Wien/Gau. Uns geht es immer noch sehr gut, aber die Zukunft findet anderswo statt: Das ist die vage Sorge der „Menschen von der Straße“. Aber ist sie berechtigt? Das wollten das Wirtschaftsforum der Führungskräfte und die „Vienna International School of Thought“ wissen. In Kooperation mit der „Presse“ luden sie Experten in die Akademie der Wissenschaften.
Ökonom Gunther Tichy relativierte die oft beklagte Wachstumsschwäche Europas im Vergleich zu den USA. Zwar wachse die US-Wirtschaft meist schneller, das Pro-Kopf-Einkommen aber nicht – „weil die Bevölkerung dort jedes Jahr um ein Prozent wächst, die europäische aber nur um 0,1 Prozent“. Monika Kircher-Kohl, Chefin von Infineon Österreich, ortete „massive Wettbewerbsnachteile“ Österreichs durch die schwache Frauenpräsenz: „Uns fehlen weibliche Führungskräfte und auch Technikerinnen – auch im Vergleich zu Italien.“
Erfolg nur in Hightech-Nischen
Für Richard Kühnel, den Vertreter der EU-Kommission, muss Europa stärker zusammenwachsen, um seine Wachstumsziele zu erreichen. Alle waren sich einig, dass Österreich nur in Hightech-Marktnischen im globalen Wettbewerb bestehen kann. Und dazu brauche es vor allem eines: mehr Geld von Wirtschaft und Staat für Forschung und Entwicklung. Norbert Rozsenich, der die Forschungspolitik als Sektionschef lange mitbestimmt hat, sieht in der aktuellen „FTI-Strategie“ der Regierung „viel zu wenig Neues“.
„Junge Industrie“-Vorsitzende Therese Mitterbauer beklagte vehement den politischen Reformstau. Aber auch in der Privatwirtschaft stimme das Tempo oft nicht, ergänzte Kircher-Kohl. Um im Wettbewerb mit den „hungrigen“ Schwellenländern zu bestehen, „müssen wir einfach schneller und flexibler reagieren“.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.03.2011)
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