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Gefährliche Keime im Visier

28.01.2012 | 19:03 |  von MARTIN KUGLER (Die Presse)

Salmonellen sind unverändert eine der wichtigsten Ursachen für Lebensmittelvergiftungen. Herkömmliche Tests sind langwierig und teuer. Ein neuer Salmonellen-Chip soll eine deutliche Verbesserung ermöglichen.

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Salmonellen können äußerst unangenehme Zeitgenossen sein: Sie lösen bei Tier und Mensch teils schwere Krankheiten aus – das Spektrum reicht dabei von harmlosen Durchfallserkrankungen bis hin zu lebensbedrohlichen Typhus-Epidemien. Denn auch die Auslöser sind sehr vielfältig: Es gibt mehr als 2000 verschiedene Typen von Salmonellen, die sich äußerlich kaum unterscheiden, aber unterschiedliche Proteine besitzen – man bezeichnet sie als „Serotypen“. Wenn es zu einer Erkrankung kommt, dann ist es entscheidend zu wissen, um welchen Serotyp es sich handelt – dann kann man z.B. herausbekommen, wo sich die Quelle einer Infektion befindet. In französischem Ziegenkäse leben ganz andere Salmonellen als in österreichischen Eiern oder ungarischen Puten.

Die klassischen serologischen Tests sind sehr aufwendig: Man benötigt dafür Antiserum gegen bestimmte Salmonellentypen, die üblicherweise in Kaninchen hergestellt und aus deren Blut isoliert werden – jedes Referenzlabor braucht daher Tierställe, diese sind sehr teuer. Bis das Ergebnis eines Tests vorliegt, kann es schon einmal vier bis sieben Tage dauern.


Raschere und billigere Tests. Molekularbiologische Methoden können hier Abhilfe schaffen: Im Labor hergestellte Testreagenzien können schneller und billiger hergestellt werden, zudem sind sie leichter standardisierbar. Solche Tests werden üblicherweise auf „Biochips“ durchgeführt: In einem Punkteraster sind viele Testsubstanzen auf einem Träger aufgetragen. Dadurch kann man simultan auf verschiedenste Salmonellentypen testen, ein Ergebnis liegt nach acht bis 24 Stunden vor.

Doch der Teufel liegt im Detail – wie auch ein Forscherteam am Austrian Institute of Technologies (AIT) um Angela Sessitsch feststellen musste: In Kooperation mit Kollegen der Veterinärmedizinischen Universität, dem Christian-Doppler-Labor für Molekulare Lebensmittelanalytik und der Österreichischen Agentur für Ernährungssicherheit (AGES) wurde ein Salmonellen-Chip entwickelt, der die 45 in Europa am häufigsten isolierten Serotypen identifizieren kann. Im Labor funktionierte das bereits vor drei Jahren sehr gut, doch bei der Umsetzung in ein marktreifes Produkt tauchten Hürden auf: Um die notwendigen Spezifikationen für Behörden und den Markt zu erreichen, musste die Spezifität und die Sensitivität des Testsystems erweitert werden – dazu wurde eine Kooperation mit der kanadischen Organisation PHAC eingegangen.

Parallel dazu wurde in den letzten Jahren der Markt analysiert, die Erfindung detailliert bewertet, an einem marktgerechten Prototypen getüftelt, wurden Patente angemeldet und verwaltet sowie mögliche Lizenznehmer identifiziert. Hilfe kam dabei von der NÖ Technologieagentur tecnet equity, die sich an dem Vorhaben auch finanziell beteiligt hatte.

Nun ist es so weit: Mit dem englischen Unternehmen VLA wurde kürzlich ein Lizenzvertrag unterzeichnet. In den nächsten Monaten wird der Kombi-Salmonellen-Chip mit österreichischer und kanadischer Technologie validiert – und in Folge soll er weltweit vermarktet werden.

LEXIKON

Salmonellen sind eine Gruppe von Bakterien, die bei Tieren und Menschen Infektionen auslösen – von recht harmlosem Durchfall bis hin zu Typhus. Es gibt mehr als 2000 „Serotypen“ mit unterschiedlichen Eigenschaften.

Die Bakterien werden meist über Nahrung übertragen – häufig durch Geflügelfleisch oder Eier. Durch Erhitzen auf über
70 Grad sterben die Salmonellen ab, daher sind erhitzte Lebensmittel unbedenklich.

Von Salmonellosen sind jährlich rund 100.000 Österreicher betroffen. Die Zahl
der schweren Infektionen – Typhus ist meldepflichtig – ist rückläufig: Bei der AGES gingen im Jahr 2002 noch 8405 „Erstisolate“ ein,
2010 waren es 2240.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.01.2012)

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