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Wenn Mitarbeiter das Sagen haben

14.07.2012 | 18:07 |  von Veronika Schmidt (Die Presse)

Christine Unterrainer hat »Organisationale Demokratie« untersucht: Je mehr Mitbestimmung die Mitarbeiter empfinden, umso hilfsbereiter sind sie auch abseits des Jobs.

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Als einfacher Arbeitnehmer mitbestimmen, was die Chefs tun? Das ist der Traum von vielen Angestellten – und in einigen Betrieben leben Mitarbeiter diesen Traum. Denn diese sehen „Organisationale Demokratie“ nicht als Schlagwort, sondern haben in ihren Statuten tatsächlich festgeschrieben, dass die Mitarbeiter (bei kleinen Betrieben in Vollversammlungen, bei großen als Mitarbeiterrat) bei strategischen Entscheidungen oder bei personellen Fragen Mitspracherecht haben sowie das Recht, Kritik am Betrieb anzubringen. Christine Unterrainer wurde im Studium auf den brasilianischen Vorzeigebetrieb Semco aufmerksam (berühmt für seine Mitarbeiterfreundlichkeit). Nun hat sie im Projekt „Odem“ ihre Dissertation über Demokratie in Betrieben verfasst (Uni Innsbruck, Psychologie, Betreuer: Wolfgang G. Weber). „Wir haben die Mitarbeiter selbst befragt, wie stark sie sich wertgeschätzt fühlen und empfinden, dass sie Mitspracherecht haben. Das waren 606 Teilnehmer aus Österreich, Deutschland, Südtirol und Israel.“

Warum Israel? Weil ein Kibbuz, eine ländliche Kollektivsiedlung, als Paradebeispiel für höchste Demokratie gilt, wo Lebensgemeinschaft und Arbeitsgemeinschaft eins sind. „Unsere Kooperationspartnerin in Haifa, Michal Palgi, hat die Fragebögen übersetzen lassen. Die Ergebnisse zeigten, dass auch in vielen Kibbuzim der Kapitalismus Einzug gehalten hat und teils externe Manager die Arbeitsbereiche leiten, anstatt die Mitglieder selbst.“ In den Betrieben in Mitteleuropa konnte sie jedenfalls einen deutlichen Zusammenhang zwischen der betrieblichen Demokratie und dem Verhalten der Mitarbeiter feststellen. Erstens nehmen Mitarbeiter ihre Mitspracherechte viel stärker wahr, wenn es eine Betriebsverfassung oder Statuten gibt, in denen solche verankert sind.

„Und je stärker Mitarbeiter ihr Mitspracherecht empfinden, umso besser ist das Betriebsklima. Zweitens wird die wertschätzende Atmosphäre auch nach außen getragen“, sagt Unterrainer. Mitarbeiter von demokratisch organisierten Betrieben geben an, hilfsbereiter zu sein und sich stärker sozial zu engagieren etc. Unterrainer war an der Entwicklung eines Modells beteiligt, das Betriebe anhand ihrer demokratischen Ansätze einteilt: „Die meisten Unternehmen sind hierarchisch organisiert. Aber einzelne Beispiele zeigen gut, dass Basisdemokratie und wirtschaftlicher Erfolg sich nicht ausschließen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.07.2012)

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