Es war ein gelungenes Experiment: Zur Feierstunde jener heimischen Forscher, die 2010 und 2011 mit einem ERC-Grant ausgezeichnet wurden, musste jeder „Grantee“ sein Forschungsgebiet auf einer Serviette skizzieren. Bei der großen Gala Anfang dieser Woche wurden schließlich drei Servietten präsentiert – und zwar die Skizzen von Nachwuchsforschern durch arrivierte Wissenschaftler.
Die Deutungen des Dargestellten wichen zwar bisweilen vom eigentlich Gemeinten ab. Doch die Querverbindungen, die zwischen verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen zutage traten, waren umso spannender. Etwa als der Mittelalterforscher Walter Pohl (ÖAW) staunend den Ausführungen von Matthias Horn lauschte, dem für seine Evolutionsexperimente 50 Generationen Chlamydien pro Jahr zur Verfügung stehen.
Egal, in welchem Fachgebiet ein Forscher arbeitet: Mit einem Preis des Europäischen Forschungsrates (ERC) ist quasi amtlich, dass die Forschung exzellent ist. Was die Präsidentin des ERC, die österreichische Wissenschaftsforscherin Helga Nowotny, daran besonders fasziniert: „Exzellenz ist ansteckend und sie strahlt aus“, sagte sie bei der Gala. Das sei für die Zukunft Europas extrem wichtig.
Österreich schneidet in den ERC-Statistiken relativ gut ab: Die Anerkennungsquote heimischer Forscher liegt deutlich über dem europäischen Durchschnitt. Und auch über den Forschungsstandort Österreich lässt sich eine interessante Aussage treffen: Nur in der Schweiz ist der Anteil ausländischer Forscher mit einem ERC-Grant höher. In Zahlen: Fast 70 Prozent der in Österreich forschenden 68 ERC-Preisträger sind gebürtige Österreicher.
EU-Forschungskommissarin Máire Geoghegan-Quinn versprach, alles zu unternehmen, damit die Dotation für ERC-Grants im künftigen EU-Rahmenprogramm „Horizon 2020“ gleich bleibe. Zudem will sie das EU-Programm deutlich vereinfachen. Was in Österreich gern gehört wurde.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.04.2012)
