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Menschheitsevolution per Spieltheorie

02.04.2011 | 17:58 |  von Erich Witzmann (Die Presse)

Entwicklung und Kooperation: Der Österreicher Martin Nowak über seine Forschung in Harvard.

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Wir brauchen das Gegenüber, um Erfolg zu haben. Wir brauchen den Partner zur Evolution. Martin Nowak, österreichischer Wissenschaftler an der Harvard University, spielt sich mit diesen Begriffen, wenn es um sein Forschungsgebiet, die menschliche Entwicklung, geht. Kein Wunder: Der Biochemiker und Mathematiker geht auch von der Spieltheorie aus.

A trifft auf B, dann kommt es zur Interaktion. Nowak nutzte das niederösterreichische Kultur- und Forschungsgespräch am vergangenen Freitag im Institute of Science and Technology (IST Austria) in Maria Gugging, um Bilanz über seine bisherigen Forschungen zu ziehen. Nach der von ihm verfolgten Spieltheorie steht A vor der Entscheidung „Ich helfe dir“ oder „Ich helfe dir nicht“. Wenn auch B hilft, haben beide einen Gewinn, verweigert sich B, hat nur dieser einen Vorteil, A geht leer aus. Mit welcher Strategie soll nun A in die Kooperation gehen? Auch A könnte die Unterstützung für B verweigern, dann hat aber keiner von beiden etwas davon. Es wird, um die Entwicklung voranzutreiben, zu neuen (positiv verlaufenden) Interaktionen kommen.

A wird voraussichtlich in den meisten Fällen mit der Bereitschaft, anderen zu helfen, in die Begegnung gehen. Sollte er keine ähnlich gelagerte Hilfe erhalten, so kann er – so seine Überlegung – vielleicht vom Nächsten oder Übernächsten Hilfe und Gewinn erhalten (Nowak zitiert hier den barmherzigen Samariter in der Bibel). Auf lange Sicht zahlt sich also die Hilfe aus. Möglicherweise reduziert ein Individuum sogar die eigene Fitness, um im Gegenzug jene des anderen zu erhöhen.


Dilemma für den Spieler A. Nowak verweist auch auf ein „Dilemma“. Nach der rationalen Analyse würde zwar B den Gewinn annehmen, einen derartigen für A aber seinerseits verweigern – warum soll er auch sein Gegenüber belohnen? „Deswegen benötigt die natürliche Selektion auch eine Hilfe“ – für den Fall, dass bei einem Neuankömmling die beiderseitige Interaktion ungewiss ist. Weitaus sicherer ist diese deshalb bei der Verwandschaftsselektion (Hilfe in der Großfamilie), der räumlichen Selektion (Hilfe in einem zuvor gebildeten Cluster) oder der Gruppenselektion.

Geber und Rezipient: Die Wechselwirkung zwischen zwei Individuen ist somit für Martin Nowak der Ausgangspunkt jeder Entwicklung. Wobei die Sprache ein beschleunigtes Mittel darstellt. „Ich kann meine Idee dem anderen mitteilen und muss nicht warten, bis sich diese per Evolution durchsetzt“, sagt Nowak. Die Mitteilung von A für B kann natürlich auch fehlerhaft sein, doch auch derartige Rückschläge sind in der Reihe der Mutationen durchaus der Fall. Doch ist dies zumeist die Ausnahme.

Der gebürtige Klosterneuburger Martin Nowak forscht und lehrt seit 2003 an der Harvard University. Für ihn ist die Kooperation gemeinsam mit der Mutation und der Selektion das dritte Grundprinzip der Evolution.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.04.2011)

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15 Kommentare
Gast: g1
04.04.2011 18:21
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Gegenwind

Unserem Mathematiker bläst von seiten der Evolutionisten ziemlich viel Wind entgegen - und das obwohl er selbst für Evolution ist.

Irgendwie klar, denn wenn plötzlich Mathematik aufzeigen sollte***, dass prozentmäßig nur sehr wenig Code von Mutationen stammen kann, dann wirds eng für die Evolutionisten der alten Garde.

Denn - Mathematik ist vom Teufel, wenn es um Evolution geht.

*** Ein anerkannter US-Mathematiker hat dies schon bewiesen. Sein Handicap: Er ist nicht Darwin-Nachbeter.

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Re: Gegenwind

Wer ist dieser anerkannte Mathematiker?
Bitte um einen Link zu einem entsprechenden Artikel oder zumindest um den Namen!

Es ist üblich...

Wenn man eine Quelle auf mehrfache Anfrage weder vorweisen noch hinreichend benennen kann, verzichtet man üblicherweise darauf, sie zu zitieren.

Es trotzdem weiterhin zu tun beinhaltet aber eine bemerkenswerte Aussage zur eigenen Diskussionskultur.

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Re: Gegenwind

Morgen!

Diskussion gibts immer in der Wissenschaft, ohne würde nichts weitergehen. Wenn sich Leute über Teilfragen von größeren Gebieten nicht einig sind, dann bedeutet dass nicht, dass etwas nicht mit rechten Dingen zu geht.

Allein die Tatsache, dass Herr Nowak mit Leuten wie E.O. Wilson in Nature publiziert, sollte zeigen, dass es sich hier nicht um irgendeinen verschmähten Verschwörungstheoretiker handelt.

Von Leuten wie Motoo Kimura, Ronald A. Fisher, J.B.S Haldane, Richard Lewontin, Sewall Wright etc., allesamt Evolutionisten der alten Garde und exzellente Mathematiker, haben sie wohl noch nie gehört, sonst würden Sie nicht solchen Stuss von Mathematik und Biologie verzapfen.

Mal ein paar Rechenbeispiele aus den Grundlagen der Biologie:

http://en.wikipedia.org/wiki/Effective_population_size

http://en.wikipedia.org/wiki/Hardy-Weinberg_equilibrium

http://mbe.oxfordjournals.org/content/3/5/418.full.pdf+html

http://www.blackwellpublishing.com/ridley/classictexts/kimura.pdf

Aja haben Sie Ihren anerkannten Mathematiker wieder gefunden, das letzte Mal konnten Sie trotz mehrmaliger Bitte keinen Link zeigen.

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nett, nett , aber ziemlich sinnbefreit.

Hier wird der Versuch unternommen, ein menschliches problem mathematisch auszudrücken, soweit trivial. Aber an das Ergebnis noch glauben, das ist abenteuerlich,

Antworten Gast: Super Cooperator
06.04.2011 13:02
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Re: nett, nett , aber ziemlich sinnbefreit.

Nur weil euer Gnaden das Ergebnis nirgends einzubinden wissen, ist es noch nicht für jeden hier Sinnbefreit.

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Re: Re: nett, nett , aber ziemlich sinnbefreit.

schön, dass sie einen Sinn darin finden, und auch schön für den Autor.
Aber sie werden doch nicht glauben, dass dies ein Grund ist, meine Meinung zu ändern.

Gast: Super Cooperator
04.04.2011 11:55
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Deitsch

Wäre nett, wenn er auf Deutsch auch publizieren würd'. Dann würd's mir interessierten halbgebildeten leichter fallen ihn zu lesen...

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Re: Deitsch

ist man nur gebildet, wenn man englisch kann, oder ist etwas auf englisch vielleicht gescheit, auf deutsch aber ein blödsinn?

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Re: Re: Deitsch

Man kann schon auf Deutsch publizieren. Nur die wenigstens Journale nehmen Papers, die nicht auf Englisch verfasst sind, an. Englisch ist nunmal heutzutage die Sprache der Wissenschaft.

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Re: Re: Re: Deitsch

das wird mittelfristig der Tod des Deutschen als Wissenschaftssprache sein.

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Re: Re: Re: Re: Deitsch

Deutsch ist als Wissenschaftssprache schon längst tot.
In vielen Forschungsgruppen auf Universitäten ist die Umgangssprache bereits Englisch. Das liegt vorallem daran, dass immer auch einige nicht-deutschsprachige Wissenschaftler mitarbeiten und es schlicht einfacher ist auf Englisch zu sprechen als zu warten bis jemand nach einigen Monaten/Jahren deusch spricht. Das wäre doch vollkommen ineffizient.
Außerdem lebt Forschung heutzutage vom internationalen Wissensaustausch und daher ist eine einheitliche "Wissenschaftssprach" eine Notwendigkeit. Dass es Englisch ist, liegt natürlich an der weiten Verbreitung dieser Sprache. Außerdem erscheinen fast alle wissenschaftlichen Journale auf Englisch. Deutschsprachige gibt es eben nur knapp 100 Millionen aber in so ziehmlich jedem Land, in dem ernsthafte Forschung betrieben wird lernt jedes Kind Englisch in der Schule.

Gast: Gastname
03.04.2011 22:26
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Überschrift

Danke fuer die Info wie aktuelle Systeme nicht funktionieren.

Gast: M als Mitleser
03.04.2011 18:34
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wo ist g1

Ich warte auf die Kommentare von unserem Wahrheitsvernichter g 1 ....

Antworten Gast: Biologie-Student
04.04.2011 20:40
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Re: wo ist g1

all zu lange haben Sie ja nicht warten müssen ;)