten Gast: gast111
20.11.2010 21:39
0 0

Re:

Der Link verweist nur auf die Tatsache, dass das Verhältnis Masse - Gravitationskräfte bei bestimmten Galaxien nicht stimmt.

Die dunkle Materie selbst konnte aber noch nie nachgewiesen werden.

Erst vor wenigen Monaten haben die USA eine Rakete mit Messgeräten gestartet, um dunkle Materie nachzuweisen.

Allerdings ist dies bis jetzt noch nie gelungen.

Sie müssen also unterscheiden zwischen der Theorie der dunklen Materie und dem Nachweis der Daten - der dunklen Materie selbst - die diese Theorie gültig oder zumindest glaubwürdiger machen sollen.

Ihre argumenta ad personam können sie sich übrigens auch sparen, sie bringen kein sachliches Argument.

Zum Nachdenken: 1.Tim 1:15


0 0

"Die dunkle Materie selbst konnte aber noch nie nachgewiesen werden."

Doch, im Artikel stehts doch eindeutig:

Die Galaxien sind massereicher als das, was an sichtbarer Materie vorhanden ist. Die Differenz wird einfach "Dunkle Materie" genannt.

Wo ist bitte das Problem?

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Oktopus
22.11.2010 15:52
0 0

Re:

Das Problem ist, dass die Auswertung der Beobachtung eben mit einer Theorie erfolgt (erfolgen muss, weil es derzeit keine bessere gibt), die selber von einer "dunklen Materie" nichts weiss. Der primaere Befund ist also, dass die Theorie nicht zur Beobachtung passt. Dass man dieser Inkonsistenz einen geheimnisvollen Namen gibt, schafft ja noch keine externe Realitaet. Genauso kann die Gravitationstherorie falsch, bzw. unvollstaendig sein, und in diese Richtung geht ja offenbar die Arbeit des Herrn Grumiller.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: gast111
21.11.2010 20:39
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Im Artikel ist dies im letzten Absatz ausgedrückt..

.. es ist möglich, dass es dunkle Materie gibt....

von einer Möglichkeit würde man nicht reden, wenn man sie schon nachgewiesen hätte. Es ist also eine Theorie. Daten noch nicht gemessen oder nachgewiesen.

The earth is inherited by the meek Matt.5:5. Heaven is inherited by the violent Matt.11:12 (Th.W.)

0 0

Ich verstehe noch immer nicht das Problem.

Dunkle Materie ist ein Modell dafür, dass es beobachtbar mehr schwere Masse gibt als man sehen kann.

Das ist alles. Wird in der Physik seit 200 Jahren so betrieben. Wo ist jetzt dein Problem?

PS: Sehr stilvoll mit den Bibelzitaten. Machst du gut.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: gast111
22.11.2010 08:50
0 0

Re: Ich verstehe noch immer nicht das Problem.

ja, ein Modell. Ok. Die Bibelzitate passen zwar nicht zum Thema, aber wir wollen ja nicht nur Staubkörner auf die Waage legen.

"Quod oculus non vidit, nec auris audivit, nec in cor hominis ascendit, quae praeparavit Deus his, qui diligunt illum." 1.Kor. 2:9

Gast: Fatalist
20.11.2010 12:42
0 0

Druck-Theorie

Ich habe vor kurzer Zeit einen Bericht über die "Druck-Theorie" gelesen und ich glaube die Dunkle Materie würde diese Theorie bestätigen.

Gast: Harald Denifle
20.11.2010 11:04
0 0

Zeit + Gravitation

Es gibt nur eine Zeit.
Die aktive Gegenwart und die passive Gegenwart.
Gravitation ist die Antwort der Gegenwart auf
die Einwirkungen vergangener Wichtigkeiten.

©Harald Denifle

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auch lieb - wie der CERN-Artikel

Genaugenommen wechselwirkt die vermutete Dunkle Materie nicht nur nicht mit Photonen, sonder mit der gesamten baryonischen Materie nicht.
Alternativen . Ja dazu wäre es höchst an der Zeit, bevor der Dschungel an Theorien entgültig zum Wildwuchs wird. Und in diesem Zusammenhang die Frage: "Wieviele Menschen haben die Grundlagen für die heutigen Theorien, wie etwa Einstein, Gödl, Heisenberg - um nur einige zu nennen - tatsächlich (auf Papier, Tafel, oder PC) nachgerechnet. Stets wird "von etwas als richtig" ausgegangen. Doch mit jedem gelösten "Problem" gibt es zwei neue. Niemand - mit Ausnahme von Philosophen - kann derzeit erklären, weshalb die Zeit in den diversen Theorien richtungsunabhängig gilt - wenn überhaupt als Term noch vorhanden. So gesehen könnte - wenn nur irgendwo mal ein minus "übersehen" wurde - die Rotverschiebung der Galaxien nicht eine Entfernung bedeuten (und also eine Ausdehnung des Raumes), sonder eine Schrumpfung desselben, mithin ein auf uns zurasen der Galaxien. Beispielsweise.

Antworten Gast: Rotverschiebung
25.11.2010 14:36
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Re: auch lieb - wie der CERN-Artikel

Versteh ich nicht. Der Raum dehnt sich aus, und zieht dabei die Wellenlänge des Lichts auch auseinander, daher Rotverschiebung.
Wie soll das bitte auf eine Schrumpfung hindeuten?

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auch lieb - wie der CERN-Artikel


Gast: gast111
19.11.2010 19:54
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Dunkle Materie ist eine "Helper Theorie" für den Big-Bang

Wenn die dunkle Materie abgeschafft wird, dann stürzt auch BIG-BANG.

Anders ausgedrückt, der Atheisten-Werbebus hat einen Patschen.

Antworten Gast: ITGuy
21.11.2010 12:41
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Re: Dunkle Materie ist eine

der christliche Gott ist ein impermanentes Konzept dass es erst seit 2000 Jahren gibt, so wie die griechischen oder ägyptischen Götter wird auch er eines Tages einer anderen Theorie zum Opfer fallen. Sei es der Wissenschaft oder einem anderen übermenschlichem fiktiven Wesen.

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Das mit der Philosophie üben wir lieber noch einmal.


 
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