RobotChallenge: Kampf der schlauen Geräte

Die RobotChallenge, Europas größter Robotikbewerb, geht in Wien ins Finale. In den Robotern steckt gefinkelte Informatik, Elektronik und Mechanik. Über 450 Teilnehmer aus 24 Ländern bringen heuer 253 Roboter mit.

Kampf schlauen Geraete
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Kampf schlauen Geraete
(c) Dapd (Ronald Zak)

Man geht mit offenen Augen durch die Welt, um Dinge zu finden, die man zweckentfremden kann“, erzählt Michael Brandl. Er lenkt dabei einen zwei mal ein Meter großen Zeppelin durch den Raum, an den Gardena-Bewässerungsschläuche montiert sind: „Das waren die leichtesten Schläuche, durch die ich Helium füllen kann.“ Fliegende Roboter sind heuer neu bei der RobotChallenge, die dieses Wochenende (zum neunten Mal) in Wien stattfindet: 14 Disziplinen sorgen bei Europas größtem Robotikwettbewerb seit gestern in der Aula der Wissenschaften (Wollzeile 27a) für eine abwechslungsreiche Show (Sonntag noch bis 18 Uhr, Eintritt frei).

Schon am Samstag traten acht autonome und fünf semiautonome Roboter an, um so schnell wie möglich Achterformen zu fliegen. „Autonom“ bedeutet, dass der Roboter völlig ohne Fernbedienung seine Aufgabe erfüllen muss. Semiautonome dürfen für die Richtung ferngesteuert werden, aber müssen selbsttätig die Höhe halten. „Weil fliegende Roboter heuer neu sind, wollten wir die Einstiegshürde gering halten“, sagt Roland Stelzer, Präsident des Vereins Innoc und Organisator der RobotChallenge: „Vielleicht fliegen nächstes Jahr alle autonom.“


Sumo, fliegen, sammeln. Die meisten Roboter, nämlich 166, treten als Sumo-Ringer an. Hier gibt es sechs Größenklassen von Mega-Sumo (20 mal 20 Zentimeter Roboter) bis Nano-Sumo (2,5 mal 2,5 Zentimeter). „Ein Roboter muss den anderen aus dem Ring schieben“, erklärt Stelzer. Seit letztem Jahr neu ist „Lego-Sumo“, wobei der gesamte Roboter aus Bausteinen besteht. (Der Spielzeughersteller bietet den Robotikwerksatz „Mindstorm“ mit Sensoren, Elektromotoren u.v.m. an.) In „Humanoid Sumo“ kämpfen menschenähnliche Roboter mit Kopf, zwei Armen und Beinen gegeneinander, in „Sumo Deathmatch“ bekämpfen sich 17 Roboter gleichzeitig, bis nur einer übrig bleibt. „Die Roboter müssen gute Sensoren haben, um den Gegner zu erkennen und nicht aus dem Ring zu fallen. Die Motoren müssen fein abgestimmt sein, die Roboter müssen guten Grip auf dem Boden haben: Oft sehen die Kämpfe fast menschlich aus“, sagt Mitorganisator Karim Jafarmadar, der wie Stelzer Teil des „Happy Lab“-Teams, einer offenen Hightechwerkstatt in Wien ist.

Ein Student der TU Wien zeigt, wie Mini-Sumo-Roboter kämpfen: In der runden Arena stehen zwei zehn Zentimeter große „Kasteln“, per Infrarotfernbedienung werden sie eingeschaltet und suchen die Arena nach dem Gegner ab. „Die Sensoren sind wie Augen paarig: Wenn nur ein Sensor den Gegner sieht, weiß der Roboter, er muss sich weiterdrehen, bis beide Sensoren den ,Feind‘ im Blick haben. Dann steuert er voll drauf zu und drängt ihn vom Ring“, sagt Alexander Kuttner. Sein Roboter ist Teil einer Bachelorarbeit am Institut für Computertechnik der TU Wien. „Es gibt in der gleichen Kategorie ein Konkurrenzteam unseres Instituts“, sagt er. Ob es zum Wiener Derby kommt, war zu Redaktionsschluss noch nicht bekannt, da die Finale am Sonntag stattfinden.

Die Roboterfreaks kommen aus der ganzen Welt: Über 450 enthusiastische Teilnehmer aus 24 Ländern bringen heuer 253 Roboter mit. Die Österreicher (28 Roboter) stammen aus Fachhochschulen von Vorarlberg, Kärnten, Wien und Wels, dazu kommen Schülerteams von HTLs und Forscher von technischen Unis. Zudem gibt es Hobbybastler wie Manfred Beran, der mit seinem Sohn seit vier Jahren in der Sportart „Line Following“ teilnimmt: Das Gerät muss so schnell wie möglich einer schwarzen Linie auf dem Boden folgen. „Die Disziplin wird gern von Einsteigern genutzt“, so Jafarmadar. „Doch es ist wie die Formel 1: Jeder von uns könnte mit einem Fahrrad eine Runde am F1-Ring drehen. Aber welche Technik schafft es am schnellsten?“ Hier lotet man Grenzen aus: Roboter erkennen Kurven früh, bremsen sich ein, vermeiden Schleudern oder haben gar ihre Lenkung im beweglichen Mittelteil, um wie Schlangen in den Kurven zu gleiten.

Die komplexeste Sportart ist „Puck Collect“: Zwei Roboter werden in ein Feld mit auf dem Boden verteilten roten und blauen Scheiben gestellt und müssen so schnell wie möglich alle Scheiben einer Farbe einsammeln. „Das ist eine Herausforderung für die Bilderkennung, Wegplanung, Sensorik und Motorik“, erläutert Jafarmadar. Ähnliche Entwicklungen finden Anwendung bei Staubsaugerrobotern: Diese müssen auch erkennen, was Dreck ist und was nicht, sonst machen sie in der Wohnung mehr kaputt als sauber.

Überhaupt gilt die RobotChallenge als Spiel- und Testfeld für Anwendungen in einem größeren Zusammenhang. Ob in Haushalt, Altenpflege, Überwachung oder der Automatisierungstechnik: Roboter werden immer mehr Teil unseres Lebens. Ohne „Hands-on“ lernen Nachwuchsforscher das Metier nicht, sagt Stelzer: „Es hat auch noch niemand das Radfahren aus Büchern gelernt.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.03.2012)

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