RobotChallenge: Kampf der schlauen Geräte

10.03.2012 | 17:53 |  von Veronika Schmidt (Die Presse)

Die RobotChallenge, Europas größter Robotikbewerb, geht in Wien ins Finale. In den Robotern steckt gefinkelte Informatik, Elektronik und Mechanik. Über 450 Teilnehmer aus 24 Ländern bringen heuer 253 Roboter mit.

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Man geht mit offenen Augen durch die Welt, um Dinge zu finden, die man zweckentfremden kann“, erzählt Michael Brandl. Er lenkt dabei einen zwei mal ein Meter großen Zeppelin durch den Raum, an den Gardena-Bewässerungsschläuche montiert sind: „Das waren die leichtesten Schläuche, durch die ich Helium füllen kann.“ Fliegende Roboter sind heuer neu bei der RobotChallenge, die dieses Wochenende (zum neunten Mal) in Wien stattfindet: 14 Disziplinen sorgen bei Europas größtem Robotikwettbewerb seit gestern in der Aula der Wissenschaften (Wollzeile 27a) für eine abwechslungsreiche Show (Sonntag noch bis 18 Uhr, Eintritt frei).

Schon am Samstag traten acht autonome und fünf semiautonome Roboter an, um so schnell wie möglich Achterformen zu fliegen. „Autonom“ bedeutet, dass der Roboter völlig ohne Fernbedienung seine Aufgabe erfüllen muss. Semiautonome dürfen für die Richtung ferngesteuert werden, aber müssen selbsttätig die Höhe halten. „Weil fliegende Roboter heuer neu sind, wollten wir die Einstiegshürde gering halten“, sagt Roland Stelzer, Präsident des Vereins Innoc und Organisator der RobotChallenge: „Vielleicht fliegen nächstes Jahr alle autonom.“


Sumo, fliegen, sammeln. Die meisten Roboter, nämlich 166, treten als Sumo-Ringer an. Hier gibt es sechs Größenklassen von Mega-Sumo (20 mal 20 Zentimeter Roboter) bis Nano-Sumo (2,5 mal 2,5 Zentimeter). „Ein Roboter muss den anderen aus dem Ring schieben“, erklärt Stelzer. Seit letztem Jahr neu ist „Lego-Sumo“, wobei der gesamte Roboter aus Bausteinen besteht. (Der Spielzeughersteller bietet den Robotikwerksatz „Mindstorm“ mit Sensoren, Elektromotoren u.v.m. an.) In „Humanoid Sumo“ kämpfen menschenähnliche Roboter mit Kopf, zwei Armen und Beinen gegeneinander, in „Sumo Deathmatch“ bekämpfen sich 17 Roboter gleichzeitig, bis nur einer übrig bleibt. „Die Roboter müssen gute Sensoren haben, um den Gegner zu erkennen und nicht aus dem Ring zu fallen. Die Motoren müssen fein abgestimmt sein, die Roboter müssen guten Grip auf dem Boden haben: Oft sehen die Kämpfe fast menschlich aus“, sagt Mitorganisator Karim Jafarmadar, der wie Stelzer Teil des „Happy Lab“-Teams, einer offenen Hightechwerkstatt in Wien ist.

Ein Student der TU Wien zeigt, wie Mini-Sumo-Roboter kämpfen: In der runden Arena stehen zwei zehn Zentimeter große „Kasteln“, per Infrarotfernbedienung werden sie eingeschaltet und suchen die Arena nach dem Gegner ab. „Die Sensoren sind wie Augen paarig: Wenn nur ein Sensor den Gegner sieht, weiß der Roboter, er muss sich weiterdrehen, bis beide Sensoren den ,Feind‘ im Blick haben. Dann steuert er voll drauf zu und drängt ihn vom Ring“, sagt Alexander Kuttner. Sein Roboter ist Teil einer Bachelorarbeit am Institut für Computertechnik der TU Wien. „Es gibt in der gleichen Kategorie ein Konkurrenzteam unseres Instituts“, sagt er. Ob es zum Wiener Derby kommt, war zu Redaktionsschluss noch nicht bekannt, da die Finale am Sonntag stattfinden.

Die Roboterfreaks kommen aus der ganzen Welt: Über 450 enthusiastische Teilnehmer aus 24 Ländern bringen heuer 253 Roboter mit. Die Österreicher (28 Roboter) stammen aus Fachhochschulen von Vorarlberg, Kärnten, Wien und Wels, dazu kommen Schülerteams von HTLs und Forscher von technischen Unis. Zudem gibt es Hobbybastler wie Manfred Beran, der mit seinem Sohn seit vier Jahren in der Sportart „Line Following“ teilnimmt: Das Gerät muss so schnell wie möglich einer schwarzen Linie auf dem Boden folgen. „Die Disziplin wird gern von Einsteigern genutzt“, so Jafarmadar. „Doch es ist wie die Formel 1: Jeder von uns könnte mit einem Fahrrad eine Runde am F1-Ring drehen. Aber welche Technik schafft es am schnellsten?“ Hier lotet man Grenzen aus: Roboter erkennen Kurven früh, bremsen sich ein, vermeiden Schleudern oder haben gar ihre Lenkung im beweglichen Mittelteil, um wie Schlangen in den Kurven zu gleiten.

Die komplexeste Sportart ist „Puck Collect“: Zwei Roboter werden in ein Feld mit auf dem Boden verteilten roten und blauen Scheiben gestellt und müssen so schnell wie möglich alle Scheiben einer Farbe einsammeln. „Das ist eine Herausforderung für die Bilderkennung, Wegplanung, Sensorik und Motorik“, erläutert Jafarmadar. Ähnliche Entwicklungen finden Anwendung bei Staubsaugerrobotern: Diese müssen auch erkennen, was Dreck ist und was nicht, sonst machen sie in der Wohnung mehr kaputt als sauber.

Überhaupt gilt die RobotChallenge als Spiel- und Testfeld für Anwendungen in einem größeren Zusammenhang. Ob in Haushalt, Altenpflege, Überwachung oder der Automatisierungstechnik: Roboter werden immer mehr Teil unseres Lebens. Ohne „Hands-on“ lernen Nachwuchsforscher das Metier nicht, sagt Stelzer: „Es hat auch noch niemand das Radfahren aus Büchern gelernt.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.03.2012)

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5 Kommentare
Gast: Roboter IQ
11.03.2012 18:46
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Wie Intelligent?

Ein Roboter kann nur so Intelligent sein, wie es den Vorgaben dessen Entspricht das er vom Menschen erhalten hat, soweit es den Vorgaben der Lizenznedingungen entspricht.

Schon denkbar, das man bei zukünftigen Robotern, für die Lizenz 1.- Euro verlangt, für jedes mal Windelwechseln oder Körperpflege in der Geriatrie, einer der wichtigsten zukünftigen Tätigkeiten solcher Maschinen.

Contrabeispiel, der Versuch so etwas wie künstliche Intelligenz auf Basis von Wikipedia zu schaffen, das Vorhaben scheitert an Relevanz, Schnellöschanträgen und kulturellen und religiösen Vorhaben, das Ergebnis derartiger Experimente ist nicht mal mehr peinlich sondern nur mehr saublöd!

Antworten Gast: Bärenfalle...
11.03.2012 19:20
0

Re: Wie Intelligent?

Intelligenz bei Robotern ist eine Funktion der Rechenleistung und diese Entwickelt sich gemäß Moores Law.

Derzeit sind unsere Desktop-PCs (also keine Superrechner!) bzgl. Intelligenz auf dem Niveau einer Stubenfliege.

Und doch können unsere Rechner schon heute Bilder erkennen (Gesichtserkennung in Fotoprogrammen) und Texte ziemlich perfekt vorlesen.

Aber schon ca. 2015 sind unsere Desktops so schlau wie Hunde.

D.h. ihr Rechner erkennt Sie, weiß welches Stöckchen er aus dem Internet holen soll, von alleine.

2025 könnte der handelsübliche Desktop schon mal intelligenter sein als sein Benutzer.

2030 wird der Robot nicht nur die Windel wechseln sondern auch die Diagnose stellen und die Behandlung durchführen.

24h am Tag, immer höflich und korrekt und vor allem unschlagbar billig.

Die Auswirkungen auf die Gesellschaft sind dabei gewaltig und die Frage der Energieversorgung nicht geklärt.

Re: Re: Wie Intelligent?

Lesen Sie das alles aus Ihrer Glaskugel?

Antworten Antworten Gast: Schnuppu
11.03.2012 20:05
1

Re: Re: Wie Intelligent?

Ich bitte Sie, (künstliche) Intelligenz hat nur sehr periphär mit reiner Rechenleistung zu tun, informieren Sie sich bevor Sie solchen Unfug posten.

Antworten Antworten Gast: Roboter IQ
11.03.2012 19:56
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Re: Re: Wie Intelligent?

Das wurde doch schon alles vor Jahrzehnten Prognostiziert und wir sollten längst dort sein, wo es im Text für die Zukunft beschrieben ist.

Ist es nicht, alles was gelingt, ist eine Simulierung dessen was wir Intelligenz nennen, die Gründe dafür sind banal, wir wissen nicht was es ist, und voraussichtlich, ltd. Spektrum der Wissenschaft, wenn Quantenmechanik in unseren Hirnzellen hineinfukt wird es diese künstliche Intelligenz auch niemals geben.

Ähnlicher vergleich, die Prognosen in der Weltraumtechnik, wie wurde doch die Zukunft dort beschrieben, 2012 Expedition zum Pluto, Dauerbesiedelung von Mond und Mars, wer damals erklärte die USA werden 2010 nicht mal mehr bemannt in den Weltraum fliegen, der wäre zu jener Zeit ein Fall für jene Einrichtung gewesen, bei der sich Türen nur von außen schließen lassen.

Zur Erinnerung die ablöse der Boing 747 als größtes Verkehrsflugzeug dauerte mehrere Jahrzehnte und die Ablöse vom Airbus werden wir wohl nicht mehr erleben aus heutiger Sicht...

Derartig genante Prognosen sind das Papier nicht Wert auf dem es gedruckt ist, zu behaupten ein HomePC sein etwa so intelligent wie ein Stubenfliege, sehr überheblich, vor allem angesichts der geistigen Leistung von Krähen die erst nach 2000 so richtig erkannt wurden...

Statistisch, 1970 ging man davon aus das das erste Atomkraftwerk nach 2100 versagt, wir schrieben heute 2012 und es sind bereits 3 Totalversager eingetreten, mit 2mal fläschnemässig großräumiger Zerstörung, Wiederbe

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