Automatisch Muster erkennen

Die Münchnerin Claudia Plant entwickelt an der Uni Wien Methoden, die bei großen Datenmengen einen Überblick verschaffen: für die Medizin, Wirtschaft und Umweltfragen.

Die Informatikerin Claudia Plant erstellt Computerprogramme, die unübersichtliche Datenmengen in Kategorien einteilen, um Inhalte sichtbar zu machen.
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Die Informatikerin Claudia Plant erstellt Computerprogramme, die unübersichtliche Datenmengen in Kategorien einteilen, um Inhalte sichtbar zu machen.
Die Informatikerin Claudia Plant erstellt Computerprogramme, die unübersichtliche Datenmengen in Kategorien einteilen, um Inhalte sichtbar zu machen. – (c) Akos Burg

Wie in jeder Führungsposition geht man hier nicht um 17 Uhr nach Hause. Die Forschung beschäftigt mich auch in der Freizeit und am Wochenende“, sagt Claudia Plant. Sie kam vor über einem Jahr an die Uni Wien, als Professorin für Data Mining an die Fakultät für Informatik. „Die Bedingungen und die Ausstattung sind sehr gut. Meine Hauptmotivation, hierher zu kommen, war, dass ich völlig unabhängig arbeiten und die Forschungen selbst gestalten kann“, erzählt die Münchnerin. Sie hat zuvor in Deutschland und den USA gearbeitet und empfindet es als Ehre, nun an der Uni Wien zu sein. „Wien ist auch eine tolle Stadt mit vielen Freizeitmöglichkeiten.“

Dass sie nicht so viel Freizeit hat, stört die Forscherin aber nicht. „Die Naherholungsgebiete sind wirklich nahe: Ich kann direkt nach der Arbeit in die Straßenbahn steigen und aus der Währingerstraße nach Grinzing fahren, um im Wiener Wald zu spazieren.“ Viel Zeit verbringt sie auch mit Reisen: Ihr Mann ist Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München, ebenfalls im Bereich Data Mining. Fast jedes Wochenende reist entweder sie oder er mit Zug oder Flugzeug hin und her.

 

Doppelkarriere bedeutet viel Reisen

„Wir haben uns über die Forschung kennengelernt, wie es halt so läuft“, schmunzelt Plant. Inzwischen forschen und publizieren sie auch gemeinsam. „Das Problem der Doppelkarrieren haben viele Wissenschaftler, die räumlich getrennt Stellen finden. Das ist wohl mit ein Grund, warum es in der Wissenschaft zu wenige Frauen gibt.“ Oft ist es die Entscheidung der Frau, ob man sich das Reisen und Getrenntsein antun will.

Data Mining sucht jedenfalls Erkenntnisgewinn in einer großen Menge an Daten. Wie in Minen muss man auch dort spezielle Techniken anwenden, um das wertvolle Materialans Tageslicht zu bringen. Die Techniken der Informatiker sind dabei Algorithmen, also Berechnungsverfahren, und Computerprogramme. Data Mining teilt auch einzelne Werte des großen Datenhaufens in Kategorien ein, um einen Überblick zu bekommen und um Muster zu erkennen. „Jedes Kind ordnet Dinge in Kategorien, sogar bevor es die Worte dafür kennt. Unser Gehirn vergleicht ständig Erfahrungen und Erinnerungen, um Kategorien zu bilden und das Lernen zu erleichtern“, sagt Plant. In ihrer an der UMIT Innsbruck absolvierten Doktorarbeit entwickelte sie bereits Techniken, um aus biomedizinischen Daten Klarheit über Stoffwechselerkrankungen zu bekommen.

Bei Forschungen an der LMU und der TU München konzentrierte sie sich auf Bilddaten von Magnetresonanztomografen: Wie kann man aus medizinischen Bildern Frühstadien der Alzheimerschen Erkrankung entdecken? „Dann war ich mit einem Stipendium der deutschen Humboldt-Stiftung an der Florida State University, USA: Dort habe ich verschiedene Clustering-Methoden entwickelt“, erzählt Plant. Das Leben in Florida fand sie spannend: „Aber drei Jahre waren für mich genug. Ich habe tiefe Einblicke in das Leben des Landes und in das Wissenschaftssystem bekommen, würde aber nicht mein ganzes Leben dort verbringen. Nicht nur wegen der politischen Entwicklung aktuell, sondern weil ich gern näher bei meinen Eltern, der Familie und Freunden bin.“

 

Unterschiedliches vereint darstellen

Ihre aktuelle Forschung versucht, aus ganz unterschiedlichen Datenquellen ein einheitliches Bild zu erzeugen. Ärzte müssen etwa MRT- und CT-Bilder vergleichen, dazu Ergebnisse aus neuropsychologischen Tests – etwa, ob ein Alzheimer-Patient eine Uhrzeit korrekt aufzeichnen kann –, Blutwerte und metabolische Marker beachten, genauso wie Fragebögen über den Lebensstil. „Wir wollen Algorithmen finden, die das automatisch meistern. So sollen auch Zusammenhänge sichtbar werden, die man noch nicht kannte“, beschreibt Plant.

Die Anwendungen sind nicht nur für die Medizin, sondern auch für wirtschaftliche Fragen oder Zusammenhänge der Umweltwissenschaften von Interesse. „Etwa 80 Prozent unserer Forschung läuft derzeit problemunabhängig als reine Grundlagenforschung. Die restlichen Projekte sind anwendungsgetrieben, wenn Kooperationspartner direkt mit Fragen zu uns kommen.“

ZUR PERSON

Claudia Plant (41) stammt aus München, studierte dort Informatik und ging für die Dissertation nach Innsbruck. Seither ist Data Mining ihr Fachgebiet, in dem es um die Wissensgewinnung aus großen Datenmengen geht. Nach Forschungsaufenthalten in Deutschland und den USA kam Plant 2016 an die Uni Wien, wo sie den Fachbereich Data Mining an der Fakultät für Informatik leitet. Zum Ausgleich betreibt sie Sport wie Yoga und Tanzen.

Alle Beiträge unter:diepresse.com/jungeforschung

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.05.2017)

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