Das spukhafteste Lebewesen auf dem Erdenrund wächst seit 1996 auf der australischen Insel Tasmanien, damals wurde erstmals ein Tasmanischer Teufel (oder auch Beutelteufel) gesichtet, dessen Gesicht fürchterlich zugerichtet war. Verwundungen sind bei diesen Teufeln – Raubtieren in der Größe mittlerer Hunde – nicht ungewöhnlich, die Gesichter sind oft übel zugerichtet: Die Tiere sind extrem aggressiv, sie fahren einander beim Kämpfen und beim Sex mit den Zähnen ins Fleisch. Aber so ein Gesicht hatte noch niemand gesehen, es war aufgequollen und hatte rund um das Maul dicke Pusteln. Das war ein Tumor, und er – das „Devil Facial Tumour Disease“ (DFTD) – ist das spukhafte Wesen.
Es breitet sich – wie Metastasen in einem Körper – durch die Population aus, wird mit Bissen weitergegeben, die Tiere verenden schließlich, weil sie nicht mehr fressen können. Vergleichbare Krankheiten gibt es nur bei Hunden und Hamstern, aber sie und ihre Tumore sind nicht so aggressiv. Der Teufel hingegen ist am Aussterben – 70 Prozent sind nach Schätzungen schon gegangen –, man hat kleine unbefallene Populationen evakuiert, mehr kann man nicht tun, es gibt keine Gegenmittel. Und Hoffnung können auch die Genetiker nicht bieten, die nun an die Front geeilt sind. Sie haben im Vorjahr das Genom des Tasmanischen Teufels sequenziert, nun liegt auch das des „unsterblichen Teufels“ vor.
Immunsystem erkennt Bedrohung nicht
So nennt Elizabeth Murchison (Wellcome Trust Sanger Institute) die Krankheit bzw. ihr erstes Opfer, das Tier, das 1996 an dem Tumor starb, der seitdem lebt. Es war vermutlich ein Weibchen, das können die Forscher in den Genen lesen, sie finden dort auch die Ausbreitungsmuster des Tumors. Vor allem aber finden sie das Geheimnis seines Erfolgs: Das Immunsystem jedes Körpers wehrt für gewöhnlich fremde Gewebe ab, es erkennt sie an besonderen Genen bzw. ihren Proteinen (MHC). Aber Tasmanische Teufel erkennen den Tumor nicht als fremd, sein MHC ist dem ihren zu ähnlich, zudem haben sie bzw. ihre MHC nur eine geringe Vielfalt (Cell, 16.2.).
Man kann nur warten. Entweder sind eines Tages alle frei lebenden Teufel tot – Prognosen sehen das 2035 kommen –, dann könnte man die Evakuierten zurückholen aus ihren Zufluchten, eine heißt „Devils Ark“. Oder es gibt doch einzelne Tiere mit MHC-Genen, die den Tumor entdecken können und den Bestand neu aufbauen. jl
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.02.2012)
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