„Die Philister standen auf einem Berg jenseits und die Israeliten auf einem Berg diesseits, dass ein Tal zwischen ihnen war. Da trat aus dem Lager der Philister ein Riese mit Namen Goliath von Gath, sechs Ellen und eine Handbreit hoch“ (1. Samuel, 17, 1). Der Rest ist bekannt, die Größe half dem Riesen nicht. Umstritten ist hingegen, ob die Geschichte ein Mythos ist – der der Gründung des Königreichs Israel um 1000 v.Chr. –, oder ob sie bzw. das ganze Alte Testament getreu die Historie berichtet. Gath zumindest, die Stadt, aus der Goliath kam – vielleicht auch direkt in die Schlacht –, hat es gegeben, es lag 30 Kilometer südlich von Jerusalem, dort tobte laut Bibel der Kampf.
Und auf dem Berg gegenüber – Tel Qaeifa, „Schöner Hügel“, bei Beduinen „Davids Hügel“ genannt – lag auch eine stark befestigte Stadt, Khirbet Qeiyafa, sie existierte nur 40 Jahre, von 1020 bis 980 v.Chr. Seit fünf Jahren gräbt dort Josef Garfinkel, Archäologe der Hebrew University in Jerusalem und Vertreter der Hypothese, dass die Bibel doch recht hat, bisher hat man nur keine archäologische Bestätigung dafür finden können, und das Königreich Davids wird auch in keiner anderen antiken Quelle erwähnt, nicht in Ägypten, nicht in Mesopotamien.
Nun sieht Garfinkel sich bestätigt: „Wir haben eine Stadt mit Bezug zum Königreich.“ Gefunden hat er einen Gebäudekomplex mit Kultgegenständen, Altären, Stelen und zwei tragbaren Schreinen aus Stein bzw. Ton, 20 bzw. 35 Zentimeter hoch, einer ist verziert, etwa mit Darstellungen von Löwen.
Aber all das könnte auch von Philistern oder Kanaaniten benützt worden sein, entscheidend für Garfinkel ist deshalb, was er nicht gefunden hat: „Über die Jahre haben wir tausende Tierknochen ausgegraben, von Schafen, Ziegen, Rindern. Aber nicht von Schweinen. Und jetzt haben wir Kulträume ausgegraben, in denen sich nicht eine Figurine eines Menschen oder eines Tiers fand. Das zeigt, dass die Bevölkerung die zwei biblischen Tabus befolgte, das Verbot von Schweinefleisch und das Bilderverbot. Sie hatten also einen anderen Kult als die Philister oder Kanaaniten.“
Dagegen sprechen allerdings die Löwen, dagegen spricht auch, dass man an vielen Fundstellen im Norden Israels durchaus auf Figurinen gestoßen ist, so heilig war das Bilderverbot wohl nicht. Die Gegenfraktion um den Archäologen Israel Finkelstein (Tel Aviv), die Davids Reich für einen Mythos hält, winkt deshalb eher ab. jl
("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.05.2012)
