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Der erste Burger aus der Retorte wird bald aufgetischt

21.02.2012 | 18:24 |  JÜRGEN LANGENBACH (Die Presse)

Noch heuer soll „In-vitro-Fleisch“ aus den Labors kommen. Ob es allerdings munden wird, weiß niemand. Nicht nur Tierschützer würden sich freuen, auch die heutige Massentierhaltung bringt viele Probleme.

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„In 50 Jahren werden wir von dem Aberwitz abgekommen sein, ganze Hühner heranwachsen zu lassen, um dann ihre Flügel oder Brüste zu essen“, prognostizierte Winston Churchill in den 1930er-Jahren, „wir werden die Teile selbst in einem passenden Medium wachsen lassen.“ Der Prophet lag nicht schlecht, in den 90ern ging die Nasa an die Produktion von Fleisch aus der Retorte – „In-vitro-Fleisch“ –, und 2001 tischten US-Forscher erstmals etwas auf: Fischstäbchen aus vermehrten Zellen von Goldfischen. 2008 endlich schrieb die Tierschutzorganisation Peta eine Million Dollar für die Firma aus, die 2012 als erste synthetisches Huhn in die Supermärkte bringt.

Das Geld wird keiner abholen, obwohl etwa 30 Labors an den Töpfen forschen, aus denen einmal Fleisch quillen soll ohne Ende und vor allem ohne Blutvergießen. Immerhin, den ersten In-vitro-Burger soll es noch heuer geben, das versprach der Niederländer Mark Post auf der Jahrestagung der US-Forscher (AAAS): Er hat inzwischen ansehnliche Fleischstreifen: 3,5 mal 1,5 mal 0,5 Zentimeter. Und die würde er am liebsten von Heston Blumenthal verarbeiten lassen. Der ist Starkoch („The Fat Duck“), aber selbst wenn er käme, stünde sein Salär in keinem Verhältnis zum Preis des (einen) Burgers: 330.000 Dollar wird das Material kosten, aus dem er geformt werden soll.

 

Wabblig wie ein zu kurz gekochtes Ei

Das besteht aus Muskelzellen – Satellitenzellen –, die Schweinen per Biopsie entnommen werden und in einer Nährlösung aus Kälberblut wachsen. Aber das geht erstens nur in extrem dünnen Schichten – 100 bis 200 Mikrometer –, weil sonst die Zellen im Inneren der Streifen keine Nährlösung mehr erhalten; zweitens ist es aufwendig, weil Satellitenzellen sich nicht endlos teilen. Und drittens hat man am Ende völlig formloses Fleisch, wabblig wie ein zu kurz gekochtes Frühstücksei. Muskeln müssen daraus erst werden, Post trainiert sein Produkt mechanisch und mit Stromstößen.

Fehlt noch das Wichtigste, der Geschmack. Bisher hat niemand in vitro getafelt – die Goldfischstäbchen wurden nur berochen –, auch Post nicht, es ist unklar, ob ein Verkosten legal wäre. Nur ein Journalist hat in Posts Labor beherzt mit der Pinzette zugegriffen, bevor der Forscher es verhindern konnte: „Zäh und geschmacklos“ sei das Zeug. Also zieht Post in anderen Retorten noch Fett heran, und Geschmacksstoffe liefert die Industrie ohnehin.

Wozu das Ganze? Nicht nur Tierschützer würden sich freuen, die heutige Massentierhaltung bringt viele Probleme – vom Landverbrauch über die Gülle bis zum Treibhausgas Methan –, und nicht einmal sie wird den steigenden Fleischhunger stillen können. Auch die Gesundheit könnte profitieren: „Das Fleisch aus dem Labor wäre besser kontrolliert“, urteilte Ernährungswissenschaftler Philip Thornton (Nairobi): „Aber werden die Leute es auch essen?“ (Phil. Trans. Roy. Soc. B, 365, 2853). Diese Frage treibt auch die Entwickler des In-vitro-Fleisches um, sie wollen ihr Produkt zunächst als „functional Food“ den Reichen und Schönen andienen. Ein breiteres Publikum wird sich kaum finden: Auch bei den überschwänglichsten Prognosen bliebe Fleisch aus dem Labor doppelt so teuer wie das aus dem Stall.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.02.2012)

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12 Kommentare
jerry91
26.02.2012 12:50
0 3

Die Reichen u. Schönen

sollen diese Mist essen???ja ne ist klar...!Die Reichen und Schönen wie Bill Gates, der einer der Hauptaktionäre von Monsanto ist finanziert die Entwicklung von diesem Müll!Die Agenda ist Bevölkerungsreduktion durch Gentechnik und Vaccine - Leute wie Soros, Buffett und Gates unterstützen dies mit Milliarden und die hirntote Presse will uns das als "trendy" verkaufen!

Gast: iona
24.02.2012 19:56
0 1

bevor ich sowas eß eß ich nur mehr erdäpfel und brot und was im garten wächst

wenn es sein muß.

neo2
22.02.2012 14:04
0 2

Patente...

wird's dann auch für ein paar Konzerne geben. Und kurz darauf dürfen wir unser Fleisch nur mehr vom passenden Konzern zum "passenden" Preis kaufen. Das ist der Weg in die totale Abhängigkeit!

Antworten Gast: fragerrr
24.02.2012 23:16
1 1

Re: Patente...

totale abhängigkeit? isst du nur fleisch oder was?

Antworten Antworten neo2
25.02.2012 07:44
0 1

Re: Re: Patente...

Nein, ich esse sehr wenig Fleisch. Aber bei Kartoffeln, Mais, Weizen und Sojabohnen gibt es schon Patente. Da ist Monsanto einer der größten Patenthalter. Also kommt das Fleisch noch dazu.... Später vielleicht noch Gemüse und so weiter.

Antworten Antworten Antworten neo2
25.02.2012 08:59
1 1

Re: Re: Re: Patente...

Infos dazu gefällig:
http://www.weltagrarbericht.de/themen-des-weltagrarberichtes/saatgut-und-patente-auf-leben.html

Zitat->
Ein einziges Unternehmen, Monsanto, kontrolliert mittlerweile den Löwenanteil des Saatguts für Mais und Soja sowie das Saatgut wichtiger Gemüsesorten. Bei gentechnisch verändertem Saatgut kontrolliert Monsanto direkt oder durch Patentlizenzen sogar 90 % des gesamten Saatguthandels.
<-Zitat Ende.

Gast: Hudribusch
22.02.2012 09:06
0 0

Man nehme...

... ein paar Liter Kälberblut aus der Leitung als Nährlösung, füge ein paar Muskelzellen vom Schwein hinzu und lasse das ganze einige Zeit rasten (stark vereinfacht gesprochen). Und siehe da, es entsteht Muskelfleisch, das verzehrt werden könnte.

Aber wo genau liegt der Sinn, "Schweinezucht" in-vitro zu betreiben, wenn man dafür erst wieder Rinderzucht betreiben muss um die Nährlösung zu erhalten? Im großen Stil gedacht würde man quasi die Pest mit der Cholera austreiben, oder?

Antworten Gast: fu hu
22.02.2012 17:40
0 0

Re: Man nehme...

dabei sind es doch die menschen, die einen ohnehin unerwünschten überschuß an körpermasse haben. noch dazu von natur aus fett genug damit es auch nach was schmeckt.

Re: Man nehme...

man will schon zu anderen Nährmedien kommen und experimentiert etwa mit Algen und Pilzen

JoL
22.02.2012 00:02
5 0

Das ist die ...

... Gentechnik und die Biotechnik auf einmal nicht böse ...

Antworten Gast: fu hu
22.02.2012 17:38
0 1

Re: Das ist die ...


nicht?

na dann - guten appetit!

miMg
21.02.2012 21:44
0 0

Ob es allerdings munden wird, weiß niemand...

muss halt ordentlich gewürzt werden ;)