Magnetfelder und Radar

Wie mächtig Methoden der geophysikalischen Prospektion sind.

Jede Störung des natürlichen Bodens (etwa Mauern, Holzreste oder verfüllte Gruben) verursacht Veränderungen, die mit Luftbildern, Spektral- oder Laserscannern sichtbar gemacht werden können. Das sind etwa kleinste Unebenheiten, Verfärbungen oder Veränderungen des Bewuchses mit Pflanzen.

Noch viel effektiver und mächtiger sind aber die neueren Methoden der geophysikalischen Prospektion. Häufig sind die magnetischen Eigenschaften im Boden verändert, das kann mit Magnetometern sehr exakt gemessen werden. Moderne Geräte schaffen 20 Hektar pro Tag. Noch wesentlich genauer ist Bodenradar: Dabei werden die Reflexionen von Radarstrahlen an Schichtgrenzen aufgezeichnet. Je nach Bodenfeuchte liegt die Eindringtiefe bei bis zu zwei Metern. Pro Tag können vier Hektar erfasst werden – bei einer Auflösung von wenigen Zentimetern. Gekoppelt mit GPS-Systemen erhält man exakte Daten über die Strukturen im Boden, die interpretiert werden müssen. Das geschieht in Geografischen Informationssystemen (GIS), in denen sich größere Zusammenhänge erkennen lassen. Diese Daten sind auch die Grundlage für eine dreidimensionale Rekonstruktion.

Diese Methoden werden am „Ludwig Boltzmann Institut für Archäologische Prospektion und Virtuelle Archäologie“ (LBI-ArchPro) zur Perfektion entwickelt. Gegründet wurde das Institut im Vorjahr von Wolfgang Neubauer, Kooperationspartner sind die Uni und die TU Wien sowie die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). Seither sind spektakuläre Entdeckungen geglückt – etwa ein unbekanntes steinzeitliches Monument in Stonehenge. Untersucht wurden auch alte Siedlungen in Skandinavien, derzeit sind Studien in Deutschland und Österreich geplant.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.09.2011)

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