Ein Werk in sieben Tagen

Wien, 11. April 1867. Rom wurde nichtan Einem Tage erbaut; das Haus Oesterreich bedurfte dreier Jahrhunderte, bis es aus verhältnismäßig schwachen Keimen zu seiner weltbeherrschenden Stellung unter Karl V. emporstieg; Frankreich brauchte viele Jahrhunderte, um die großstaatliche Höhe zu erreichen, die es immerdar noch einnimmt.

Diesem Gesetze allmäligen Wachsthums entgegen, sollte nur Preußen binnen sieben Tagen ein dauerhaftes Werk vollbracht haben, zu dessen Vollendung kaum so viele Decennien ausreichend scheinen? Nemesis Adrastea tritt nunmehr an die kühnen preußischen Baukünstler heran, um das stolze Werk mit ihren Meisterfingern zu prüfen. Ehe diese Prüfung überstanden wird, darf Preußen sich nicht rühmen, daß es fertig sei. Mit gerechtfertigter Spannung verfolgt die ganze Welt den eben beginnenden Läuterungsproceß. Nur wenn die neue preußische Größe wahrhaft Gold ist, wird das französische Feuer sie nicht verschlacken.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.04.2017)

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