„Österreich ist ein Land der sozialen Normen"

26.05.2011 | 20:01 |  Jürgen Langenbach (Die Presse)

Internationale Studie mit österreichischer Beteiligung hat „strikte" und „lockere" Kulturen miteinander verglichen. Sie bezog sich auf die Normen der Gesellschaft, die Identifikation ihrer Mitglieder mit ihr.

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Wie Kulturen sich unterscheiden, dokumentierte als erster Herodot um 400 v. Chr., er beschrieb im Detail die Sitten der damaligen Welt. Später haben die Sozialwissenschaften systematische Ansätze sonder Zahl versucht, u. a. zeigte ein Ethnologe 1968, dass traditionelle Gesellschaften in zwei Typen zerfallen, „strikte" und „lockere". Das bezog sich auf die Normen der Gesellschaften bzw. die Identifikation ihrer Mitglieder mit ihnen: Jäger und Sammler handhaben soziale Regeln eher locker, Bauern eher strikt: Sie müssen die Arbeit auf den Feldern koordinieren, sonst droht Hunger.

„Die Dimension der Normen wurde in den letzten Jahrzehnten vergessen, wir haben sie jetzt wieder fruchtbar gemacht", berichtet Soziologin Iris Fischlmayr (Uni Linz), die mit ihrer Kollegin Erna Szabo in einer internationalen Gruppe, die 33 Nationen verglich, für Österreich zuständig war. Ausgangspunkt war die Hypothese, dass die Rigidität der Normen an den Bedrohungen der Gesellschaften hängt, seien es die der Natur (Katastrophen), seien es die des Menschen (Kriege). Das bestätigte sich - große Bedrohungen, strikte Normen -, es spiegelt sich auch in den Organisationsformen: Solche Kulturen werden eher autokratisch regiert, haben viel Polizei etc.

 

Große Bedrohungen, strikte Regeln

Und es spiegelt sich in der Identifizierung mit den Normen. Die Forscher fragten Menschen, welches Verhalten als ungehörig angesehen wird, ob man etwa lachen oder lärmen darf, wenn man auf einem Begräbnis oder in einer Bank oder im Schlafzimmer ist. Man darf das alles eher nicht, wenn man Pakistani oder Malaysier oder Inder ist, diese drei führen die „Striktheitsskala" an; am anderen Ende geht es in Estland, Ungarn und der Ukraine am lockersten zu (Science, 332, S. 1100). Und hierzulande? „Österreich ist ein Land der sozialen Normen, die Handlungsspielräume sind gering, es gibt wenig Toleranz, bei Abweichungen kommen Sanktionen, sie werden auch von den Menschen erwartet und gewünscht", berichtet Fischlmayr.

Michele Gelfand (University of Maryland), Leiterin der internationalen Gruppe, hofft, die Befunde würden die „Toleranz" zwischen den Kulturen fördern. Aber schon Herodot war skeptisch: „Würde man die Menschen die besten Regeln der Welt wählen lassen, würde jede Gruppe ihre eigenen für die besten halten."

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8 Kommentare
Gast: LLK
06.06.2011 14:16
0

Das Maß...

.. an Unfreiheit und der damit einhergehenden Beklemmung ist in Österreich schon ziemlich krass. Was für ein Trost, dass es in Pakistan noch schlimmer ist. Dass es aber gerade im rechtsradikalen Ungarn fast am lockersten zugeht, finde ich seltsam. Hierzulande schlägt schlägt sich Unfreiheit ja besonders als Gemisch aus kommunistischer Wirtschaftspolitik und faschistoider Gesellschaftspolitik nieder.

Artefakte

Ein sehr unklarer Bericht. So ist leider auch die Studie. Die Kategorien "strickt" und "locker" reichen nicht aus, um eine Kultur zu beschreiben. Dadurch führt die Studie zu völlig inkonsistenten Ergebnissen. Beispiel: In den USA können Damen vom Pool weg verhaftet werden, wenn oben ohne - die Studie zählt das Land aber zu den "lockeren". Hingegen wird in Österreich oben ohne akzeptiert, trotzdem ist seine Kultur nach der Studie "strikt". Solche Widersprüche gibt es in der Studie massenhaft. Ich befürchte, dass auf diesem Wege wieder völlig unbrauchbare Artefakte in Umlauf gesetzt werden.

Ein bisschen mehr

Ein bisschen mehr Detail täte dem Artikel nicht schlecht. Am Ende bin ich nicht gescheiter als vorher.

Vereinfachende Darstellung.

Österreich zb ist wesentlich liberaler und entspannter wenn es um Regelverstösse geht als zb Deutschland.

Bei simpler Unpünktlichkeit drehen die Deutschen schon völlig ab.

Wenn sie ein Wort nicht gleich erkennen wünschen sie dass man eines verwendet dass sie bereits kennen.

Unerwartetes Verhalten oder unerwartete phrasen führen in D augenblicklich zu Kritik.
Ja selbst kleinste Abweichungen im Akzent werden moniert.

Gerade das Gegenteil dazu ist Österreich, wo man schon mal eine Künstlerviertelstunde oder gleich einen Tag später kommt und es ist eigentlich wurscht.

Re: Vereinfachende Darstellung.

> Wenn sie ein Wort nicht gleich erkennen
> wünschen sie dass man eines verwendet
> dass sie bereits kennen.

> Unerwartetes Verhalten oder unerwartete
> phrasen führen in D augenblicklich zu Kritik.
> Ja selbst kleinste Abweichungen im Akzent
> werden moniert.

Das kann ich absolut unterschreiben. Für mich ist das widerliche Eigenschaft.

Gast: Foreigner
29.05.2011 18:16
0

Big Pile of Bovine dropping!

Austria is a country full of socialsit voting social leeches gorging themselfs of taxmoney, igoring security aspects of statehood, bad mouthing countries that provide indirect security to them.
Severl social classes, 'everybody are equal, some more than others',
e.g. die mayor of Vienna and his henchmen.

Re: Big Pile of Bovine dropping!

Aside from the content, why do you post in English when you're obviously not capable of the language?

Gast: uburoi
28.05.2011 16:48
1

klares ja!

nur die nationalen aspekte hat man freundlichst übersehen.
das hat klasse! ;-)

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