Ist das ein stinknormaler Stein vom Mars?“, wurde Christian Köberl am Montag gefragt, als er das neue Prunkstück des Naturhistorischen Museums präsentierte: Der faustgroße Gesteinsbrocken stammt direkt vom Mars, war einige Millionen Jahre im Weltall unterwegs, bevor er am 18. Juli 2011 in Marokko als heller Feuerball auf die Erde fiel. „Auf dem Mars ist der Stein stinknormal. Aber auf der Erde sind Marssteine verdammt selten“, antwortete Köberl, Direktor des NHM. Die Finder der Marsmeteoriten sind nun reiche Menschen, der Marktwert beträgt 1000 Euro pro Gramm („Die Presse“ berichtete). In Wien liegt jetzt der etwa ein Kilogramm schwere Brocken zur Bewunderung auf, weitere kleine Stückchen erwarb das NHM zum Sonderpreis von 400.000 Euro gleich mit. An ihnen laufen die Forschungen im Department für Lithosphärenforschung der Uni Wien bereits auf Hochtouren. Köberl (Professor für Impaktforschung und planetare Geologie) hofft, dass erste Publikationen bis zum Herbst fertig sind, wenn der neue Meteoritensaal im NHM eröffnet wird.
Dieser zeigte bisher die Steine, die vom Himmel fielen, ohne Erklärungen, obwohl das NHM die weltweit größte und älteste Meteoritensammlung der Welt besitzt. Das frustrierte Köberl schon als jungen TU-Studenten vor vielen Jahren, nun als Direktor des NHM ist die Neugestaltung des Meteoritensaals sein Herzensprojekt: „Für viele Besucher sind das hier nur braune oder graue Steine. Dabei können wir von diesen Steinen lernen, wie und wann unser Sonnensystem und die Erde entstanden sind, welche chemischen und physikalischen Prozesse vor 4,5 Milliarden Jahren abgelaufen sind und wie die Entstehungsgeschichte der Planeten war.“
Der neue Meteorit erzählt von der Geschichte des Mars. Bei einem großen Meteoriteneinschlag wurde Oberflächenmaterial vom Mars ins Weltall geschleudert: vor hunderten Millionen Jahren. Das ist verhältnismäßig jung für einen Meteoriten: Die große Masse der zur Erde fallenden Brocken (bisher mehrere zehntausend) ist 4,5 Milliarden Jahre alt und somit Zeitzeuge der Entstehung unseres Sonnensystems. Der Name „Meteorit“ leitet sich vom griechischen „meteoros“ („hoch in der Luft“) ab. Als „Meteor“ wird hingegen die Leuchterscheinung bezeichnet, die beim Eintritt in die Erdatmosphäre sichtbar ist: Verglüht das Gestein dabei, ist es nur eine Sternschnuppe, erreicht es den Boden, ist es ein Meteorit. Da Steinmeteoriten den normalen Steinen der Erde recht ähnlich sehen, ist ihre Bestimmung oft schwierig, leichter werden Eisenmeteoriten (wie der weltgrößte Meteorit Hoba) von Findern erkannt. In Österreich landeten bisher erst sieben (Stein-)Meteoriten: der erste 1768 (19 kg) in Mauerkirchen (OÖ) und zuletzt ein sechs Kilo schwerer in Reutte (T) im April 2002.
veronika.schmidt@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.07.2012)
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