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Ein Fehlschlag bringt neue Erkenntnisse

04.02.2012 | 17:06 |   (Die Presse)

In den letzten zehn Jahren wurden zähe Fortschritte bei der Behandlung von „chronisch myeloische Leukämie“ (CML), einer Form von Leukämie, die für rund 20 Prozent aller Blutkrebsfälle verantwortlich ist, gemacht.

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Fehlschläge in der medizinischen Forschung sind zwar aus Sicht der betroffenen Patienten furchtbar, für die Wissenschaft werden sie aber bisweilen zu einer Quelle für neue Erkenntnisse. Ein gutes Beispiel dafür ist der Kampf gegen die „chronisch myeloische Leukämie“ (CML), die für rund 20 Prozent aller Blutkrebsfälle verantwortlich ist. In den letzten zehn Jahren wurden bei der Behandlung von CML große Fortschritte gemacht, und zwar durch neue Medikamente, die direkt in die Entstehung der Krankheit eingreifen. Allerdings wird der Körper mit der Zeit resistent gegen den Wirkstoff.

Daher wird intensiv nach anderen Behandlungsmöglichkeiten gesucht. Dabei konzentrierten sich viele Forscher in letzter Zeit auf ein Enzym namens JAK2-Kinase: Man weiß von gesunden weißen Blutkörperchen, dass diese Substanz ein Protein namens „STAT5“ aktiviert, das ein Schlüsselfaktor bei der Entstehung von Leukämie ist.

Signalweg umgeleitet.
Entgegen allen Erwartungen hat nun eine Wiener Forschergruppe herausgefunden, dass JAK2 am CML-Krebsgeschehen nicht entscheidend beteiligt ist (Nature Chemical Biology, online 29. 1. 2012). Dazu haben Veronika Sexl (VetMed-Uni) und Giulio Superti-Furga (CeMM) transgene Mäuse untersucht: Das Hemmen der JAK2-Kinase durch ein Medikament zeigte dort keinen Behandlungserfolg. „Das bedeutet, dass bei CML die normalen Signalwege offenbar umgeleitet werden: Die Aktivität von STAT5 wird nicht mehr über JAK2 gesteuert, sondern gerät unter die direkte Kontrolle des für das Krebsgeschehen verantwortlichen fehlerhaften Gens“, erläutert Superti-Furga, Leiter des Zentrums für Molekulare Medizin (CeMM) der ÖAW.

Mit anderen Worten: Die Hoffnung auf JAK2-hemmende Medikamente gegen diese Form von Leukämie muss begraben werden. Gleichzeitig gibt es nun aber Hinweise auf andere Mechanismen bei der Entstehung der Krankheit.  ku

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