Mehr Licht für eine bessere Stimmung

10.11.2012 | 18:27 |  von Veronika Schmidt (Die Presse)

Michaela Defrancesco zeigte, dass Lichttherapie auch mit niedrigerer Lichtstärke den Serotoninhaushalt beeinflusst und die Stimmung heben kann.

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Die Tage werden kürzer, immer seltener prickelt Sonnenlicht auf unserer Haut. Da merken viele, wie Licht unsere Stimmung beeinflusst. Besonders gravierend wirkt fehlendes Sonnenlicht bei Menschen mit Herbst-Winter-Depression. „Lichttherapie hilft gegen Herbst-Winter-Depression“, sagt Michaela Defrancesco, die nach dem Medizinstudium in Innsbruck noch eine PhD-Ausbildung in Neurowissenschaften macht. In ihrer Dissertation (Med-Uni Innsbruck, Betreuer Eberhard Deisenhammer) testete sie, wie Licht auf den Serotoninhaushalt wirkt. „Wir haben aus 250 gesunden Probandinnen jene rekrutiert, welche wegen ihrer genetischen Ausstattung zu Depressionen neigen können“, erzählt Defrancesco. Ist ein Allel jener DNA-Region, welche für das Serotonin-Transporterprotein eine Rolle spielt, kürzer als bei anderen, ist man anfälliger für Depressionen. Viele Antidepressiva wirken genau an diesem Protein.

„Die Probandinnen wurden auf eine sogenannte Tryptophan-Diät gesetzt, welche die Serotoninkonzentration im Gehirn absenkt. Nach der Diät wurde die Stimmung der Probanden schlechter.“ Dann wurde – in Zusammenarbeit mit dem Lichtlabor Bartenbach in Aldrans – getestet, ob eine moderate Lichttherapie die gesunkene Stimmungslage wieder heben kann. „Im Gegensatz zu herkömmlicher Lichttherapie, bei der die Patienten in Lichtboxen starren, haben wir durch gesunde Raumbeleuchtung für ca.1500 Lux gesorgt. Die Probanden konnten nebenbei lesen oder am Computer arbeiten.“ Und tatsächlich verbesserte diese Beleuchtungsstärke den Serotoninspiegel sowie die Stimmung. 1500 Lux entsprechen einem schattigen Platz an einem trüben Tag, normale Innenbeleuchtung schafft 200 bis 500 Lux.

In einer weiteren Studie bat Defrancesco Patienten über 60 ins Labor, die an einer leichten Gedächtnisbeeinträchtigung litten (Mild Cognitive Impairment, MCI), die eine Vorstufe zu Alzheimer sein kann: Nach drei Wochen mit je drei Tagen Lichttherapie stieg die Stimmung der Probanden, egal, ob mit 75 oder 1500 Lux. Doch bei der höheren Lichtstärke stieg auch die Aufmerksamkeit. „Die herkömmliche Lichttherapie nutzt 2500 bis 10.000 Lux, doch da können Kopfschmerzen und Nebenwirkungen auftreten. Bei der hier verwendeten Lichtstärke wurden keine Nebenwirkungen beobachtet“, berichtet Defrancesco, die weiterhin als Assistenzärztin in der Psychiatrie in Innsbruck arbeitet.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.11.2012)

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