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Restaurierungen

15.09.2012 | 18:06 |  von Martin Kugler (Die Presse)

Frühere Restaurierungen machen den Restaurateuren immer mehr Kopfzerbrechen. Und auch neue Materialien machen Probleme.

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Es gibt auf jeden Fall schonendere Umgebungen: Die Wiener Kapuzinergruft, in der seit 1633 die Habsburger zur letzten Ruhe gebettet werden, wurde zwar wiederholt klimatechnisch auf den neuesten Stand gebracht. Die Sarkophage müssen aber dennoch so einiges an Kälte und Feuchte aushalten. Vor allem die Zinnsärge – etwa der Prunksarkophag von Maria Theresia und Kaiser Franz Stephan – haben über die Jahrhunderte arg gelitten. Die Feuchtigkeit hat sich in das Material hineingefressen und es zersetzt. Und das, obwohl schon bei der Aufstellung eine Schutzschicht aufgebracht wurde.

Ab den 1960er-Jahren wurden die Grabmäler restauriert und mit neuen Schutzschichten aus Schellack, Bienenwachs oder Harzen überzogen. Das hat die Korrosion nicht gestoppt – aber künftige Restaurierung noch schwieriger gemacht. Denn wie beim Restauratoren-Weltkongress ICC diese Woche in Wien bekannt gegeben wurde, liegt nun ein teils zehnschichtiger Überzug über dem Zinn – eine Mischung, deren Verhalten gegenüber dem Metall nicht vorhersagbar ist.

Dieses Beispiel ist typisch für die Probleme, die auf dem Kongress diskutiert wurden: Man sei in einer Phase der „Re-Restaurierung“, hieß es. Denn viele frühere, zweifellos gut gemeinte Restaurierungsversuche erweisen sich nun als kontraproduktiv, weil sie die Probleme noch verstärkten.

Lösungen dafür sind rar und werden die Experten noch lange auf Trab halten – ebenso wie die Tatsache, dass immer ausgefallenere Kunstgegenstände einer Restaurierung bedürfen. Auf dem Kongress wurde beispielsweise eine Forschungsarbeit der Uni für angewandte Kunst vorgestellt, die sich mit der Restaurierung eines Asbest-Schutzanzuges aus dem späten 19. Jahrhunderts aus dem Technischen Museum Wien beschäftigte. Noch ungewöhnlicher mutet ein Projekt an, das sich mit Tiroler „Spinnwebenbildern“ beschäftigt. Das sind Malereien, die auf feinsten Gespinsten von Mottenraupen gemalt wurden – ungefähr 100 dieser äußerst fragilen Kunstwerke sind erhalten. Wie man sie restaurieren soll, weiß man derzeit nicht.

Kunstwerke sind, wie alles Materielle auf dieser Welt, vergänglich. Britische Forscher schlugen deshalb bei dem Kongress vor, das in manchen Fällen einfach zu akzeptieren – und die Menschen daran teilhaben zu lassen. Etwa indem sich Besucher einer Bibliothek in einem historischen Herrenhaus einfach in die alten Polstermöbel setzen könnten, um in den Büchern zu schmökern. Möglicherweise, so wird argumentiert, sollten Museen das Handeln gemäß dem Vorsorgeprinzip stoppen, um zu nachhaltigeren Institutionen zu werden, in denen Besucher intensivere Erfahrungen machen können.

martin.kugler@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.09.2012)

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