Ist Kohlendioxid (CO2) ein Gift, für das Klima, für das Leben? Darüber entscheidet, wie bei allem, allein die Menge. Beim Klima ist die umstritten, beim Leben nicht: Mehr als fünf Prozent CO2 in der Luft – normalerweise enthält sie 0,038 Prozent – bringen Schwindel und Ohnmacht, bei mehr als acht Prozent fällt man tot um, es passiert oft genug, in Weinkellern etwa und Jauchegruben. Und es gibt keine Warnung: CO2 ist geruchlos. Zudem ist es schwerer als Luft, es bleibt, wenn es aus der Erde kommt, dicht über ihr. So starben 1986 1800 Menschen, als riesige Mengen CO2 aus Lake Nyos in Kamerun sprudelten.
Solche und ähnliche Naturkatastrophen versetzen nun, wenn das Klima dadurch gerettet werden soll, dass CO2 aus Kraftwerksabgasen abgeschieden und unterirdisch gelagert werden soll – „Carbon Capture and Storage“, CCS –, viele Menschen in Angst. Der UNO-Klimabeirat IPCC schätzt, dass 55 Prozent des CO2-Problems so zum Verschwinden gebracht werden könnten. Aber unter den eigenen Füßen möchten wenige ein Gaslager, und neben einer Pipeline vom Kraftwerk zum Lager wäre auch vielen unwohl. Wie hoch ist das Risiko?
Naturerfahrungen in Italien
Nicht ganz so hoch wie die Chance, im Lotto den Hauptgewinn zu ziehen. Zu diesem Befund kommt eine Gruppe um Jennifer Roberts (Edinburgh), die die Situation in Süditalien analysiert hat: Dort ist in den letzten 50 Jahren an 286 Orten CO2 aus der Erde gestiegen – oft aus vulkanischen Klüften im Untergrund –, 119 Menschen kamen zu Tode und hunderte Tiere, von Kröten über Kühe bis zu Füchsen. Dass es so viel mehr Tiere sind, liegt daran, dass das Gas eben dicht über der Erde bleibt, dort hat es auch die meisten menschlichen Opfer gefordert, manche bekamen es beim Schwimmen in die Lunge, andere beim Jagen, als sie liegend lauerten. Nimmt man nur die letzten 20 Jahre, dann waren elf Tote zu beklagen, unter einer bedrohten Bevölkerung von 20 Millionen.
Das ergibt ein jährliches Pro-Kopf-Risiko von 2,8 x 10-8. Den Jackpot im britischen Lotto zieht man leichter – 7,1 x 10-8 –, und schon beim Kohlenmonoxid, das aus Öfen strömt, ändert sich die Größenordnung: 9,2 x 10-7. Reden wir nicht von Blitzen (2,3 x 10-5) und schon gar nicht vom Autoverkehr (1,8 x 10-4) (Pnas, 12. 9.). Noch einen Vergleich bringen die Forscher, für ihn haben sie allerdings keinerlei Beleg: „Das Risiko, am Klimawandel zu sterben, wird viel größer sein als das, an Ausgasung zu sterben.“ jl
