Homöopathie und Vollrausch: Kongress der Skeptiker

Die Wissenschaft gegen Aberglauben. In Wien tagt von 2. bis 4.Juni der Kongress der deutschsprachigen Skeptiker. Grundsätzlich richten sich „Die Skeptiker“ gegen Parawissenschaften.

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Der Kongress beginnt mit Komasaufen: TU-Physiker Heinz Oberhummer, auch als Physik-Kabarettist („Science Busters“) bekannt, wird coram publico Inländer-Rum homöopathisch verdünnen und dann verkosten lassen. Auch dieser „Vollrausch“ wird wohl die Homöopathie-Gläubigen nicht erschüttern, aber es darf wieder einmal gesagt werden, „dass homöopathische Hochpotenzen nur Placebo-Effekte haben, dass kein Wirkstoff drin ist“, so Mathematiker Ulrich Berger, Vorstandsmitglied der „Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften“ (GWUP), auch „Die Skeptiker“ genannt. Berger findet es „bedenklich“, dass heute an der Medizinischen Universität Wien offiziell Homöopathie gelehrt wird.

Aber es gibt ja in Wien auch honorige Bäckereien, die mit Granderwasser arbeiten. „Wassermythen“ sind natürlich ein Thema beim GWUP-Kongress, genauso wie der sehr beliebte „Mozart-Effekt“ (demzufolge Mozart-Musik besonders intelligenzfördernd sein soll) und heilende Kristalle, wie Erdbebenmaschinen und Horrorszenarien für Teilchenbeschleuniger – wer erinnert sich an die schwarzen Löcher, die im LHC des CERN in Genf entstehen sollten?

 

Was meinen sie mit Energie?

Grundsätzlich richten sich „Die Skeptiker“ gegen Parawissenschaften, „Lehrgebäude, die vorgeben, wissenschaftlich zu sein, es aber nicht sind“, wie Berger erklärt. Darunter sind solche, die grundsätzlich nicht falsifizierbar sind (das behaupten etwa einige Heiler über Homöopathie) und solche, die schon falsifiziert wurden, aber sich weiter wissenschaftlich geben. Zur Prüfung von Parawissenschaften fehlt oft das Geld, an der Uni Würzburg finden immerhin jeden Sommer „Psi-Tests“ statt, um Paraphänomene zu prüfen. „Die meisten, die sich melden, sind Wünschelrutengänger“, erklärt Berger. Aber bisher habe nie ein Kandidat den Test bestanden. Die meisten Esoteriker und Parapsychologen verwenden jedenfalls das Wort „Energie“ in ziemlich verschwommenem Sinn; mit der „Energie als Metapher“ wird sich die Kulturanthropologin Michaela Noseck in ihrem Vortrag befassen.

Im Rahmen des Skeptiker-Kongresses, der im Naturhistorischen Museum und an der TU Wien stattfindet, soll das „Goldene Brett“ für den „größten Unfug des Jahres“ vergeben werden. Die Jury wird auch bewerten, wie erfolgreich sich die Kandidaten damit bereichern. APA/tk

Info: www.gwup.org

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.06.2011)

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