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Zucker, eine allzu verführerische Süße?

01.02.2012 | 19:21 |  Von Jürgen Langenbach (Die Presse)

Prohibition? US-Ärzte fordern wegen der vielfältigen Gesundheitsrisken eines exzessiven Konsums ähnliche Zugangsbeschränkungen für Softdrinks wie für Alkohol.

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"An Jugendliche werden keine Softdrinks ausgeschenkt!“ Hängen solche Plakate bald in Wirtshäusern neben denen mit der Altersgrenze für Alkohol? Und werden Heranwachsende im Supermarkt einen Ausweis zücken müssen, sobald sie Cola oder Ähnliches kaufen wollen? Sofern sie es überhaupt zahlen können, wenn die süßen Säfte einmal prohibitiv bepreist sind, doppelt so hoch wie heute? Nach solchen Maßnahmen ruft eine Gruppe von US-Ärzten um Robert Lustig (UC San Francisco), die die Gesundheitsgefahren von übermäßigem Zuckerkonsum mit denen von Alkohol vergleicht und deshalb eine „ähnliche soziale Intervention“ fordert, und das nicht irgendwo, sondern in Nature, einem der führenden Wissenschaftsjournals (482, S. 27).


Hintergrund ist zum einen die „Epidemie der Fettleibigkeit“, die überall dort grassiert, wo der westliche Lebensstil eingezogen ist, und die sich in den USA laut Militärärzten schon zur „Bedrohung für die nationale Sicherheit“ ausgewachsen hat: Jeder Vierte, der zu den Soldaten will, ist zu dick. Aber es geht nicht nur um die Verfettung – über deren Zusammenhang mit dem Zuckerkonsum streitet die Wissenschaft –, es geht auch und vor allem um Menschen mit Normalgewicht: 40 Prozent leiden am „metabolischen Syndrom“, darunter fallen Diabetes, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Alle diese Krankheiten werden laut Lustig auch „von Zucker induziert“, er kann zudem die Leber verfetten und das Altern beschleunigen. Das macht ihn, „exzessiv“ konsumiert, zum „Gift“, an das man sich gewöhnt, wenn man nicht gar eine „Sucht“ danach entwickelt.

„Gräser, die ohne Bienen Honig erzeugen“


Denn von der Evolution her ist der Mensch darauf nicht eingestellt: Über Jahrhunderttausende gab es Zucker(haltiges) nur periodisch – wenn süße Früchte reif waren – oder in kleinen Mengen, im Honig etwa. Aber dann, vor 8000 Jahren, wurde in Papua-Neuguinea ein süßes Gras domestiziert, es fand seinen Weg nach Indien, von dort brachte ein Heerführer des Darius 510 v. Chr. die Kunde nach Europa: Es gebe „Gräser, die ohne Bienen Honig erzeugen“. Er brachte es auch mit, das Gras – Zuckerrohr –, es wurde am östlichen Mittelmeer angepflanzt.


Weiter nördlich gedieh es nicht, es blieb ein Luxusgut, das in Apotheken gehandelt wurde und die Tische der Reichen schmückte, oft nur zur Dekoration. Das Angebot stieg, als die Neue Welt erobert wurde, in ihr gedieh das Rohr und bald auch die Sklavenarbeit. Das Angebot stieg weiter, als ein Berliner Chemiker 1747 eine neue Quelle erschloss, die Zuckerrübe. Damals lag der Konsum pro Kopf und Jahr bei ca. zwei Kilo, er stieg langsam, seit Ende des 19. Jahrhunderts explodierte er: Jeder Österreicher konsumiert heute 35 bis 38 Kilo im Jahr, jeder US-Amerikaner fast doppelt so viel, weltweit hat sich der Absatz in den letzten 50 Jahren verdreifacht. Zucker ist allgegenwärtig, manchmal sieht man ihn in seiner weißen Pracht, manchmal nicht: In einem Liter Cola stecken 100 Gramm, das sind 20 Teelöffel bzw. 400 Kilokalorien. Im Weltschnitt nimmt jedermann täglich 500 Kilokalorien allein an dem Zucker zu sich, der in einem Fertigprodukt steckt.
Das ist Ärzten schon lange zu viel: 2003 empfahl die Weltgesundheitsorganisation WHO, Zucker sollte nicht mehr als zehn Prozent der täglich aufgenommenen Kalorien ausmachen (österreichischer Schnitt: 2500).

Daraufhin erhielt WHO-Chefin Gro Harlem Brundtland Post von der „Sugar Association“, einer Organisation der US-Zuckerindustrie – diese drohte damit, bei der US-Regierung eine Einstellung der Zahlungen an die WHO zu erwirken. Auch Lustig ist klar, „dass ein Regulieren des Zuckerkonsums nicht einfach sein wird“. Deshalb wird mancherorts schon zur Selbsthilfe gegriffen: In South Philadelphia, einer Stadt in Pennsylvania, schwärmen kurz vor dem täglichen Schulschluss Eltern aus und bilden Kordons um Lebensmittelgeschäfte in der Nähe von Schulen, sie lassen keine Schüler hinein. Anders werden sie des Zuckerhungers bzw. Softdrinkdurstes ihrer eigenen Kinder nicht Herr.

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12 Kommentare
Gast: Ferenc N
04.02.2012 00:25
2 0

Das ist aber doch nicht alles:

Eine neue kostspielige Studie hat den Verdacht erhärtet, dass statistisch gesehn Wasser die häufigste Ursache für den Tod durch Ertrinken sei!

Die USA haben bereits im 2010 reagiert und noch vor der Umsetzung des Einfuhrverbotes damit begonnen großräumig in ihren Küstengebieten das Meerwasser durch Öl und Giftstoffe zu ersetzen.

In Brüssel konnte man sich bislang nur über die grundsätzliche Notwendigkeit neuer beliebiger Abgaben eingen. Noch unklar ist, wessen Vettern die Gelder für weitere ergebnisgerichtete Studien erhält. Ebenso uneins ist man sich über die Anzahl der Erhöhungen nach der Einführung.

...
Wie wird man eigentlich Ungar?


Gast: Beno
02.02.2012 22:07
3 0

FDH friss die Hälfte


Gast: africano
02.02.2012 16:54
3 3

Die Amis ,die Spinnen !

Was ist los in den USA ? Drehen sie (die Geldhaie) schon langsam durch ? Die arme Bevölkerung muss sich anscheinend dies gefallenlassen ,denn wenn sie dagegen demonstrieren könnten sie unter Umständen erschossen werden.

Gast: S. Heikel
02.02.2012 15:14
4 3

staat soll sich nicht einmischen

in das konsumverhalten erwachsener bürger.

und übrigens auch nicht in familienangelegenheiten.


leben ist lebensgefährlich

warum unternimmt die Wissenschaft nichts dagegen...

0 0

Re: leben ist lebensgefährlich

tut sie doch...

Gast: Es hat schon mehrmals nicht gelappt.
02.02.2012 09:50
6 5

Her mit dem nächsten Ding.

Die Antiraucheraktion führte von Beginn bis heute zu einer Senkung der Lebenserwartung vom 1. Platz auf heute den 35 bis 40. Platz in der Weltrangliste, die Kinder haben schon geringere Lebenserartung als die Eltern, auf gut Deutsch ziemlich daneben gegangen...

Jetzt hat man den nächsten Kandidaten gefunden, Zucker, das ist Pfui, gleichzeitig schluckt die Kinder in keiner Nation mehr Medikamente zur Steigerung der Schulischen Leistungen als in den USA, letzteres ist aber total Gesund garantiert, und versprochen...

Dem bösen Alkohol wird ohnedies schon an den Kragen gegangen, die Anspielung auf Medikamente paßt auch hier sehr gut.

Und streng wissenschaftlich macht ein Leben ohne Zucker garantiert sehr schnell sehr dünn, so in ca. 30 bis 90 Tage laufen dann alle als Gerippe durch's Land, allerdings derartige geistige Leistungen und Erkenntnisse erwarte ich mir eh nicht in einem Land wo die offizielle Lehrmeinung ist, das Gott die Wellt in 7 Tage aufgebaut hat.

Antworten Gast: yoshi1
03.02.2012 01:54
1 2

Re: Her mit dem nächsten Ding.

Was wollen Sie uns sagen? Ja, viele Prognosen und Einschätzungen sind daneben gegangen. Aber niemand der einigermaßen bei Verstand ist würde behaupten, dass intensiver Alkohol- und/oder Tabakkonsum die Gesundheit auf Dauer nicht wesentlich schädigt.

Dass nur 5% der Speisen die ich am Tag esse Süßigkeiten sein sollen hab ich damals schon in der Volksschule gelernt, neu ist das weiß Gott nicht. Und warum erzählen Sie uns wie wir nach 90 Tagen ohne Zucker aussehen? Nochmal: Was wollen Sie uns eigentlich sagen? Dass unsere Gesundheitswächter gerne einmal übertreiben? Sollen sie. Besser als die Verharmlosung auf der anderen Seite.

Krash
01.02.2012 23:56
5 0

In Die Presse.com war doch erst zu lesen,...

...dass es zum Großteil an der mangelnden Bildung liegt.
Ausgedeutscht:

umso dümmer --> umso ungesünder der Lebenswandel

Gast: Gasti
01.02.2012 22:31
3 0

Ist vielleicht ganz interessant.

http://www.youtube.com/watch?v=FSeSTq-N4U4

Trebreh
01.02.2012 22:00
10 0

Maß halten

Die Menge macht das Gift. Es kommt im Sprachgebrauch halt nicht mehr vor, aber ist die Lösung in den zwei Worten schlicht formuliert: Maß halten.

Re: Maß halten, der einzige vernünftige Kommentar hier!!!