Stellen Sie sich vor, Sie sitzen vor einem PC-Schirm mit Touchscreen, auf dem nach Zufall die Ziffern „1“ bis „9“ verteilt sind. Dann berühren Sie mit einem Finger die „1“. Nun verschwinden alle anderen Ziffern, und Sie sollen rekonstruieren, wo welche war: „Das schafft kein Mensch“, berichtet Tetsuro Matsuzawa, Primate Research Institute, Tokio: „Aber unsere Schimpansen schaffen es.“
Vor allem zwei tun sich hervor, Ai und ihr Sohn Ayumo, an ihnen testen die Forscher die Kognition unserer Cousins. Die tun gerne mit: „Sie brauchen kein Futter als Belohnung, Lob reicht“, erklärt Matsuzawa, „sie kommen freiwillig in den Testraum.“ Denn auch Schimpansen – und andere große Affen – lieben und brauchen intellektuelle Herausforderungen. Sonst verkümmern sie. Und das war früher bei Tieren in Zoos und Forschungsstätten oft die Regel: „Wenn sie nicht herausgefordert werden, können sie das Interesse an der Umwelt verlieren und abnormales Verhalten zeigen“, erklärt Fay Clarke (Royal Veterinary College), „dann sind sie oft gelangweilt, frustriert und gestresst.“ (Appl. An. Beh. 135, S.1)
Deshalb haben viele gefangen gehaltene Tiere heute „angereicherte Umwelten“. Dabei ging es zunächst vor allem um das Futter, es wurde nicht mehr in schlichten Näpfen verabreicht, sondern naturnäher, irgendwo versteckt oder trickreich verpackt. Und inzwischen wird immer häufiger auch Futter für das Gehirn serviert: Im Zoo von Atlanta hat man für Orang-Utans Touch-screens in die Bäume gehängt, auf denen sie Probleme lösen, Fotografien und Symbole zuordnen. Auch sie tun es ohne Belohnung, zu ihrem Vergnügen, und für die Forschung fallen Einsichten in das Lernen ab.
Noch weiter geht man bei Orang-Utans im Milwaukee County Zoo, dort hat man die Tiere zu Weihnachten mit iPads vertraut gemacht: „Sie benützen Farb-Apps und schauen sich gerne Videos an, aber an wirklich komplexe Spiele sind sie noch nicht gegangen“, berichtet Versuchsleiter Richard Zimmermann der BBC (8.2.). Das tun hingegen Makaken, die David Smith (State University of New York, Buffalo) so trainiert hat, dass sie mit Joysticks Computerspiele steuern. Die sind einfach, halten die Tiere aber über Stunden im Bann: „Ich glaube, das ist ihr Sudoku“, schließt Smith. jl
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.02.2012)
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