„Warum ist der Elefant das größte lebende Landsäugetier?“, dachte Nicole Weissenböck beim Uni-Praktikum im Tiergarten Schönbrunn. Auf der Suche nach den Limits der Körpergröße stieß sie auf den Temperaturhaushalt der „Dickhäuter“. „Die Tiere haben gar keine so eine unsensible Haut, wie man annimmt“, sagt Weissenböck. Die gut durchblutete Haut (ohne Fell) dient zur Abgabe von Wärme, was bei großen Tieren mit eingeschränktem Wärmeaustausch wichtig ist. Mithilfe von Infrarot-Thermografie zeigte sie (auch an Elefanten in Sri Lanka), dass nicht nur die Ohren (das lernt jedes Kind, dass die großen Ohren der Elefanten als Wärmetauscher fungieren), sondern auch „thermische Fenster“ am restlichen Körper zum Temperaturausgleich genutzt werden. Da die Tiere aber weder schwitzen noch hecheln, blieb die Frage, wie sie aufgestaute Hitze abgeben: „Die Infrarotkamera misst nur die Oberflächentemperatur, mich hat die Kerntemperatur interessiert.“
So entwickelte sie für ihre Dissertation (Uni Wien, Zoologie, Betreuer Walter Arnold) gefinkelte Schluckkapseln, die an die Elefanten verfüttert wurden und während der Darmpassage die Innentemperatur der Tiere aufzeichnen. „Wir haben die Kapseln in Schönbrunn getestet, dann konnte ich im ,Samphran Elephant Zoo‘ in Thailand die Daten erheben“, so Weissenböck. Die Kapseln waren zwar mit einem Signal ausgestattet, um sie nach der Ausscheidung wiederzufinden, „aber die Suche war trotzdem abenteuerlich und mühsam“.
Die Mühe hat sich gelohnt: Erstmals konnte Weissenböck zeigen, dass Elefanten innere Temperaturschwankungen zulassen: „Bisher war das nur von Kamelen bekannt, und auch nur, wenn es heißer wird als ihre Körpertemperatur und kein Trinkwasser vorhanden ist.“ Das Dogma „Je größer das Tier, umso stabiler die Temperatur“ stimmt bei Elefanten jedenfalls nicht: Ähnlich der Tagesschwankung der Außentemperatur speichern Elefanten tagsüber die Hitze (auch wenn es unter 35 Grad hat), lassen bis zu 37 Grad im Körper zu, und geben nachts, wenn es kühl ist, die Wärme ab und kühlen bis 35,5 Grad aus: „Das ist enorm viel für so ein großes Tier.“ Dieser Trick könnte möglicherweise erklären, warum Elefanten so groß werden – welche anderen physiologischen Parameter das Limit für die Größe sind, etwa der Druck auf die Organe, möchte Weissenböck in Zukunft erforschen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.07.2010)
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