Im Film „Green Card – Scheinehe mit Hindernissen“ haben wir noch mit Gerard Depardieu und Andie MacDowell mitgefühlt, als Fremdenpolizisten ihr Zusammenleben durchstöberten. Seit 2006 gilt auch in Österreich eine „Aufenthaltsehe“ als strafrechtliches Delikt, das mit bis zu einem Jahr Haft bestraft wird. Irene Messinger hat in ihrer Dissertation (Uni Wien, Politikwissenschaft, Betreuerin Eva Kreisky) erstmals für Österreich den Tatbestand „Aufenthaltsehe“ anhand von Experteninterviews und Gerichtsakten erforscht. „Es gibt Personengruppen, die in Österreich eher der Scheinehe verdächtigt werden als andere“, sagt Messinger. Der Fokus liegt auf Ehen von österreichischen Frauen mit nigerianischen Männern sowie Ehen zwischen Serben, bei denen ein Ehepartner bereits die österreichische Staatsbürgerschaft hat. „Die statistisch sehr häufige Konstellation der Ehe von österreichischem Mann mit asiatischer Frau gilt als weniger verdächtig und taucht daher in den fremdenpolizeilichen und gerichtlichen Akten kaum auf.“
Messinger bekrittelt, dass sich ein „behördlich-medial inszeniertes Bild“ ständig selbst bestätigt und reproduziert, da eben der Apparat an männlichen Beamten hauptsächlich die „verdächtige“ Gruppe kontrolliert und somit auch nur dort fündig wird.
„Es wird ein enormer Aufwand betrieben, um zu folgenden Ergebnissen zu kommen: Nach Angaben der Fremdenpolizei werden jährlich allein in Wien etwa 2000 Ehen kontrolliert. Doch in zwei Jahren kam es nur zu einer Verurteilung von 120 Fällen in ganz Österreich, davon knapp 60 in Wien.“ Da das Delikt „Aufenthaltsehe“ in nur fünf bis zehn Prozent der Fälle nachgewiesen werden kann (mehrheitlich durch ein Geständnis eines der Ehepartner), wird der überwiegende Teil der binationalen Ehen ohne tatsächlichen Grund in ihrer Privatsphäre gestört und von Polizisten „heimgesucht“.
„Meine Analysen zeigten, dass man in den Befragungen heute weniger das Thema Liebe und Sexualität des Ehepaares untersucht als die Frage nach dem Einkommen“, sagt Messinger. Wenn der Mann nicht weiß, wie seine Frau das Geld verdient oder umgekehrt, und wenn ein Ehepartner nicht weiß, wer daheim Strom und Gas zahlt, macht man sich verdächtig. Die genauen Ergebnisse der Studie – soeben prämiert mit dem Gabriele-Possanner-Förderpreis – publiziert Messinger im Herbst im Mandelbaum Verlag in der Reihe „Kritik und Utopie“.
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