Auf den Autobahnen Floridas sieht es am frühen Morgen aus wie auf vielen Autobahnen weltweit: Da liegen die Opfer der Nacht – überfahrene Tiere –, sie werden diskret eingesammelt, bevor der Frühverkehr sich schreckt. Allerdings haben die Räumkommandos in Florida bzw. Wissenschaftler wie Michael Dorcas (Davidson College), die sie bisweilen begleiten, immer weniger zu tun. Und das ausgerechnet dort, wo die Natur sich selbst überlassen ist, an der Südspitze Floridas, im Everglades-Nationalpark: Dort waren 1996 noch 2,8 Waschbären und 0,9 Opossums pro 100 Kilometer von der Straße aufzulesen, auch Kaninchen gerieten häufig unter die Räder.
Von Letzteren fanden sich von 2003 bis 2011 überhaupt keine mehr, und bei den Waschbären bzw. Opossums sind die Zahlen um 99,3 bzw. 98,9 Prozent zurückgegangen, bei Rehen und Luchsen ist es ähnlich (nur bei Panthern und Kojoten sind einige Opfer mehr zu beklagen). Was ist zwischen 1996 und 2003 passiert? Entlaufene oder freigelassene Würgeschlangen haben sich in den Everglades verbreitet, vor allem Tigerpythons: Sie liegen zu Tausenden auf der Lauer, und sie fressen, was ihnen am Maul vorbeikommt – Pythons sind schwerfällig, sie jagen aus dem Hinterhalt –, man hat in ihren Mägen in Florida schon 40 verschiedene Beutetiere gefunden, von Kaninchen über Störche und Rehe bis zu Alligatoren, bei denen werden die Kämpfe allerdings ernst, sie fressen umgekehrt auch Pythons.
Direkt nachweisen kann Dorcas ihnen nicht, dass sie den Nationalpark leer fressen – es könnten auch Krankheiten sein, vor allem der Totalausfall der Kaninchen macht stutzig, sie vermehren sich schließlich auch unter Jagddruck wie die Kaninchen –, aber er sieht starke Hinweise darauf, dass die „dramatischen Verluste der Säugetiere“ von der „Jagd der Pythons“ kommen (Pnas, 30. 1.). Und er fürchtet für Florida ein ähnliches Schicksal, wie es nach dem Zweiten Weltkrieg über die Pazifikinsel Guam kam. Dort gab es keine Schlangen, dann kamen Baumschlangen als blinde Passagiere mit der US-Luftwaffe, bald gab es auf der Insel keine Vögel mehr.
Das Meer hält Pythons nicht auf
In Florida werden die Pythons inzwischen selbst gejagt – von Menschen –, aber ausrotten wird man sie nicht können. Im Gegenteil, sie werden sich ausbreiten, auch schwimmend, auch auf vorgelagerte Inseln: Bisher vermutete man, dass Meerwasser eine natürliche Sperre bildet. Aber Forscher um Kristen Hart (US Geological Survey) haben gerade experimentell gezeigt, dass Pythons mit Salzwasser zurechtkommen.
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