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Einen töten, um fünf zu retten? Ja, unter Brüdern schon!

17.02.2012 | 16:45 |   (Die Presse)

Wie Biologie und Moral um die Herrschaft über das Handeln ringen: Befragungen an Probanden zeigen, dass Verwandtschaft das Tötungstabu außer Kraft setzen kann.

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Stellen Sie sich vor, Sie sehen einen Eisenbahnwaggon auf fünf Menschen zurollen, die auf den Schienen stehen und nichts ahnen. Sie können das Unglück abwenden, indem Sie eine Weiche umstellen. Dann überrollt der Waggon nur einen Menschen. 85 Prozent von uns würden das Umstellen der Weiche als unmoralisch beurteilen, so zeigt es sich in Psychologenlabors. Aber noch mehr würden es dennoch tun. Das hängt auch damit zusammen, dass man ja nur eine Weiche umstellt. Wird hingegen gefragt, ob man einen Menschen mit eigener Hand vor den Waggon stoßen würde, um die anderen zu retten, sinken die Werte auf unter 50 Prozent.

Aber der Widerspruch zwischen Urteil und Handeln ist nur ein Teil des Dilemmas, es kommt auch darauf an, wer die sechs anderen sind. Im Tierreich gilt Hamiltons Regel, derzufolge für Verwandte mehr getan wird („kin selection“). Auch geopfert: Mistkäfer töten einzelne Jungen, wenn sie nur so die anderen ernähren können.

Ähnliches verfechten utilitaristische Moralsysteme: Sie sehen auf die Handlungsfolgen und wollen den Nutzen für das Ganze optimieren. Beim Töten allerdings gelten rigide Regeln – „du sollst nicht“ –, die die Absicht des Handelns im Auge haben, nicht die Folgen. Sie verbieten das Töten, gleich zu welchem Zweck, und sie beherrschen das moralische Urteil.

Sorge um das große Ganze überwiegt

Aber im Handeln sind wir den Mistkäfern ähnlich: Robert Kurzban (University of Pennsylvania) hat Probanden das Dilemma mit dem Waggon vorgelegt, in drei Varianten. Einmal waren die fünf Bedrohten Brüder der Befragten, und der zu Opfernde war auch einer; das andere Mal waren sie Freunde, das dritte Mal Fremde. Das Urteil war eindeutig und für alle Gruppen gleich: unmoralisch! Aber beim Willen zur davon abweichenden Tat zeigten sich Differenzen: 77 Prozent würden einen Fremden mit dem Umstellen der Weiche opfern, um fünf Fremde zu retten, vor den Waggon schubsen würden ihn 28 Prozent. Wären es hingegen Brüder, lägen die Werte höher: 88 Prozent würden die Weiche umstellen, 47 Prozent schubsen, schließlich könnten damit fünf Brüder gerettet werden (Evolution and Human Behavior 2011. 11. 02).

So weit reicht die Macht der Biologie. Aber die Moral spricht schon auch noch mit: Danach befragt, ob sie einen Fremden vor den Zug stoßen würden, um fünf Brüder zu retten, winkten immerhin 48 Prozent ab: „Der Mechanismus, der unmoralische Aktionen unterdrückt, bildet ein extrem starkes Gegengewicht zur kin selection“, schließen die Forscher. jl

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4 Kommentare
0 0

Dritte umzubringen um zu überlebn ist für Politik ganz normal!


Gast: der handel
18.02.2012 01:36
1 5

dürften wir das als werbewirksame wissenschaftliche entschuldigung nehmen

um ein fünftel der menschheit brüderlich verhungern zu lassen?

Antworten Gast: Pflichtfeld
20.02.2012 13:40
0 0

Re: dürften wir das als werbewirksame wissenschaftliche entschuldigung nehmen

Das kann man jetzt aber so nicht sehen.
Wir lassen ja nicht ein Fünftel verhungern, weil wir damit die anderen vier Fünftel retten, sondern weils uns einfach "wurscht" ist.

Passt also nicht zur Aufgabenstellung.

Antworten Antworten Gast: Gast 5
23.02.2012 21:35
0 0

Re: Re: dürften wir das als werbewirksame wissenschaftliche entschuldigung nehmen

Und warum ist es uns wurscht?