Handys in der Schule sinnvoll nutzen

28.01.2012 | 19:03 |  von Veronika Schmidt (Die Presse)

Grischa Schmiedl zeigt, wie man Mobiltelefone der Schüler im Unterricht einsetzen kann: In Tests stieg die Motivation der Schüler, die Angst der Lehrer vor dem Handy sank.

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„Die Schüler haben eher ein Handy eingesteckt als Stift und Zettel“, sagt Grischa Schmiedl: „Das kann man im Unterricht und bei Schulausflügen nutzen.“ In seiner Dissertation (TU Wien, Informatik, Betreuer Thomas Grechenig) beschreibt Schmiedl 20 Methoden, wie man Mobiltelefone in den Unterricht einbauen kann. Bei der Suche nach Testklassen für die Anwendung der Lehrmethoden stieß er bei Lehrern auf Skepsis. Möglicher Missbrauch und zu wenig Ideen, wie das Medium sinnvoll eingesetzt werden kann, waren die Gegenargumente. Außerdem steht doch in Schulen groß geschrieben: „Handy einschalten verboten.“

„Doch man soll es einfach ausprobieren und sich als Schule ein Konzept für eine schrittweise Einführung überlegen. Da 99 Prozent der Schüler ein Handy besitzen und sich Schüler auch gegenseitig helfen, klappt das sehr schnell.“ Die Schüler freuen sich, wenn sie zusätzlich zur Taschenrechnerfunktion neue Möglichkeiten erkennen, ihr Handy im Unterricht einzusetzen. So konnten die Schüler z.B. per Handy in einem Internetforum Fragen und Antworten zu einem Thema erarbeiten. „Durch die anonymisierte Teilnahme haben Schüler ohne Konflikte zusammengearbeitet, die sich ursprünglich wenig leiden konnten“, so Schmiedl.

In einer anderen Methode hatten die Schüler eine Stunde Zeit, um einen Kurzfilm zu Lehrinhalten mit spezieller Software am iPhone zu erstellen. Die Motivation aller Schüler war enorm, sogar bei „schwierigen“ Klassen. Die Jugendlichen missbrauchten nur selten die Handyerlaubnis für private Zwecke. Ein bisschen Freiraum und „Spielen“ sollte aber erlaubt sein, damit man das Handy nicht als „Lehrgegenstand“ unsympathisch macht. „Wichtig ist, dass man genau vorgibt, wann das Handy wie eingesetzt wird. Die Schüler wünschen sich selbst, dass es Regeln gibt.“ Zudem sollten Lehrer vor der Entscheidung zum „Handyunterricht“ mit den Eltern die Handyverträge durchgehen, damit es keine bösen Überraschungen bei der Rechnung gibt.

Schmiedl analysierte auch die Medienkompetenz der Schüler: „Es gibt keine Verweigerer, alle wollen ein Handy, wenn geht das neuestes und tollste. Doch bei der Kompetenz, die Geräte sinnvoll einzusetzen, gibt es Riesenunterschiede.“ Die „Digital Natives“, wie man Kinder unserer Zeit nennt, sind eben keine einheitliche Gruppe: Es gibt „Freaks“, die selbst programmieren können, und solche, die nur ein bisschen am Handy spielen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.01.2012)

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1 Kommentare
Gast: Christian Sitte
29.01.2012 12:47
0

wäre schön gewesen...

Es wäre schön gewesen, wenn hier durch die online-Redaktion auch gleich der LINK zu der an der TU (wohl genauso wie an der Univie ) wohl im WWW stehenden Arbeit gelegt worden wäre...

PS.:
dazu gibt es neu auch:
Friedrich K., B. Bachmair, M.Risch, hg. (2011): Mobiles Lernen mit dem Handy. Herausforderungen u.Chancen f.d. Unterricht. www.beltz.de

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