Marokko: Argan macht Mädchen klug

23.08.2011 | 18:19 |   (Die Presse)

Das in Marokko aus dem Öl sprudelnde Geld fließt in Bildung, aber auch in die Ziegen, die die Quelle gefährden. Das Öl der Arganwälder ist mittlerweile das teuerste Öl der Erde.

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Der Süden Marokkos war einmal so reich, dass Paläste aus dem Boden wuchsen, im wahrsten Sinne des Wortes: Die Berber bauten sie aus getrocknetem Lehm, gebrannt wurde er nicht, es gibt wenig Regen. Kam er doch, zerfloss der halbe Prunk. Man stückelte wieder an, Geld gab es genug: Die Berber hatten das Monopol auf den Fernhandel durch die Sahara, sie holten vor allem Sklaven. Als es damit zu Ende war – Frankreich okkupierte und brachte die Menschenrechte mit –, verfiel alles, heute ist die Region bitterarm. Es gibt etwas Tourismus und ein paar Datteln.

1998 kam neue Hoffnung: Die Unesco schuf ein Reservat für Arganwälder. Diese Bäume werden zehn Meter hoch und tragen Früchte, aus denen in Handarbeit Öl gewonnen wird, das haben die Berberinnen immer schon getan, es war Frauensache. Heute ist das Produkt – es wird als Speiseöl und für Kosmetika benutzt – das teuerste Öl der Erde, bis zu 300 Dollar kostet ein Liter. Der Aufschwung kam durch Entwicklungsgelder, die eine Win-win-Situation schaffen wollten: Die nachhaltige Nutzung des Segens sollte nicht nur die Natur aufblühen lassen, sondern auch die Ökonomie.

 

Bildung gewinnt, Wald verliert

Ist es gelungen? Davis Lybbert (UC Davis) kommt zu einer zwiespältigen Bilanz (Pnas, 22.8.): Der Arganboom hat Geld in die Region gebracht, und das wird zu einem Teil gut angelegt: Es geht in die Ausbildung der Kinder, vor allem die der Mädchen, die früher nicht in die Schule konnten, weil kein Geld da war und die Mädchen ohnehin Argan pflücken und verarbeiten mussten. Nun werden sie gebildet und gehegt.

Aber die Wälder nicht: Ein Teil des Argangeldes geht in Ziegen, sie klettern gut und holen aus den Baumkronen die Früchte. Das ist erwünscht, die Tiere bringen einen Teil der Ernte ein: Argan hat eine fleischige Haut und einen harten Kern, in ihm ist das Öl – und ihn scheiden die Ziegen wieder aus. Aber sie holen auch die Blätter, immer mehr immer mehr. Deshalb fürchtet Lybbert, dass die Berber in eine „Armutsfalle“ tappen, in der eine Ressourcenquelle durch vermehrte Nutzung zum Versiegen kommt. jl

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.08.2011)

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4 Kommentare
Gast: Altemanze
25.08.2011 15:00
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Ziegen

Auf Reisen mußten wir ebenfalls die negative Korrelation zwischen zu hoher Ziegenpopulation und dem Erhalt von Bäumen, Sträuchern und sonstigen Nutzpflanzen feststellen. Kurz gesagt; Ziegen vernichten ratzeputz ALLES Grünzeug, was so in der Gegend wächst...!

Ich liebe Ziegen ;-) Hatte früher selbst welche...aber; wohl keine Tierart wirkt so problematisch auf den grünen Mantel der Erde, und da sie auch wegen ihrer Genügsamkeit und hohen Nutzwertes (Milch, Fleisch, Fell, sie sind sogar als kl. ZUGTIERE zu gebrauchen) für die Menschen sehr wichtig sind, ist es eine unbedingte Notwendigkeit, hier AUFZUKLÄREN, was nur geht!

In Nordindiens Wüstenregionen sahen wir Ziegenherden mit einem Hirten dabei (& paar Hunde), die mühsam aufgeforstete Grüngürtel systematisch abgrasten; auch in den Baumkronen. Und die Rinde! Nach wenigen Jahren seien diese Bäume dann abgestorben. Die Lebensgrundlagen wieder zerstört usw...und das Governement forstet wieder wo auf, sperrt dann ab, letztlich ein sinnloses Unterfangen. Und wo das Grün zurückgedrängt wird, wächst die Wüste. Logo.

Es ist da auch 1 großer Fehler, die `mystische Baumliebe`der deutschen Völker zu belächeln...

Gast: ilias11111
24.08.2011 22:02
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nicht das teuerste

Das teuerste öl kommt zwar aus marokko, aber arganöl ist es nicht. Kaktusöl ist bei weitem teurer.

Gast: Marokko Kenner
23.08.2011 21:34
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Schule mit Argan?

Auch in den Argangebieten sind staatliche Schulen und Schulpflicht vorgesehen, wie in ganz Marokko. Leider wird dieses Angebot nicht immer genutzt.

Außerdem steigt wie in allen Landesteilen in Marokko der "Konsum" und "Luxus" an. Von daher ist es auch hier immer schwieriger junge Leute für solch eine Arbeit zu gewinnen. Neben dem körperlich sehr anstrengendem flücken und mahlen gibt es nur sehr wenig Geld für den Arbeiter.

In Deutschland kosten ein Liter Arganöl um die 200€. In ländlicher Gegend in der Nähe von Agadir habe ich bei Frauen, welche in einer Kooperative arbeiten Arganöl gekauft. Sie saßen auf dem Boden hinter den Mühlen und verkauften mir 1 Liter für 20€. Sie freuten sich wohl auch über den Mehrgewinn. Man kann also ausgehen, das Sie 10€ für den Liter von den Kooperativen bekommen.

Für einen Liter muss der Arbeiter 30kg Argannüsse von 5 Bäumen(5Std.) flücken und ca. 20 Stunden pressen.
Das sind 50Cent pro Stunde.

Wo bleiben die 190 € pro Liter hängen? Sicherlich nicht bei den Kooperativen und deren Projekten.
Dann wäre es ja eine Universitäten Stadt geworden.


Antworten Gast: Murksel
24.08.2011 18:17
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Re: Schule mit Argan?

Na wo wohl? Der Transport kostet, der Zwischen- und der Endhaendler wollen auch was verdienen, und natuerlich nicht zu vergessen in Europa: Alles teuer macht die Steuer!

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