Wann stoßen Klimamodelle an ihre Grenzen?

Regnet es im Frühling 2100 in Salzburg mehr oder weniger als heute?

Globale oder kontinentale Trends lassen sich prognostizieren, nicht aber, wie etwa Niederschlagsmenge oder Temperatur zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort sein werden, sagt Charlotte Werndl, Professorin für Logik und Wissenschaftstheorie an der Uni Salzburg.

Spitzentemperaturen von 38 Grad Celsius wie zuletzt sagen statistisch gesehen nichts über den Klimawandel aus. „Aus ein paar Tagen lässt sich wenig schließen“, sagt Charlotte Werndl von der Uni Salzburg. Man könne aber mit sehr hoher Sicherheit sagen, dass die Erde sich erwärmt und dass die Menschen – und nicht etwa natürliche Prozesse – dafür verantwortlich sind. Werndl befasst sich in ihrer wissenschaftlichen Arbeit mit Klimamodellen und wo diese an die Grenzen der Vorhersagbarkeit stoßen. Klimawissenschaften seien ein relativ neues Gebiet, konzeptionelle Fragen daher oft noch wenig erforscht. „Ausrechnen lässt sich vieles. Die Frage ist, wie aussagekräftig die Ergebnisse sind“, sagt sie.

Aktuell gibt es weltweit etwa 20 Klimamodelle, die – unter anderem auch von der Nasa – ständig weiterentwickelt werden. Dazu benötigt man sehr viele Variablen: etwa zu Wolkenbildung, Pflanzen, Tieren oder Abgasen. Die Simulationen sind daher besonders rechenaufwendig. Für verlässliche Prognosen müsse man die Anfangsbedingungen genau kennen, so Werndl. Daraus ergibt sich eine Unsicherheit, denn: „Es gibt auf der Erde keine flächendeckenden Messstationen.“ Ihre Analysen zeigen, dass diese Unsicherheiten der Modelle oft größer sind als gedacht. Daher empfiehlt sie, eher verschiedene Szenarien für mögliche Entwicklungen herauszuarbeiten.

In ihrer wissenschaftstheoretischen Arbeit befasst sich die Mathematikerin und Philosophin mit Methoden in ganz unterschiedlichen Feldern. Dabei gelang ihr – quasi „nebenbei“ – auch selbst der eine oder andere Beweis: etwa in der Physik, wo es ebenfalls um die Vorhersagbarkeit und Unvorhersagbarkeit von Modellen ging.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.08.2015)

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