Wort der Woche

Ostern als Familienfest

Wenn heute Familien zum feiertäglichen Fest zusammenkommen, dann ergibt das ein ganz anderes Bild als noch vor einigen Jahrzehnten – ein viel bunteres.

Ostern gilt wie Weihnachten als ein Familienfest. Wenn heute oder morgen landauf, landab Familien zusammenkommen, sieht das allerdings deutlich anders aus als noch vor einer Generation: War vor 20 Jahren die Kernfamilie – Mutter und Vater, miteinander verheiratet, mehrere Kinder – der „Normalfall“, so gibt es heute ein vielfältiges Sammelsurium an verschiedensten Formen des Zusammenlebens: Lebensgemeinschaften mit oder ohne Trauschein und mit Kindern oder ohne sie, alleinerziehende Mütter oder Väter, Stief- oder Patchworkfamilien, kinderlose Singles (nicht selten mit Teilzeitbeziehungen), gleichgeschlechtliche Paare usw. Die Familienwelt ist bunter geworden.

So deutlich wie kaum bei einem anderen Faktum kann das an einer Zahl festgemacht werden: Laut dem aktuellen Bericht des Österreichischen Instituts für Familienforschung kamen 52,7 Prozent aller Erstgeborenen unehelich zur Welt. (Bei allen Geburten zusammen liegt die Nichtehelichenquote aktuell bei 42,1 Prozent.) Aber nicht nur die Familienstrukturen haben sich dramatisch verändert – auch die Lebensumstände der Kinder sind im Wandel. Wie das europäische Forschernetzwerk „Population Europe“ kürzlich herausgearbeitet hat, verlassen immer mehr Kinder immer später den elterlichen Haushalt.

Es ist also vieles im Fluss. Interessant ist indes, dass sich Trends aus der Vergangenheit nicht so einfach in die Zukunft fortschreiben lassen: So hat beispielsweise die Zahl der in der Vergangenheit boomenden Patchworkfamilien (Paarbeziehungen, in die zumindest einer der Partner zumindest ein Kind aus einer früheren Beziehung mitgebracht hat) in jüngster Zeit wieder abgenommen – auf 8,4 Prozent aller Paarhaushalte mit Kindern.

Trotz aller Veränderungen gibt es aber auch Konstanten: Bei großen feiertäglichen Familientreffen kommen heute genauso wie früher meist drei Generationen zusammen – Großeltern, Eltern und Kinder bzw. Enkel – und nicht vermehrt vier Generationen, wie man angesichts der steigenden Lebenserwartung annehmen könnte. Der Grund dafür ist, dass sich auch das Alter, in dem sich die meisten Menschen fortpflanzen, nach hinten verschiebt. Unter dem Strich, so konnten die Forscher im Population-Europe-Konsortium empirisch belegen, gleichen sich diese beiden Effekte aus. Allerdings gibt es trotzdem einen großen Unterschied zu früher: Der Altersabstand zwischen den Generationen wird immer größer.


Der Autor leitete das Forschungsressort der „Presse“ und ist Chefredakteur des „Universum Magazins“.

meinung@diepresse.com

diepresse.com/wortderwoche

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.04.2017)

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