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Schlechte Aussichten in der Altenpflege

22.05.2010 | 18:06 |  von Veronika Schmidt (Die Presse)

Almut Bachinger untersuchte die Arbeitsverhältnisse im teilweise illegalisierten Pflegebereich und fand kaum Besserung nach der Verrechtlichung von 2006.

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„Haus- und Pflegearbeit wird zunehmend aus der Familie ausgelagert und durch bezahlte Arbeit ersetzt“, sagt Almut Bachinger. 2005 begann sie für ihre Dissertation (Politikwissenschaft, Uni Wien, Betreuerin Sieglinde Rosenberger) mit Feldforschungen in der Altenpflege. Das Thema war noch stark im Untergrund, Bachinger führte Interviews mit Pflegerinnen, Pflegebedürftigen und mit Leitern von Agenturen, die (unangemeldete) Pfleger vermitteln. Sie wollte herausarbeiten, wie sozialstaatliche Institutionen und Gesetze Einfluss auf die Pflege und die Arbeitsverhältnisse haben. „Dann kam im Nationalratswahlkampf 2006 der Skandal um die illegalisierte Pflege.“ Damit war die Dissertation um ein plötzlich brennendes Thema reicher. Durch das Legalisierungsprogramm wurde ein selbstständiges Modell geschaffen, das weiterhin umstritten ist. „Die Neuregelung orientiert sich an den Bedürfnissen der Pflegebedürftigen. Auf die Arbeitsverhältnisse der Pfleger wurde wenig geachtet.“ Soziale Rechte (geregelte Arbeitszeiten und Einkommen, Anspruch auf Urlaub und Krankengeld) flossen nicht in die Gesetzgebung ein.

Auch der Einfluss auf den Gesamtarbeitsmarkt wurde wenig diskutiert: „Durch die Etablierung der 24-Stunden-Pflege wurde Konkurrenz zu niedrig qualifizierten Arbeitskräften wie Heimhilfen geschaffen.“ Dies betrifft vor allem inländische Arbeitskräfte, während für ausländische Menschen eine „Art neues Gastarbeitersystem“ aufkommt: Durch das Wohlstandsgefälle zu den Nachbarländern können viele Migranten die Pflege zu niedrigerem Lohn übernehmen. „Trotzdem können sich weiterhin nur geschätzte fünf Prozent der Pflegebedürftigen die 24-Stunden-Pflege leisten.“ Etwa 25 Prozent sind auf mobile Dienste angewiesen. „Den Löwenanteil trägt weiterhin die Familie. Über 70 Prozent werden von Angehörigen gepflegt.“ Dieser Anteil nimmt stetig ab, so kommt es mit zunehmender migrantischer Betreuung zu einer Umverteilung von Arbeit und Geld. „Wenn das Wohlstandsgefälle zu den direkten Nachbarländern so nicht weiter besteht, kommen vielleicht Frauen aus weiter entfernten Ländern.“ Unter dem Gesichtspunkt der sozialen Gerechtigkeit sei das wenig erstrebenswert, und Bachinger plädiert mit ihrer Dissertation für bessere Arbeitsbedingungen vor allem auch für weniger qualifizierbare Menschen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.05.2010)

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1 Kommentare
Gast: Puck
18.06.2010 17:14
0 0

als gelernte Altenpflegerin ausgebeutet

Obwohl Ihr Artikel Problematiken anschneidet, beschönigt er Schicksale, die durch eine bewusst aufrechtgehaltene Grauzone im Privatpflegebereich geschaffen wird. Besonders durch die Familie und die, die dazuerkoren werden, haben keine Rechte und werden häufig lediglich benutzt, um sie nach jahrelanger, oft hingebungsvoller Betreuungsarbeit wegzuwerfen, ohne sie auch nur im entferntesten auch finanziell entschädigen zu müssen, so dass ein Leben nach der Hausbetreuung überhaupt möglich gemacht wird. So hält man sich Menschen wie Hunde und macht sie abhängig, bis sie unter Umständen sogar krank werden, weil sie dem Druck, der Belastung durch nicht geregelte Freizeit etc. nicht standhalten können, von Sozialversicherungen und Krankenversicherung gar nicht erst zu sprechen. Meines Erachtens dient das System so lediglich dieser sogenannt privilegisierten Schicht, die es sich sehr wohl leisten könnte, eine Fachkraft anständig zu bezahlen.
Leider spreche ich aus bitterer Erfahrung.
Regina Bernat