Fettleibigkeit (Adipositas) wird zu einem immer größeren Problem: Ein Body-Mass-Index (BMI) größer als 30 bedeutet ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und das „metabolische Syndrom“ (Stoffwechselstörungen, Diabetes). Im Jahr 1983 waren „nur“ 8,5 Prozent aller Männer an Adipositas erkrankt, 2007 waren es schon 13,8Prozent. Die entsprechenden Werte bei Frauen liegen sogar bei zehn (1983) und 15 Prozent (2007).
Wie Forscher der Medizin-Uni Graz nun herausgefunden haben, sind aber nicht alle Bevölkerungsschichten gleichermaßen betroffen. Franziska Großschädl und Willibald Stronegger haben die Daten von vier nationalen Erhebungen zwischen 1983 und 2007 analysiert. Dabei handelt es sich um Interviews mit 122.977 Österreichern, aus denen neben dem Geschlecht und dem Alter auch die Region und die Bildung hervorgehen. Ein heikler Punkt war, dass alle Daten – auch jene über Größe und Gewicht– von den Befragten selbst berichtet wurden. Vorstudien haben ergeben, dass die Menschen ihre Größe tendenziell über- und ihr Gewicht unterschätzen. Das bedeutet, dass sie ihren BMI eher unterschätzen.
Das Ergebnis der Analyse: Den größten Zuwachs bei der Fettleibigkeit gab es bei über 55-Jährigen mit niedrigem Bildungsniveau. In dieser Gruppe litten 2007 schon 21,8Prozent der Männer bzw. 26,6Prozent der Frauen an Adipositas. Nur eine minimale Zunahme an Adipösen gab es hingegen in der Gruppe der Akademiker im mittleren Erwachsenenalter (Männer: 6,9Prozent, Frauen: 5,7 Prozent).
Bestätigt wurde ein starkes Ost-West-Gefälle: Spitzenreiter beim Anteil an Adipösen ist bei beiden Geschlechtern das Burgenland (19,8Prozent aller Männer, 22,8Prozent aller Frauen). Am wenigsten adipöse Männer gibt es in Kärnten (8,8Prozent), bei Frauen ist der niedrigste Anteil in Vorarlberg (9,7 Prozent).
("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.01.2012)
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