Wort der Woche

Die Bienen spielen nicht nur in der Ökologie und der Landwirtschaft eine wichtige Rolle, auch für die Forschung sind sie äußerst interessante Lebewesen.

Die Biene Maja kann wieder lachen“ schrieb eine große Zeitung dieses Landes – mit einem Anflug von Infantilität –, nachdem bei einem „Bienengipfel“ ein 180-Grad-Schwenk in der österreichischen Umweltpolitik vollzogen wurde: Voraussichtlich ab Dezember dieses Jahres sind Neonicotinoide u.a. als Saatgut-Beizmittel in der Landwirtschaft – für vorerst zwei Jahre – verboten. Diese Substanzen gelten als einer der Faktoren, die in den letzten Jahren zu einem dramatischen winterlichen Bienensterben geführt haben.

Die genauen Zusammenhänge sind höchst unklar: Der Zoologe Karl Crailsheim (Uni Graz) sprach beim „Bienengipfel“ von 18 möglichen Schadursachen – von der Varroa-Milbe über die bakterielle Faulbrut und den Einzeller Nosema bis hin zu Pestiziden. Möglicherweise bewirkten die inkriminierten Insektizide, dass Bienen sensibler für Krankheiten werden, mit denen sie sonst leicht zurechtkommen, mutmaßte er. Nun sollen – erstmals in Österreich – Forschungsprojekte der Wahrheit auf den Grund gehen.

Wie dem auch sei: Ohne Bienen und verwandte Insektenarten würde die Welt jedenfalls schlecht ausschauen. Ein großer Teil unserer Nutzpflanzen braucht Bienen zur Bestäubung, Insekten sind für schätzungsweise ein Drittel der weltweiten Ernte notwendig. Und wo die Bienen fehlen – wie in Teilen Chinas –, dort müssen bekanntlich Menschen die mühsame Übertragung des Blütenstaubs übernehmen. Pflanzen in der freien Natur kommen nicht in diesen Genuss, sie drohen auf der Strecke zu bleiben.

Bienen sind aber auch für die Forschung wichtige Lebewesen. Die Schwärme sind z.B. Modelle für die koordinierte Bewegung von Massen – im Grazer „Artificial Life Lab“ werden derzeit in dem EU-Projekt „Assisi“ kleine Roboter mit Schwarmtieren „vergesellschaftet“, um etwas über die Kommunikation der Tiere zu lernen. Sie können aber auch als Helfer bei Analysen dienen: Umwelttechniker der TU Wien haben einen Schnelltest auf Feuerbrand-Bakterien entwickelt, die mancherorts ganze Obstgärten vernichten. Als Untersuchungsmaterial dient Blütenstaub, den die Bienen von ihren Flügen in den Stock mitbringen: Beim Einflugloch werden Röhrchen mit einer Folie angebracht, durch die Bienen hindurchkrabbeln müssen. Die Bakterien bleiben an der Folie kleben, die Analyse – ein spezieller Farbtest – liefert schon nach wenigen Stunden ein Ergebnis. Früher musste man Blüten sammeln und in ein Labor einschicken. Dass das nun quasi automatisch und viel schneller geht, ist auch ein Verdienst der Bienen.

martin.kugler@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.05.2013)

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