Österreich ist ein Paradies für Raucher

Österreich ist weiterhin ein Paradies für Raucher, niemals zuvor haben so viele junge Frauen geraucht wie heute. Dieser Genderaspekt sollte ernster genommen werden.

Die Watsche hat gesessen: Im aktuellen Ranking der Europäischen Krebsliga (ECL) zum Nichtraucherschutz belegt Österreich unter 34 europäischen Ländern unangefochten den letzten Platz. Das ist die unausweichliche Folge davon, dass die heimische Gesundheitspolitik in allen sechs Teilrankings unter den schlechtesten fünf Staaten rangiert – etwa bei Rauchverboten, beim Zigarettenpreis oder bei Werbeverboten. Ähnlich nachlässig sind Deutschland, Zypern, Tschechien und Griechenland.

Als bekennender Raucher schätzt man zwar die Situation in Österreich – gleichzeitig ist aber klar, dass das Laster die eigene Gesundheit und die der Umgebung gefährdet. Man braucht dabei gar nicht an den Worst Case – Herzinfarkt und Lungenkrebs – zu denken: Eine Studie von niederländischen Forschern hat nun ergeben, dass die Rauchverbote in öffentlichen Gebäuden zwischen 2008 und 2013 die Zahl der Frühgeburten sowie der schweren Asthma-Anfälle von Kindern um zehn Prozent sinken ließ. In dieser im renommierten Wissenschaftsmagazin „Lancet“ veröffentlichten Studie wird zudem eine erschreckende Zahl genannt: 40 Prozent aller Kinder weltweit sind regelmäßig Tabakrauch ausgesetzt. Auch in Österreich steigt zwar das Bewusstsein, wie schädlich Rauchen ist. Allerdings nicht in allen Bevölkerungsschichten: Niemals zuvor haben mehr junge Frauen geraucht als derzeit. Bei den unter 15-jährigen Österreichern rauchen bereits mehr Mädchen (21 Prozent; Tendenz steigend) als Burschen (19 Prozent; Tendenz sinkend).

Die Gesundheitspolitik wäre wohl gut beraten, diesen Genderaspekt ernster zu nehmen. Das legt auch eine Studie von Andjela Bäwert (Med-Uni Wien) nahe, die in der Vorwoche bei der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für geschlechtsspezifische Medizin vorgestellt wurde. Demnach unterscheiden sich die Rauchmotive zwischen den Geschlechtern: Frauen zünden sich vermehrt in Stresssituationen eine Zigarette an, während Männer eher in Gesellschaft Nikotin konsumieren. Ähnlich übrigens wie bei Alkohol. Das hat offenbar – auch – physiologische Gründe: Bei Frauen werde Nikotin schneller abgebaut, sie spürten Nikotinentzug schneller als Männer, so die Forscherin.

Zudem leiden Frauen häufig unter der Angst, durch einen Rauchstopp vermehrt Appetit zu bekommen. „Bäwert: „Viele Raucherinnen sagen sich: ,Bevor ich etwas esse, rauche ich eine Zigarette‘“.

Der Autor leitete das Forschungsressort der „Presse“ und ist Chefredakteur des „Universum Magazins“.

martin.kugler@diepresse.com

diepresse.com/wortderwoche

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.04.2014)

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