Fastenzeit: Auch Hyänen müssen sich umstellen

05.04.2012 | 09:02 |   (Die Presse)

Wenn es keinen Fleischmüll zu entsorgen gibt, besinnen sich die Tiere auf die Jagd.

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Viele Wildtiere nützen Futterquellen, die ihnen Menschen unabsichtlich in den Städten bieten, Füchse und Krähen etwa machen sich über die Abfälle her. Bei den größeren Allesfressern ist es nicht anders, in Nordamerika sind Müllbären gefürchtet, am Horn von Afrika streichen Hyänen durch die Siedlungen. Die sind allerdings willkommen, sie entsorgen den Müll der Metzger – vor allem Reste von Rindern – und ihrer Kunden. Dabei verschlucken sie alles mit Haut und Haar, nur Hufe nicht, Knochen werden verdaut, Haare nicht.

Aber vor Ostern kommen karge Zeiten, in Äthiopien ist eine christliche Sekte verbreitet, die 55 Tage lang streng fastet. Es gibt kein Fleisch, es gibt keine Abfälle. Deshalb müssen sich die Hyänen dann auf ihre alte Tugend besinnen, die Jagd: Sie holen vor allem Esel, Gidey Yirga (Mekelle University, Äthiopien) hat es an den unverdauten Haaren in Hyänen-Fäkalien quantifiziert: Vor der Fastenzeit besteht die Hyänen-Nahrung zu 15 Prozent aus Eseln, in ihr sind es 33, hinterher sinken die Werte wieder (Journal of Animal Ecology, 5. 4.). So ist es überall im Land, nur nicht rund um die Universität, an der Yirga forscht: Die Veterinärmediziner schlachten auch während der Fastenzeit – Rinder – und decken den Tisch.  jl

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.04.2012)

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