Am Computer herumprobieren

Jürgen Waser entwickelte eine Software, die bei Hochwasser verschiedene Szenarien zeitgleich anzeigen kann, sodass Helfern die Entscheidungsfindung erleichtert wird.

„Hochwasser ist gerade mit dem Klimawandel immer ein Thema, und Hochwassermanagement interessiert mich schon lange“, sagt Jürgen Waser vom Comet-K1-Zentrum VRVis (Zentrum für Virtual Reality und Visualisierung). Ebenso interessiert sich Waser für technische Hilfen bei Entscheidungsfindungen. Daher hat er in seiner Dissertation (TU Wien, Betreuer Eduard Gröller und Günter Blöschl) eine Software (gemeinsam mit der ETH Zürich) entwickelt, die beides vereint: Visdom nennt sich das digitale Werkzeug, das in Zukunft bei Katastropheneinsätzen den Helfern beim Finden von Entscheidungen helfen soll. Wo müssen bei Hochwasser als Erstes Sandsäcke deponiert werden? Wo müssen Mauern verstärkt oder Abflüsse installiert werden? „Wir haben die Software so designed, dass die verschiedenen Szenarien in einzelnen Zeitlinien parallel beobachtbar sind“, erklärt Waser.

Das heißt, dass die Überflutungsszenarien am Bildschirm vergleichbar sind: Wie sieht es nach einer Stunde aus, wenn vorher zehn Sandsäcke an Punkt A gelegt wurden, und wie, wenn es 20Säcke waren? „Bisher wurde Simulation und Visualisierung getrennt gemacht“, so Waser: „Wir kombinieren aber die Simulation und die visuelle Darstellung der Ergebnisse in einem Tool: Dann muss man kein Experte mehr sein, um von Simulationen lernen zu können“ Für die Hochwasserszenarien werden Geodaten über das Gelände und die Gebäude in die Software geladen, doch den Rest, die Wassersimulation und Visualisierung, erledigt das Tool selbst. „Der Benutzer kann durch die verschiedenen Szenarien navigieren. Aber auch die Simulationsmodelle sind austauschbar“, erklärt Waser: „Man könnte mit Visdom auch die Planung operativer Eingriffe in der Medizin unterstützen oder Prototyping für die Industrie. Auch andere Katastrophen wie Waldbrände können untersucht werden.“ Also alles, wo man ein sehr komplexes Problem nur über mehrere „Was wäre, wenn“-Fragen lösen kann.

„Es geht um das Herumprobieren und Ausprobieren.“ Am VRVis arbeiten Waser und Kollegen nun daran, die Software als Echtzeitanwendung auf mobilen Geräten zugänglich zu machen. „Die Rechenleistung übernehmen Grafikkarten, das ist schnell und billig. Die Simulation läuft ja webbasiert auf zentralen Servern ab, an den Kunden werden dann nur leicht verständliche Bilder zurückgeschickt.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.07.2011)

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