Wenn Paare frisch verliebt sind oder in stabiler Partnerschaft leben, zeigt sich das auch in der Redeweise: Die Sprachstile gleichen sich an. So wird Interesse am Partner und der Beziehung signalisiert, vermutet Jacqueline Coyle, (Embry-Riddle-Universität). Sie geht den Bezügen zwischen Sozialleben und Redeweise nach und hat gezeigt, dass die Rede von Männern sich ändert, wenn sie mit Frauen zu tun haben, die kurz vor dem Eisprung sind. Dann machen sich Männer wichtig und signalisieren, wie gut sie bzw. ihre Gene sind (PLoS One, 8. 2.).
Das ist auch früher schon aufgefallen: Geht es um möglichen Sex, kaprizieren sich Männer auf Wörter, die wenig gebräuchlich sind, von Kreativität zeugen. Geht es hingegen um Freundschaft, reden sie ganz normal. Das tun sie bei Coyle auch, und zwar dann, wenn offen geflirtet wird, das Interesse der Frauen geweckt ist. Aber wenn es erst geweckt werden muss, kommt eine andere Strategie, dann stellen Männer ihre Besonderheit aus. Das zeigte sich an Testpersonen, die von der Forscherin gebeten wurden, einander abwechselnd einfache Zeichnungen zu beschreiben.
Duft der Frauen, feine Nase der Männer
Aber erst wurden sie nahe nebeneinander platziert. Frauen signalisieren mit Stimme, Habitus und wohl auch Düften, wenn ihre fruchtbaren Tage kommen, Männer haben ein feines Gespür dafür. Man weiß etwa, dass Bardamen dann üppigere Trinkgelder erhalten (sofern sie nicht die Pille nehmen, die nimmt die Fruchtbarkeit und ihre Ausstrahlung). Dann kamen sie an entfernte Tische und beschrieben einander abwechselnd die Zeichnungen.
Für gewöhnlich übernimmt man in einer solchen Situation die zuvor gehörte Redeweise – „structural priming“ –, etwa ein doppeltes Objekt (DO): Beschreibt die/der eine eine Zeichnung mit „Hans gibt Susi einen Apfel“, dann beschreibt die/der andere in der nächsten Runde „Franz schreibt Else einen Brief“. So hielten es die Männer auch, wenn die Testpartnerin nicht in ihrer fruchtbaren Zeit war. Wenn sie aber etwas spürten, übernahmen sie die Syntax nicht, sondern stellten um, auf Präposition und Objekt (PO): „Franz schreibt an Else einen Brief“. „Je höher die Fruchtbarkeit der Frauen war, desto geringer war die linguistische Übereinstimmung“, schließt Coyle: „Mit diesem nichtkonformen Verhalten zeigen Männer wohl die Fitness ihrer Gene.“
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