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Holz: Vielfalt und Herausforderung

18.06.2011 | 19:00 |  von Veronika Schmidt (Die Presse)

Martin Weigl untersuchte, wie stark sich Holzmerkmale bei der industriellen Verarbeitung verändern müssen, um modernen Anforderungen gerecht zu werden.

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„Holz ist ein faszinierender Rohstoff. Seit jeher dient er der Menschheit und ist bis heute wichtig: von rustikalen Anwendungen bis zu High-Tech-Produkten“, sagt Martin Weigl. Er erforschte, wie stark sich Holzmerkmale ändern müssen, um modernen Produktanforderungen genügen zu können (Fachbereich Forst- und Holzwirtschaft, Boku Wien, Betreuer: Rupert Wimmer).

Für Anwendungen im Innenbereich spielt oft die Holzfarbe eine entscheidende Rolle: Die Ästhetik des Produktes soll über die Lebensdauer erhalten bleiben. Aber Holzarten neigen zum Vergilben, und Anstrichsysteme können dem nur bedingt entgegenwirken. Daher werden industrielle Verfahren eingesetzt, um die Holzfarbe anzufeuern und für die Anwendung zu stabilisieren. Thermische Modifikation ist weitverbreitet, kann jedoch zu erheblichen mechanischen Einbußen führen. Beim Räuchern (einer traditionellen Behandlung mit Ammoniak) treten für viele Holzarten unerwartete Farbreaktionen auf. Ungewollte Begleiterscheinungen gibt es dabei kaum, teilweise verbessern sich sogar die Eigenschaften. Weigl: „Dieses Verfahren hat somit weit höheres Potenzial, als heute genutzt wird.“

Holz kommt auch in Bereichen vor, wo es uns nicht immer bewusst ist, zum Beispiel in Form von Plattenwerkstoffen in Fußböden, Möbeln oder Wänden. An solche Produkte werden hohe mechanische und gesundheitliche Anforderungen gestellt. Seit den 1960ern wird über die gesundheitliche Bedeutung von Formaldehyd diskutiert. Die Grenzwerte in Holzwerkstoffen wurden vielfach gesenkt. Aber: Formaldehyd ist ein Stoffwechselprodukt und kommt auch natürlich in Holz vor. Die Konzentration ist stark von der Holzart oder dem Baumalter abhängig.

„Bei der Gestaltung von Produkten können solche Rohstoffmerkmale berücksichtigt werden“, so Weigl: „Man ändert jedoch durch einen Rohstoffwechsel nicht nur eine Eigenschaft.“ Setzt man Pappel anstelle von Kiefer in Holzwerkstoffen ein, kann man bei konstanter Dichte verschiedene Werkstoffeigenschaften verbessern – oder bei konstanten Eigenschaften die Dichte reduzieren. Es ändert sich demnach das Zusammenspiel von Rohstoff, Prozess und Produkteigenschaften. Diesem Thema will sich Weigl auch in Zukunft im Comet-Zentrum Holz an der Boku widmen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.06.2011)

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