Heftiger Streit um Magnetsinn bei Rindern

Viele Tiere orientieren sich am Magnetfeld, aber tun es auch die Rinder? Gibt es „Magnetkühe“? Forscher in Duisburg sehen es, Forscher in Prag allerdings nicht. Sie haben die Befunde nicht reproduzieren können.

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Gibt es „Magnetkühe“? Im Jahr 2008 überraschte Zoologe Hynek Burda (Duisburg) mit der Beobachtung, dass sich Rinder (und Rehe) in Mitteleuropa beim Grasen und Schlafen bevorzugt nach Norden ausrichten. Das stieß auf Zweifel, 2009 legte der Forscher nach: Nun hatte er bemerkt, dass den Tieren der Nordsinn dort abhandenkommt, wo das Magnetfeld der Erde durch Starkstromleitungen gestört wird. Dieses Jahr endlich fand Burda ein ähnliches Phänomen bei Füchsen, sie jagen demnach mit einem Magnetsinn.
Aber die Zweifel hielten sich, und dieses Frühjahr publizierte eine Gruppe um Lukas Jelinek (Prag), sie habe die Befunde von Burda bei der Beobachtung von „232 Herden mit 3412 Individuen“ nicht reproduzieren können: „In unserer Studie kamen zwei Gruppen unabhängig voneinander zu dem Ergebnis, dass im Widerspruch zu anderen Forschern keine Ausrichtung der Tiere an Magnetfeldlinien gefunden werden konnte.“ (J Comp Physiol A, 12. 2.) Nun schlägt Burda zurück: Die Prager hatten aus der gleichen Quelle geschöpft wie er – Google Earth –, aber andere Bilder genommen. Die hat er reanalysiert: „Die Arbeit unserer Kritiker war dilettantisch, mehr als die Hälfte ihrer Daten ist Rauschen: Verwechslung von Heuballen mit Kühen etwa, und von der übrigen Hälfte haben sie subjektiv nur die Hälfte ausgewählt“, berichtet der Forscher der „Presse“: „Als wir alle ihre verwendbaren Daten statistisch ausgewertet haben, wurde unsere ursprüngliche Hypothese bestätigt.“ (J Comp Physiol A, 22. 10.) Im Hintergrund sieht Burda generelle Zweifel der Prager: „Sie glauben nicht an die Magnetorezeption, nicht einmal bei Zugvögeln“, wo sie unumstritten ist.    jl

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