26.05.2012 02:48 | Meine Presse Merkliste 0

Wundertier "Alex" konnte nicht nur reden, sondern auch rechnen

22.02.2012 | 18:34 |  JÜRGEN LANGENBACH (Die Presse)

Ein Graupapagei namens Alex, der 100 Wörter beherrschte, zeigte auch mathematisches Talent. Unglücklicherweise starb er mitten im Experiment, die rudimentären Ergebnisse wurden posthum publiziert.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

„You be good. I love you. See you tomorrow.“ Das sagte der Graupapagei Alex eines Abends im September 2007 zu seinem Frauchen, Irene Pepperberg. Aber er sah sie nicht wieder, am nächsten Morgen war er tot, der Wundervogel, der reden konnte (fast) wie ein Mensch. 1977 hatte Pepperberg, damals Chemiestudentin, den zwölf Monate alten Alex in einer Tierhandlung in Chicago gekauft, sie merkte bald, dass dieser Papagei nicht einfach gehörte Laute wiederholte wie gewöhnliche Papageien. Stattdessen beantwortete er Fragen und drückte ganz von selbst aus, was ihm auf dem Herzen bzw. auf der Zunge lag: „Alex want gym“, krächzte er, wenn er Bewegung suchte, und wenn er genug davon hatte, gab es Anderes zu hören: „Wanna go chair!“

Ganz von alleine kam Alex nicht darauf, Pepperberg trainierte ihn ausgiebig, mit einer Technik, die „model-rival“ heißt: Dabei zeigt ein Trainer (A) einem Kotrainer (B) ein Objekt – etwa Schokolade – und bittet ihn, es richtig zu benennen. Ein Schüler (C) schaut und hört zu, dann erhält er die gleiche Aufforderung. Sagt auch er den richtigen Namen, gibt es als Belohnung das Objekt.

So lernte sich Alex in die menschliche Sprache ein, am Ende verstand er 500 Wörter und konnte mit 100 aktiv umgehen, er prägte sogar eigene: Als er das erste Mal einen Apfel sah, nannte er ihn „banerry“, vermutlich eine Mischung aus „banana“ und „cherry“, mit diesen Früchten war er vertraut. Die Forscherin Pepperberg lernte sich auch ein, in das Studium des Verhaltens von Alex, sie hatte ihn weitsichtig getauft, nahm den Namen als Akronym erst für Avian Language Experiment, dann für Avian Learning EXperiment. Sie selbst gab die Chemie auf und wurde Psychologin, in Harvard.

Der Vogel lernte viel, unter anderem zählen: Pepperberg zeigte ihm vier grüne, drei rote und fünf blaue Objekte und fragte ihn: „What colour five?“ „Blue“ kam als Antwort. So etwas schafften andere Papageien in Pepperbergs Labor nicht, aber Alex war oft bei den Experimenten mit dabei, etwa einem, in dem Pepperberg dem Papageien „Griffin“ zwei Töne vorspielte, der reagierte nicht. Pepperberg produzierte noch zwei Töne, Alex schaltete sich ein und rief: „Four.“ „Ich sah ihn an und fragte: ,Du willst addieren?‘“, erinnert sich die Forschern: „Fein!“

Und er lernte wieder, erst an Objekten, die die Form arabischer Zahlen hatten: Dann rief er „sieben“, wenn er die „3“ und die „4“ vor Augen bekam; das funktionierte auch, wenn er die Zahlen nur im Kopf hatte, in der Erinnerung: Pepperberg zeigte ihm drei verschiedene Mengen dreier verschiedener Objekte – ein Bonbon, zwei Stücke Schokolade, drei Stücke Pasta etwa –, dann stülpte sie eine Tasse über jede. Alex zog aus dem Gedächtnis Bilanz, korrekt bis auf sechs.

 

Kein „Kluger-Hans-Effekt“

Und dann starb er, mitten im Experiment, Pepperberg hat posthum die rudimentären Ergebnisse publiziert (Animal Cognition, 8.2.). Denn rechnen wie Alex konnte außer ihm nur noch ein Wundertier, der Schimpanse Scheba. Wie Alex das tat – vielleicht sequenziell, erst eine Teilsumme, dann die nächste, Kinder tun es bisweilen so – lässt sich nicht mehr klären. Aber er tat es, unbeeinflusst: Der Schreck aller Kognitionsforscher ist der „Kluge Hans“, ein Pferd, das zu Beginn des 20.Jahrhunderts angeblich rechnen konnte. Aber Hans reagierte nur auf subtile körpersprachliche Signale, die ihm sein Herr völlig unabsichtlich zukommen ließ. Pepperberg schloss den Effekt aus: Sie ließ die Experimente von Personen ausführen, die Alex zuvor nicht kannte.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.02.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

36 Kommentare
 
1 2
Gast: Altkater1
24.02.2012 23:22
1 0

Verlust für Österreich

Das ist natürlich jammerschad, daß so ein gscheiter Kerl dahingegangen ist.

Bei uns gibts in der geschützten Werkstätte ja die Laura, aber das klappt anscheinend doch nicht so recht. Vor allem beim Reden.

Und was "lavatar" im ersten Satz bei seinem früheren post anspricht, kann man ungeschaut auch fürs Wernerle unterschreiben.

Wobei ja dieser Papagei mit seiner Rechenkunst fraglos ein Gewinn auf der Regierungsbank gewesen wäre. Und er manche Regierungsmitglieder intellektuell wahrscheinlich in die Tasche gesteckt hätte.

Gast: ASVG-Sklave
23.02.2012 16:56
5 3

Was will uns dieser unseriöse Artikel suggerieren?

Dass der Papagei sprechende Kinder bekommen hätte? Oder war er nur ein Mutant-Papagei?

Antworten Glosar
23.02.2012 19:56
0 5

Re: Was will uns dieser unseriöse Artikel suggerieren?

nein, dass er Österreicher war!

2 5

Re: Was will uns dieser unseriöse Artikel suggerieren?

nein, er war Ihr Erzeuger !

Gast: Löwenherz Richard
23.02.2012 16:54
8 0

Lavater hat wie immer recht!


miMg
23.02.2012 02:55
1 0

Unglücklicherweise stürzte der Rechner mitten im Experiment ab ;)


Antworten Gast: Stummer Hans
02.03.2012 17:57
0 0

P o s t e n,

ohne etwas zu erfassen kommt ebenfalls nahe an das Abspielen eines Tonträgers heran, der Tonträger versteht auch nicht, was er von sich gibt und wenn es noch so gescheite Sachen sind.

Gast: lavater
22.02.2012 23:40
5 4

Reden konnte er, aber das heißt noch lange nicht, dass

er die Semantik dessen, was er aussprach, auch begriff.

Dass aber zwischen Reden und Reden ein Unterschied ist, zwischen Lesen und Lesen auch ein Unterschied ist, das verschweigt dieser Artikel.
Es wäre aber schon wesentlich, dies zu erwähnen.
Man kann etwas laut lesen, ohne es zu verstehen. Dann werden nur die Mechanismen des Stimmapparates in Schwingungen versetzt.

Es gab einmal einen Eunuchen, der gleichzeitig Finanzminister eines großen Landes war, dem passierte dies.

Er las laut, ohne das Gelesene zu verstehen.
Sozusagen wie das Wundertier Alex in diesem Artikel.

Aber im Gegensatz zum Wundertier Alex war er sich seines Nicht-Verstehens bewusst und empfand es als einen Mangel.
Die Frage: "Verstehst du, was du das liest?" (Apostelgeschichte 8:30) und das anschließende Gespräch öffneten dem Mann die Augen, er konnte die vorher laut gelesenen Worte nun auch in ihrem Inhalt nach, ihrer Semantik erfassen.

Reden und laut Lesen, ohne etwas zu erfassen kommt nahe an das Abspielen eines Tonträgers heran, der Tonträger versteht auch nicht, was er von sich gibt und wenn es noch so gescheite Sachen sind.

Dieser Unterschied wird in diesem Artikel genauso wie in den vorangegangenen Affengeschichten nie herausgearbeitet, wäre aber sehr wichtig.




Antworten Gast: Ute8
02.03.2012 17:53
0 0

Soll man mit einem Katholisten

übe Wissenschaft diskutieren? Oder. kann man das?

3 6

Re: Reden konnte er, aber das heißt noch lange nicht, dass

Sagt es jetzt eigentlich aus, dass du kein Mensch bist, weil du scheinbar die Semantik des obigen Artikels nicht verstanden hast?

Sicher, dass du den Artikel gelesen hast? Ich bin gerade schwer besorgt.

Antworten Antworten Gast: Kaspar Hauser
23.02.2012 09:23
4 5

Re: Re: Reden konnte er, aber das heißt noch lange nicht, dass

Wer mit Bibelzitaten kommt, dem ist diesbezüglich nicht zu trauen. Es gibt Leute, die sind so in ihrer Ideologie verhaftet (auch ein Glaube ist eine Ideologie!), daß sie das selbständige Denken vergessen. (Oder nie gelernt haben?)

Antworten Antworten Antworten Gast: lavater
23.02.2012 10:56
6 3

Re: Re: Re: Reden konnte er, aber das heißt noch lange nicht, dass

Aus ihren Aussagen geht ganz klar hervor, dass sie die Bibel nicht kennen. Sie wurden wahrscheinlich als Kind mit Märchen aufgezogen (so wie ich).
Es ist aber bekannt, dass Märchen verdummend wirken, während die Bibel das kritische Denken und das Unterscheidungsvermögen fördert.
Es gibt darüber soziologische Studien, welche Auswirkungen die Durchdringung mit der Bibel bei ganzen Völkern (auch auf die Auswirkung auf die Wirtschaft) hat.


Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Nils Erasmus
24.02.2012 02:56
1 4

Re: Re: Re: Re: Reden konnte er, aber das heißt noch lange nicht, dass

Das von der Bibel das kritische Denken gefördert wird, merkt man an ihren "das tapfere Schneiderlein" Kommentaren. Aber mit Hinsicht auf die sozialen Auswirkungen der Durchdringing der Gesellschaft durch die Bibel haben sie recht, gerade diese Geisteshaltung hat uns nach den durch Bibelvergiftung mitverursachten Völkermorden der Kolonialisierung, die kapitalistisch, korrupte, sexualitäts- und frauenfeindliche Überwachungsgesellschaft von heute beschert.

2 4

Studien zur Auswirkung der Bibel?

Hmmm... Also ich empfehle die ausgiebige Lektüre der Bibel und die Beschäftigung mit dem Christentum.

Es gibt nur wenige bessere Wege, um Atheist zu werden.

Nicht umsonst schneiden Personen, die sich als "Atheisten" bezeichnen, bei Bibelkenntnis-Tests, Kenntnis der Weltreligionen, Quizzes über die Glaubensinhalte des Christentums, etc. durchschnittlich besser ab als gläubige Christen.

http://www.nytimes.com/2010/09/28/us/28religion.html

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten pck0
24.02.2012 09:56
4 0

Re: Studien zur Auswirkung der Bibel?

Fairerweise würde ich aber sagen, dass man Lavater zumindest im Bibelwissen nicht mit dem Durchschnitt vergleichen kann.

1 1

Selbstverständlich!

Ich bleibe aber dabei. Wer die Bibel liest und die "das muss alles wahr sein"-Brille gegen die "mal schauen, ob das was taugt"-Brille tauscht, kommt mit hoher Wahrscheinlichkeit zu diesem Schluss:

Dass die Bibel, so wie alle heiligen Bücher, von Menschen geschrieben, mit menschlichen Fehlern behaftet und für menschliche Bedürfnisse verfasst wurde - kein Gott notwendig.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Odessa - Argentinien
24.02.2012 10:31
2 2

Re: Re: Studien zur Auswirkung der Bibel?

Lavater ist in allen Belangen einzigartig!

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: lavater
23.02.2012 23:52
3 2

Re: Studien zur Auswirkung der Bibel?

Interessant. Nicht so sehr der Artikel, ich finde die Recherche richtig, Atheisten sind in der Regel intelligenter bzw. etwas gebildeter als Namenschristen oder Traditionschristen,
Ineressant fand ich, dass ich den Artikel auch vor einiger Zeit kurz überflog, obwohl ich sehr selten NYT lese.

Dass der Schreiber des Artikels natürlich nicht einmal weiß, was ein Christ ist, bzw. wie man Christ wird, ist zu verzeihen oder besser gesagt, auch nicht zu erwarten.

Zum Thema Intelligenz versus Christ-Sein fällt mir gerade einmal ad hoc

1.Kor 1:26-27 ein. Vielleicht lohnt sich's darüber nachzudenken.


Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Plädoyer für eine gute Ausbildung
23.02.2012 15:00
1 6

Re: Re: Re: Re: Reden konnte er, aber das heißt noch lange nicht, dass

Sie haben recht! Wenn ich die Bibel lese, werden meine Gedanken GAAANZ kritisch :-) Und Studien über die Auswirkungen der Bibel gibt's sicherlich zuhauf, was sie aussagen, steht aber auf einem anderen Blatt.

Zu Alex: warum soll's nicht auch unter den Tieren auf ihre Art Genies geben. Auch Tiere sind verschieden, das sehe ich schon bei meinen vier Mieze-Kratzis: 1) Faul-flabberig und freundlich, 2) grantelnd wie der sprichwörtliche Wiener, 3) muskulöser wilder Jäger und trotzdem sozial verträglich, 4) süß-kuschelig-läßt-sich-alles-gefallen Menschen gegenüber und eine rasende Bestie in Gegenwart anderer Katzen -> Tiere haben einen Charakter. Warum sollen die nicht auch unterschiedlich klug sein können? P.S: ich habe sie alle selber aufgezogen, das Umfeld ist für alle dasselbe.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Manchmal kann man nur seinen Kopf schütteln
23.02.2012 16:48
5 5

Re: Re: Re: Re: Re: Reden konnte er, aber das heißt noch lange nicht, dass

Wenn jemand vier Katzen besitzt sagt das nur eines aus: Sie sind ein Tiermessie!

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Plädoyer für eine gute Ausbildung
23.02.2012 17:47
2 5

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Reden konnte er, aber das heißt noch lange nicht, dass

Wohnen Sie in der Stadt? Ich nicht. Vier Katzen in einer Wohnung wären möglicherweise zu viel. In einem Haus ist das kein Problem. Meine Katzen sind Freigänger (sonst hätte mein Jägerlein ja keine Gelegenheit zum Jagen) und ich brauche nicht einmal Klo-Kisterl putzen. Nur ab und zu eine Maus oder eine Ratte fangen. Wenn man auf einem Bauernhof aufgewachsen ist, kommen einem 4 Katzen ganz normal vor :-)

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Maggie Entenfellner
23.02.2012 18:26
4 4

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Reden konnte er, aber das heißt noch lange nicht, dass

Ich finde, dass man bei vier Katzen sehr wohl von einem Tiermessie sprechen/schreiben kann. Meistens sind die Leute die Tiere sammeln überfordert und nicht selten hab' ich das Gefühl, dass sich viele die Haustiere nur halten, um sich selbst etwas Gutes zu tun.

Und ich weiß auch, worin das Problem liegt: Nämlich, dass es in erster Linie den Tieren gut gehen soll, gerät in Vergessenheit. In dem Moment, in dem ein Tier nur aus egoistischen Gründen gehalten wird, beginnt für mich bereits Tierquälerei. Ob Bauernhof hin oder her. Denken Sie mal unvoreingenommen darüber nach. ;-)

0 6

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Reden konnte er, aber das heißt noch lange nicht, dass

messy scheint es hier eher in jemandes Kopf zu sein...

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten pck0
23.02.2012 19:17
0 5

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Reden konnte er, aber das heißt noch lange nicht, dass

So eine Diskussion hätt ich mir jetzt nicht erwartet...

Was sagt eigentlich die Bibel zum Besitz von vier Katzen, wenn man am Land lebt und die Tiere frei laufen lässt? Lavater?

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: lavater
24.02.2012 11:48
3 0

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Reden konnte er, aber das heißt noch lange nicht, dass

Angelus Silesius sagt: "Mensch werde wesentlich!"

...und dann bitte noch die nächsten Sätze von A.S. weiterlesen...

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Ich check's nicht
24.02.2012 12:48
2 0

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Reden konnte er, aber das heißt noch lange nicht, dass

"Mensch werde wesentlich,
denn wenn die Welt vergeht,
so fällt der Anschein fort,
das Wesen, das besteht." - Das Problem ist, dass ich den Sinnspruch nicht verstehe!
Wären Sie so nett und würden ausdeutschen?

 
1 2