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Wenn die Stadt brutal heiß ist

23.06.2012 | 18:02 |  von Martin Kugler (Die Presse)

Die Zahl der Hitzetage wird sich laut Prognosen in den nächsten Jahrzehnten verdoppeln. Ohne Maßnahmen wird die Zahl der Todesopfer dadurch stark ansteigen: Was in den Augen der Wissenschaft dagegen getan werden kann.

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Nicht nur während Hitzewellen wie der eben zu Ende gegangenen sind Städte Wärmeinseln: Im Durchschnitt ist es in Städten um zwei bis drei Grad wärmer als im Umland. Das hängt damit zusammen, dass es in der Stadt weniger Grünflächen gibt, wo Wasser verdunsten könnte (und dabei Verdunstungskälte erzeugt), sich Beton und Asphalt aufheizen, die Durchlüftung schlechter ist und viel Abwärme von Häusern oder Autos kommt.

Gefühlsmäßig ist der Unterschied sogar noch viel größer. „Die gefühlte Temperatur in der Stadt ist oft um fünf Grad höher als im Umland“, erläutert Michael Staudinger, Direktor der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). Die gefühlte Temperatur (PET) berücksichtigt auch Feuchtigkeit, Wind und Strahlung. Laut einer Studie des ZAMG nahm die Zahl der Tage, in denen die gefühlte Temperatur höher als 29 Grad beträgt, in den letzten Jahrzehnten deutlich zu. Der Trend wird weitergehen: Aktuell gibt es in Wien jährlich im Schnitt zwölf „Hitzetage“, an denen die Quecksilbersäule die 30-Grad-Marke übersteigt. „Diese Zahl wird sich durch den Klimawandel bis Mitte des Jahrhunderts mehr als verdoppeln“, so Staudinger. Und: Auch der urbane Wärmeinsel-Effekt wird sich verstärken: In dem Projekt „Muklimo-3“ haben ZAMG-Forscher herausgefunden, dass die Temperaturen im Zentrum und im Osten Wiens stärker steigen werden als im Wienerwald.

Die Hitze ist nicht nur unangenehm und lähmt die Aktivität von uns allen – sie kann auch dramatische Folgen für die Gesundheit haben, vor allem bei älteren Menschen mit Herz-Kreislauf-Problemen. Harte Daten dafür gibt es von der großen Hitzewelle des Jahres 2003 in Westeuropa, wo allein in Frankreich rund 15.000 Todesopfer zu beklagen waren. Dort gibt es seither einen Plan, in dem gefährdete Personen systematisch durch Zivilschutzbehörden in kühlere Bereiche gebracht werden. Mit Erfolg: Bei späteren Hitzewellen war die Zahl der Todesopfer um 90 Prozent niedriger.

Für Österreich schätzt man, dass die Zahl der Todesfälle während einer Hitzewelle um 14 Prozent zunimmt – in einer Woche sind das österreichweit rund 100 Todesopfer. Genaue Zahlen gibt es aber nicht, denn „Hitze“ wird in den Statistiken nicht als Todesursache geführt. Die ZAMG gibt seit dem Vorjahr auf ihrer Homepage Hitzewarnungen aus, die aber (noch) nicht systematisch genutzt werden. In der Steiermark läuft derzeit ein Pilotversuch, in dem zielgerichtete Informationen an die Sanitätsbehörden gehen.

Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass das Problem in Zukunft größer wird. Man ist dem aber nicht schutzlos ausgeliefert: Das ist die Kernaussage des Forschungsprojekts „Hot town, summer in the city“, das im Rahmen des Programms „StartClim“ – gefördert u.a. vom Wissenschafts- und Wirtschaftsministerium – durchgeführt wurde. Kurzfristig am wichtigsten ist demnach das Vorhandensein von kühlen Räumen – sei es in Gebäuden, in Verkehrsmitteln oder in kühleren Grätzeln, die in Stadtplänen als „kühle Oasen“ eingezeichnet werden könnten. Eine Rolle spielen dabei Kühlaggregate und Klimaanlagen, aber auch planerische Maßnahmen. In London beispielsweise werden manche U-Bahn-Schächte mit Grundwasser gekühlt, in Kalifornien müssen seit 2005 alle flachen Gewerbegebäude weiße Dächer aufweisen („White City“).


Bewegtes Wasser. Abhilfe bei großer Hitze schaffen auch begrünte Fassaden – laut Untersuchungen von Boku-Forschern ist die Oberflächentemperatur um zehn bis 15 Grad geringer. Das Schlagwort „Green City“ steht auch hinter anderen Maßnahmen: Eine „Entsieglung“ des Bodens, die Vergrößerung der Grünflächen, Baumpflanzungen oder die Begrünung von Straßenbahngleisen tragen zu einer Abkühlung bei.

Bei dem Konzept von „Blue Cities“ soll der direkte Kühleffekt durch Wasser wirken – wobei bewegtes Wasser einen größeren Effekt hat als stehendes Wasser. Ausnutzen kann man das beispielsweise durch Sprühaufsätze auf Trinkbrunnen oder Hydranten (wie aus New York bekannt). Auch die Einrichtung von „Wasserwänden“ auf Plätzen wirkt wahre Wunder, ebenso Sprühnebel auf Schanigärten oder die Berieselung von Dächern. (Letzteres ist um 90 Prozent billiger als das Kühlen von Gebäuden mit Klimaanlagen).

Langfristig sehr große Effekte haben stadtplanerische Maßnahmen wie die Ausrichtung von Gebäuden in Ost-West-Richtung – sie beschatten dann die Straßen und bieten zudem auf der Südseite große Flächen für Solarenergiegewinnung. Und: Sehr wirksam ist eine intelligente Raumplanung. Das Freihalten von Grünzügen in der Stadt und von Frischluftschneisen kann den Wärmeinsel-Effekt von Städten langfristig deutlich verringern.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.06.2012)

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14 Kommentare
Gast: Klimageräte
25.06.2012 12:03
4 0

Erhitzter

Wie kann man in Wien ein Klimagerät einsetzen, wenn die Fassade nicht "beschädigt" bzw "verändert" werden darf, und auch von der Hausverwaltung nichts für die Kühlung, nur für die Heizung vorgesehen ist, und natürlich auch die Fassade nicht gedämmt und oberhalb bei manchen Wohnungen noch eine Wärmespeichernde Terasse?
Bestimmungen aus weniger schwül-heißen Zeiten oder soll die Abhärtung aller Altersgruppen trainiert werden? Die exorbitanten Preissteigerungen im Wohnungssektor erlauben Wohnungswechsel auch nur gewissen.

Woher will der Herr Staudinger

wissen,welche Temperaturen es in 50 Jahren geben wird?

Wetterprognosen sind ja meist auch nur für einige Tage tauglich.

Wie wird der heurige Sommer?

Bitte um Prognosen!

Ist übrigends ein schönes Barometer:

Wenn jemand mit einem Sager des Kalibers

"die können ja nichtmal das Wetter für 3 Tage vorhersagen, wie soll das dann mit 50 Jahren gehen"

daherkommt, dann kann alles weitere, was von dieser Person kommt, getrost ignoriert werden.

Re: Ist übrigends ein schönes Barometer:

Wie wird das Wetter in einer Woche,wie der Sommer und wie das Klima in 50 Jahren?

Die ZAMG irrt sich z.B. oft auch bei ihrer Wetter-Animation für 3 Tage.

Gestern hätte es bei uns z.B. regnen sollen!

Der Regen blieb aber in Oberkärnten hängen.

Aber kein Tropfen bei uns!

"Gestern hätte es bei uns z.B. regnen sollen!"

Einen Fehler ständig zu wiederholen macht ihn nicht weniger falsch.

Wetter mit Klima verwechselt.

Ich weiß vielleicht nicht, ob es nächste Woche regnet.

Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass es in einem Jahr so heiß wird wie jetzt um diese Jahreszeit.

Das ist der Unterschied zwischen Wetter und Klima. Und jedesmal, wenn du das in vollem Bewusstsein mit dem Ziel der Täuschung durcheinanderbringst, macht dich das mehr zum Wirrkopf.

Re: Wetter mit Klima verwechselt.

Wo bleibt eigentlich der Alfie?

Hat er sich in Rio in eine Samba-Tänzerin verliebt und bleibt dort?

Der greenling vom standard.at ist wieder zürück und postet wieder.

Unterlasse solche Postings bitte.

Wir sind hier ja nicht im Kindergarten. Ich habe ja nichts gegen einen rauen Umgangston, solange der Inhalt passt. Aber nur Polemik um der Polemik willen ist

a) ermüdend
b) führt zu nichts, außer zu gegen-Polemik
c) langfristig peinlich.

Ich warte immer noch auf die naturwissenschaftlichen Argumente, ich hab nämlich schon lang keines mehr gesehen.

Re: Wetter mit Klima verwechselt.

Wetter ist die NATÜRLICHE Folge vom Klima!

Oder glauben Sie,dass das Wetter unabhängig vom Klima ist?

Nach den Klimaprognosen der Treibhaushysteriker aus den 90 er Jahren hätte es z.B. in den letzten Jahren unter 1000 m nicht mehr schneien dürfen und auch keine extremen Fröste.

Aber viele landwirtschaftliche Kulturen sind heuer im Frühjahr total abgefroren.

Keine Kirschen,keine Marillen,keine Walnüsse und keine Kürbisse am Land in vielen Teilen von Ost-bzw.Süd-Österreich.

Das ist eben die Klima-Realität abseits künstlich aufgeheizter Ballungszentren und der dort gemessenen Temperatur-Kurven.

Ohne Quellenangabe leider wertlos.

"Nach den Klimaprognosen der Treibhaushysteriker aus den 90 er Jahren hätte es z.B. in den letzten Jahren unter 1000 m nicht mehr schneien dürfen und auch keine extremen Fröste."

Wer? Wo? Und mit welcher Qualifikation?

Was Hysteriker schreiben, interessiert mich nicht. Was schreiben die Forscher?

Nur, weil die populäre Presse oder Lobby-Organisationen A schreiben und dabei schrecklich übertreiben, sagt dies nichts über den Wahrheitsgehalt von A aus. Das ist einfache Logik.


Was mir noch auffällt: Ihre Anekdoten aus dem lokalen Wetter sind für die Klima-"Debatte" auch nur bedingt interessant. Bei Klima geht es um mehr als lokale Extremphänomene, die da quasi als Hörensagen geliefert werden (Da Anekdoten aber stark auf die Gefühle der Lesenden abzielen und nicht der Wahrheitsfindung dienen, nehme ich das mal als Versuch von Lobbying hin).

Re: Ohne Quellenangabe leider wertlos.

Welche Forscher?

Greenpeacler

sind keine SERIÖSEN Klima-Forscher,

SONDERN grünreligiöse Sektierer!

Kein Argument.

Das ist kein naturwissenschaftliches Argument. Versuchs noch einmal.

Re: Kein Argument.

Nun. Es ist schon viel verlangt eine 50jährige Prognose zu erstellen.
Die größten Unsicherheiten in den Computermodellen sind die Auflösung (grid) der Berechnungen und der Einfluß von Wolken/Wasserdampfbildung (Schlagworte cloud forcing und radiative forcing). Ebenso wird der Einfluß von Verwendung von FCKW und die Verminderung derselben nur unsicher berechnet.

Ich möchte mich nicht in eine wissenschaftliche Debatte Klimaerwärmung ja/nein/weches Ausmaß einlassen.
Die gegenwärtige Politik liegt mir schon am Herzen und da muss man schon Kritik anbringen dürfen.
Ist es nicht nicht besser den derzeit herrschenden Bedingungen ökologisch zu begegnen als auf Veränderungen in den nächsten 50-100 Jahren zu spekulieren und Geld für die flaschen Ansätze aus zu geben?

Sie haben sicher einige Klimamodellberechnungen gelesen und ob jetzt die errechnete Erwärmung 0.07°C (alle Länder erfüllen das Kyotoprotokoll) oder 11°C (die schlimmste mir bekannte Berechnung) eintritt, ist in der Tat ziemlich unsicher - nicht nur des Modells wegen, sondern auch der politischen Entscheidungen hier und andernorts wegen. Eine kurzfristig das Leben der Menschen verbessernde Politik (5-10Jahre) und eine langfristig umweltschonende (energieunabhängig) Politik sollte das Ziel sein. Die Klimaveränderung als Ausgangspunkt für politische Entscheidungen heranzunehmen ist daher völlig daneben.

Danke.

Ich bin zwar nicht Ihrer Meinung, aber mit den gebrachten Argumenten kann man diskutieren.

Danke erstmal dafür.