Wenn kleine Kinder spielen, dann stehen sie auch miteinander in Konkurrenz, unabhängig davon, ob sie Burschen oder Mädchen sind. Aber im Alter von fünf Jahren ändert sich das: Nun treten Burschen eher in Konkurrenz, Mädchen halten sich zurück. Das hat Folgen, Konkurrenz belebt die Leistung, auch das weiß man von Kindern: Burschen rennen rascher, wenn sie mit anderen um die Wette laufen, als wenn sie alleine laufen.
Woher diese Differenz kommt, ist unklar, aber sie könnte den lange beklagten Missstand mit erklären, dass Frauen es im Berufsleben seltener in Spitzenpositionen schaffen. Das wird auf ihre Doppelbelastung zurückgeführt oder auch auf die traditionelle Frauenrolle und natürlich auf Diskriminierung durch Männer. Aber es könnte auch schlicht daran liegen, dass Frauen weniger Wettbewerb riskieren – nicht zeigen, was sie können. Und dort könnte ansetzen, wer die „Geschlechterlücke“ schließen will.
Das empfiehlt Matthias Sutter (Finanzwissenschaft, Uni Innsbruck), der die Zusammenhänge im Labor erkundet hat: Er hat 360 Testpersonen Rechenaufgaben ausführen lassen, alleine für sich oder in Konkurrenz mit anderen, es ging um echtes Geld. In der ersten Runde, in der jede/r für sich rechnete, gab es 0,50 Euro pro gelöster Aufgabe, in der zweiten, im Wettbewerb, gab es jeweils 1,50 Euro, aber nur für die beiden Sieger.
Dann kam Runde drei: Nun mussten die Probanden entscheiden, ob sie je für sich oder im Wettbewerb weitermachen wollten. Zusätzlich simulierte Sutter Maßnahmen, mit denen die Chancen von Frauen im Berufsleben gefördert werden. Er führte (a) Quoten ein – unter den beiden Siegern musste eine Frau sein, die Beste der Frauen war also automatisch dabei, er ermunterte mit (b) Zusatzpunkten für Frauen, und er praktizierte, was es in Österreich etwa bei Besetzungen von Lehrstühlen gibt: Ist unter den an der Spitze gereihten Kandidaten keine Frau, wird die Ausschreibung (c) wiederholt.
Kooperationsbereitschaft bleibt erhalten
Alle Maßnahmen hoben die Bereitschaft der Frauen, sich in die Arena zu wagen: Ohne Anreiz taten das 30 Prozent, Wiederholung (c) brachte 38, Quoten (a) trieben den Anteil über 50, Zusatzpunkte (b) wirkten noch stärker (Science, 335, S.579). Dann kam eine letzte Runde des Experiments, ein Test der Kooperationsbereitschaft: Würden sich Männer, die gegen Frauen wegen (a), (b) oder (c) verloren hatten, mit mangelnder Zusammenarbeit rächen? „Es gibt keinen negativen Effekt, das hat außer uns noch niemand gezeigt“, berichtet Sutter der „Presse“: „Und das ist im Alltag wahnsinnig wichtig.“ Die Männer schickten sich drein, mit Grund: In der ersten Runde hatte sich gezeigt, dass sie und die Frauen – im Durchschnitt – gleich gut waren.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.02.2012)
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