„Mich hat immer schon interessiert, wie eine Kultur wahrgenommen wird“, erzählt Zita Veit. Die gebürtige Ungarin kam nach Abschluss ihres Lehramtsstudiums (Geschichte und Geografie) nach Graz, wo sie mit dem Studium der Translationswissenschaften (Uni Graz) begann. In ihrer Dissertation (Betreuer: Erich Prunč) widmete sich Veit nun der Frage, wie die Kultur der Ungarn in Österreich und in Ungarn wahrgenommen wird.
„Ich habe ein historisches Thema gewählt, nämlich ungarisch-deutsche Dramenübersetzungen in der Habsburgermonarchie“, sagt Veit. Der Titel der Dissertation: „Von ,Die Tartaren in Ungarn‘ bis zu ,Moderne Helden‘“. Ersteres ist eine Tragödie des berühmten ungarischen Dramatikers Károly Kisfaludy aus 1820, Letzteres ein soziales Drama von Gyula Molnár, das 1898 in Budapest erschienen ist. „Ich wollte wissen, ob die übersetzten Stücke und ihre Begleittexte, wie beispielsweise das Vorwort, das bereits existierende romantische Ungarnbild verstärkten oder dagegen ankämpften“, erläutert Veit. Ganz so historisch ist das Thema dann doch nicht: „Denn die romantische Wahrnehmung des Landes Ungarn reicht bis in die heutige Zeit.“ Man denke nur an den Film „Ich denke oft an Piroschka“ oder ungarische Figuren im Film „Der Bockerer“ (Teil 3).
Das im 19. Jahrhundert vermittelte Ungarnbild der Pusztaromantik kann jedenfalls man mit „Liebe, Wein und Freiheit“ zusammenfassen. Veit untersuchte neben der Rezeption der ungarischen Literatur im deutschen Sprachraum insbesondere die publizierten Dramenübersetzungen aus der Habsburgermonarchie und bemerkte, dass in Cisleithanien, der österreichischen Reichshälfte der Monarchie, eine viel striktere Auswahl getroffen wurde. „Es musste dem Publikum in Wien gefallen. Sowohl private Theater als auch das Burgtheater übernahmen fast ausschließlich Stücke, die dieses romantische Ungarnbild vermittelten.“ Also eher Lustspiele, oft mit Gesang und Musik.
Hingegen wurden in Transleithanien (jenseits der Leitha) auch jene Stücke ins Deutsche übersetzt, die ein vielseitigeres Bild der ungarischen Kultur zeigten, wie Tragödien oder beispielsweise die dramatische Dichtung „Die Tragödie des Menschen“ von Imre Madách, die in Ungarn so bekannt ist wie Grillparzers „König Ottokar“ in Österreich. Doch solche facettenreichen Themen gelangten in Cisleithanien nicht bis ans Burgtheater.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.07.2011)
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